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Apothekerforum Baden-Württemberg: Ein politisches Zeichen setzen (DAZ-Interview

STUTTGART (ral). Noch nie standen Apotheken so unter Druck wie seit Beginn dieses Jahres. Das Beitragssatzsicherungsgesetz und die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt für die eigentliche Gesundheitsreform sind schwere Angriffe auf das Apothekenwesen. Ob und wie diese Angriffe abgewehrt werden können, ist Thema des am 19. März in Berlin stattfindenden außerordentlichen Apothekertags sowie des von Landesapothekerkammer und Landesapothekerverband Baden-Württemberg gemeinsam veranstalteten Parlamentarischen Abends, an dem amtierenden Gesundheitspolitikern die Situation der Apotheker vor Augen geführt werden soll. Über die Ergebnisse dieser Veranstaltungen sowie über den Stand der rechtlichen Auseinandersetzungen werden Kammer und Verband am 22. März auf dem Apothekerforum Baden-Württemberg informieren. Die DAZ sprach mit Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, über die Beweggründe für die Veranstaltung.

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Herr Hanke, das Apothekerforum Baden-Württemberg ist für den 22. März, also direkt im Anschluss an den außerordentlichen Apothekertag und den Parlamentarischen Abend geplant. Reichen die Veranstaltungen am 19. März Ihrer Ansicht nach nicht aus, um offene Fragen zu klären?

Hanke:

Da die Veranstaltung in Berlin stattfindet, gehe ich davon aus, dass ein erhebliches Informationsbedürfnis unserer Baden-Württembergischen Kollegen besteht. Sie sollen nicht nur aus erster Hand aktuell informiert werden, sondern auch die Möglichkeit haben, Ihre persönlichen Probleme vorzutragen. Mit Sicherheit werden nach der Veranstaltung in Berlin offene Fragen bleiben, die wir zum Teil in unserem Stuttgarter Forum klären werden.

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Wut, Angst, Resignation – das sind derzeit bei Kolleginnen und Kollegen die vorherrschenden Emotionen. Das Apothekerforum soll neben der Information auch eine Plattform zum "Dampf ablassen" sein. Wie wichtig ist Ihrer Ansicht nach dieser Aspekt der Veranstaltung?

Hanke:

Nur Dampf ablassen wäre sicher zu wenig, die Kollegen sollen mit ihrer Anwesenheit auch die ganz persönliche Betroffenheit demonstrieren; damit ein politisches Zeichen setzen. Sie sollen außerdem erkennen, dass "die da oben" die Gefahren erkannt haben und auf Bundes- und Landesebene tätig werden. Da dem Bundesrat in Zukunft noch mehr Bedeutung zukommt, ist es besonders wichtig, auf Länderebene aktiv zu sein.

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Als Veranstaltungsort wurde der Hospitalhof in Stuttgart gewählt. Hier fand am 22. Januar bereits ein Aktionstag der Ärzte unter dem Motto "Gegen den Ausverkauf des Gesundheitswesens" statt. Ist es Zufall oder bewusste Wahl, dass auch das Apothekerforum im Hospitalhof stattfindet?

Hanke:

Dies ist absolut kein Zufall, es ist eine deutliche Demonstration, dass gerade der Apotheker durch die derzeitige Politik überproportional betroffen ist. Allerdings haben wir bewusst mit dem Samstagnachmittag eine Uhrzeit ausgesucht, bei der nicht der Patient darunter leiden muss und die Kollegen die Möglichkeit haben, daran teil zu nehmen.

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Das Apothekerforum ist eine gemeinsame Veranstaltung von Kammer und Verband. Ist dies ein Zeichen, dass in schweren Zeiten der Zusammenhalt innerhalb der Apothekerschaft wichtiger denn je ist?

Hanke:

Das sehen Sie genau richtig. Wer in dieser Zeit sein eigenes Süppchen kochen will, vergeudet Energie und schmälert die Zukunftschancen des gesamten Apothekerstandes.

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Sind weitere Veranstaltungen in dieser Art geplant?

Hanke:

Dies hängt sicherlich auch von der zukünftigen politischen Entwicklung ab, Kammer und Verband haben aber wieder den Runden Tisch zum regelmäßigen Informationsaustausch aufleben lassen. Außerdem führt die Kammer mit "Kammer im Gespräch" regionale Treffs zur Information und Diskussion durch.

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Welchen Stellenwert werden Kammer und Verband Ihrer Ansicht nach im Zusammenhang mit den immer schwerer werdenden Zeiten künftig einnehmen. Worauf gilt es insbesondere zu achten?

Hanke:

Obwohl ich natürlich Mitglied im LAV bin, will ich nur für die Kammer sprechen: Die Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts wird verstärkt die Aufgabe des Apothekers als Sicherheitsfaktor im Gesundheitswesen herausstellen müssen. Wir haben auf Grund der Institution Kammer als Heilberufsvertretung die Möglichkeit ganz offiziell unsere Positionen nach außen gegenüber der Politik, der Presse, den Krankenkassen und wichtigen Partnern im Gesundheitswesen und der Öffentlichkeit auch gemeinsam mit der Ärzteschaft zu vertreten.

Auf der Basis einer europäischen Resolution des Ministerrats aus dem Jahr 2001 informieren wir nach innen und außen, wie der Apotheker in Europa gesehen wird. Unsere derzeitige politische Führung auf Bundesebene handelt allerdings nicht nach diesen Grundsätzen. Wir werden jedoch nicht nachlassen, unermüdlich für diese Ziele zu kämpfen und bei allen Gesprächspartnern die Leistungen der Apotheken herauszustellen und zu erläutern.

Ich bin überzeugt, dass meine Kollegen das Angebot der Kammer zu Fort- und Weiterbildung weiterhin annehmen und sich auf unsere Kernkompetenz besinnen. Die Inhalte der Seminare zur pharmazeutischen Betreuung sind auch eine Basis für unsere Zukunft. Im übrigen ist der Kammerbeitrag in Baden-Württemberg für jeden Apotheker finanziell zu verkraften: der Mitgliederbeitrag beträgt 8 Euro pro Monat. Für die Apothekenumlage sind bei einem Umsatz von 1 Mio. Euro im Jahr pro Monat vor Steuern 91,66 Euro zu bezahlen.

Dafür leistet die Kammer mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern enorm viel zum Erhalt der Apotheke – denken Sie nur an die satzungsgemäßen Aufgaben der Kammer, die von manchem Kritiker gar nicht wahrgenommen werden, so z. B. die Notfalldepots, die zur Entlastung der einzelnen Apotheke bei der Lagerhaltung führen. Ohne Kammern gäbe es keine berufsständische Altersversorgung, wir werden weiterhin den Begehrlichkeiten staatlicher Rentenkassen entgegentreten.

Die Kammer versteht sich auch als Vorkämpfer zum Erhalt eines funktionierenden Gesundheitswesens für den Patienten – der Apotheker ist der am leichtesten für den Patienten erreichbare Gesundheitsfachmann. Der Kammer als Selbstverwaltungsorgan kommt zukünftig eine besondere Rolle bei der Darstellung und dem Selbstverständnis des Apothekers als freier akademischer Heilberuf zu.

Deregulierung ist das Zauberwort für die Politik, daher werden Kammern als Selbstverwaltungsstrukturen an Bedeutung zunehmen müssen. Die Kammer als Dienstleister für die Kollegen und die Gesellschaft ist dann zukunftsfähig, wenn konsequent der eingeschlagene Weg der Kundenorientierung auf wissenschaftlicher Basis fortgeführt wird.

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Herr Hanke, vielen Dank für dieses Gespräch!

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