Feuilleton

Ausstellung: Schokolade – bitter, heiß, süß oder sportlich

Bis zum 30. März 2003 zeigt das Übersee-Museum in Bremen die Ausstellung "Schokolade Ų die süßen Seiten Bremens". Auf 500 Quadratmeter Fläche werden alle Aspekte des beliebten Genussmittels von der Herstellung bis zum Konsum angesprochen. Ein "Urwald" mit echten Pflanzen gehört ebenso dazu wie eine Produktionsstätte. Nicht zuletzt darf der Besucher die vielen Köstlichkeiten bestaunen, die aus Kakao hergestellt wurden oder werden.

Im Laufe des Jahres 2000 verzehrte ein Einwohner der Bundesrepublik durchschnittlich mehr als acht Kilogramm Schokolade, was etwa einer Tafel ą 100 Gramm an jedem vierten Tag entspricht. Allein diese Zahl lässt darauf schließen, dass die Schokolade sich bei uns vom exquisiten Genussmittel zu einem alltäglichen Nahrungsmittel entwickelt hat. Diese Entwicklung zu verfolgen und zu dokumentieren, ist ein zentrales Thema der Ausstellung im Übersee-Museum. Daneben werden jedoch noch viel mehr Themen angesprochen.

Schokolade kommt von "xocolatl"

Es beginnt bei der Gewinnung des Hauptrohstoffs, des Kakaos. Die Stammpflanze Theobroma cacao, ein Vertreter der in den Tropen weit verbreiteten Familie der Sterculiaceen, zu denen auch die Kolanuss zählt, ist in Mittelamerika beheimatet. Dort bereiteten die Olmeken, ein Volk, das aufgrund archäologischer Quellen gut fassbar ist, vor schätzungsweise 3000 Jahren erstmals aus den zerriebenen Kakaobohnen mit Wasser ein Getränk, das vor allem sehr nahrhaft war, denn Kakaobohnen bestehen zu 54% aus Fett.

Die Völkerschaften Mittelamerikas kamen und gingen, die Schokolade blieb. Die spanischen Eroberer lernten sie 1519 bei den Maya und Azteken kennen, wo sie "xocolatl" genannt und mit Chili gewürzt wurde.

Europäische Innovationen

Die Spanier führten die Schokolade in Europa ein, wo sie einige Veränderungen erfuhr: Chili wurde durch andere Gewürze wie Zimt oder Anis ersetzt, als essenzielle Zutat kam Zucker hinzu; zur Zubereitung verwendete man heißes Wasser, das Getränk wurde mit einem Quirl schaumig geschlagen und anschließend heiß serviert.

Besonders geschätzt wurde die Schokolade in katholischen Gegenden während der Fastenzeit, weil nach alter Regel während des Fastens alle Getränke – und seien sie noch so nahrhaft (siehe Starkbier) – erlaubt waren. Aber auch der protestantische Schwede Carl Linnäus war der Schokolade nicht abgeneigt und gab der Stammpflanze den Gattungsnamen Theobroma, das heißt: Göttertrank.

Im 19. Jahrhundert wurden die Verfahren zur Entölung des Kakaos und zur Herstellung der Milchschokolade entdeckt. Damit kam die "Tafel" Schokolade und eine Fülle neuer Konfiserie-Produkte auf den Markt. Ein Rohstoffmangel trat dadurch nicht ein, denn die weltweite Anbaufläche wuchs kontinuierlich, im 20. Jahrhundert insbesondere in Westafrika (Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria, Kamerun), Südostasien (Indonesien) und Südamerika (Brasilien); Mittelamerika produziert heute weniger als fünf Prozent der Welternte.

Richtig populär wurde Schokolade bei uns aber erst, nachdem 1964 die Preisbindung gefallen war und die Preise in den Keller gingen. Dies stellte an die Unternehmer die Herausforderung, die verschiedenen Konsumentengruppen gezielt anzusprechen. Schokolade war nicht mehr nur exquisit, sondern sie konnte zum beispiel auch "sportlich" oder "kinderfreundlich" sein.

Was ist das Geheimnis der Schokolade?

Der Schokolade wurden manche heilsamen Wirkungen zugesprochen, und ihre Pharmakodynamik ist bis heute nicht restlos geklärt. Ist sie anregend, oder macht sie eher träge? Ihr Gehalt an Coffein ist jedenfalls ziemlich gering, und das in größeren Mengen vorhandene strukturverwandte Purinalkaloid Theobromin ist sehr viel schwächer wirksam als Coffein.

Unumstritten ist, dass Schokolade süchtig machen kann, aber warum? Vor Jahren, als man in Schokolade die Neurotransmitter-Vorläufersubstanz Phenethylamin entdeckte, meinte man die Lösung gefunden zu haben. Aber der Gehalt ist zu gering, um physiologisch wirksam zu sein.

Vermutlich spielt bei der Schokolade das erlernte Verhalten ein Rolle, das heißt: Wer von Kindheit an zum Trost Schokolade erhalten hat, "lernt", dass von ihr etwas Tröstendes ausgeht. Zur Wirkung kommt also die Erinnerung und nicht die Substanz selbst.

Kastentext

Übersee-Museum Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen Tel. (0421) 16098171 www.die-schokoladenausstellung-bremen.de Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr.

Katalog: Hartmut Roder (Hrsg.): Schokolade – Geschichte, Geschäft und Genuss. 17 Beiträge, 112 Seiten, zahlr. Abb., 14,80 Euro (im Übersee-Museum). ISBN 3-86108-372-8

W. Caesar

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