Arzneimittel und Therapie

Allergiker am Steuer: Sedierende Antihistaminika

Die höchsten Unfallzahlen in Deutschland werden im Straßenverkehr im Mai, dem Monat mit der stärksten Graspollenbelastung, registriert. Die Kampagne "Allergie am Steuer" Ų eine Gemeinschaftsinitiative der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und des Automobilclub von Deutschland (AvD) Ų will nun die Zusammenhänge zwischen allergischer Rhinitis und Unfallrisiko verdeutlichen und adäquate Präventionsstrategien propagieren. Dazu zählen sowohl medizinische als auch technische Maßnahmen.

Unbehandelte oder schlecht behandelte allergische Erkrankungen sind im Straßenverkehr mit einem ähnlich hohen Gefährdungspotenzial verbunden wie der Konsum von Alkohol. Direkte körperliche Beeinträchtigungen durch allergische Symptome wie Nies- und Juckreiz oder indirekte Krankheitsfolgen wie Müdigkeit und unzureichende Reaktionsfähigkeit bedingen ein erhöhtes Unfallrisiko.

Filter halten den Innenraum pollenfrei

Einer der wichtigsten Punkte ist die Allergenvermeidung. Technisch lässt sich die Allergenbelastung im Auto durch eingebaute Innenraumfilter senken. Bei regelmäßiger Wartung können Partikel- und Pollenfilter Staub, Ruß und Pollen fast hundertprozentig zurückhalten. Daneben gibt es Kombifilter, die zusätzlich zum Partikelfiltermedium noch mit einer Aktivkohleschicht ausgerüstet sind, um auch eintretende Gase und unangenehme Gerüche zurückzuhalten.

Nichtsedierende Antihistaminika verwenden

Nach Einschätzung der DGAI erhält in Deutschland nur ein Drittel der Patienten mit allergischer Rhinitis überhaupt eine Behandlung, nur 10% werden nach den geltenden Empfehlungen therapiert. Für Verkehrsteilnehmer kommt es bei der Wahl eines Antiallergikums entscheidend darauf an, dass dieses nicht selbst ein Sedierungspotenzial besitzt.

Hinzu kommt, dass es gerade in der Selbstmedikation auch zu Überdosierungen und damit zu einer Verstärkung des müdigkeitsinduzierenden Effekts kommt. Vor allem ältere Antihistaminika können sedierende Nebenwirkungen haben. Dazu zählen die heute so genannten Antihistaminika der 1. Generation wie Chlorpheniramin, Clemastin, Diphenhydramin oder Hydroxyzin.

Die neue Generation von Antiallergika, wie Loratadin, Cetirizin, Fexofenadin und Desloratadin, zeichnet sich durch eine deutlich höhere Rezeptoraffinität und eine schlechtere Lipidlöslichkeit aus, wodurch die Blut/Hirn-Schranke lediglich in klinisch nicht relevanten Mengen durchdrungen und die Konzentrations-, Reaktions- und Koordinationsfähigkeit nicht nennenswert beeinträchtigt wird.

Die Eigenschaften, die die zur Behandlung der allergischen Rhinitis zu verwendenden Substanzen heute aufweisen sollten, sind im Kriterienkatalog des ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) Workshop Report 2001 der WHO festgelegt. So sollten neben modernen, rein lokal wirkenden nasalen Corticosteroiden nichtsedierende Antihistaminika eingesetzt werden.

Quelle

Prof. Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, Bochum; Prof. Dr. Claus Bachert, Gent; Prof. Dr. Ralph Mösges, Köln; Dr. Manfred Tumbrink, Ludwigsburg; Pressekonferenz "Allergie am Steuer", Frankfurt, 19. Februar 2003, veranstaltet vom Automobilclub von Deutschland (AvD) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI).

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