Deutscher Apothekertag: Regierung überzeugt von Reform

Köln (im). "Wir möchten, dass die Apotheken Partner in der integrierten Versorgung werden." Es sei das erste Mal, dass Pharmazeuten gleichberechtigte Teilnehmer bei den neuen Versorgungsformen würden, erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD) bei der Eröffnung des deutschen Apothekertags am 18. September in Köln. Dort zeigte sie sich trotz der massiven Kritik an der neuen Reform völlig ungerührt.

Insgesamt mute die rotgrüne Politik den Pharmazeuten zwar große Veränderungen zu, diese böten dem Berufsstand aber auch Chancen. Ihren Worten zufolge wird die in der Gesundheitsreform geplante Begrenzung des Mehrbesitzes auf insgesamt vier Apotheken auf Dauer Bestand haben. Dem Bundesgesundheitsministerium lägen zwei Gutachten vor, die sich in diesem Sinn äußerten. Die Gefahr, dass die Einschränkung auf eine Apotheke mit drei Nebenstellen kippt oder Mehrbesitz schließlich doch zu Fremdbesitz führt, wird im Ministerium offenbar so nicht gesehen. Die fachliche Aufsicht beim künftig erlaubten Mehrbesitz von Offizinen liege bei einem Apotheker, sagte Caspers-Merk. Sie verwies bei einem anderen brisanten Punkt - dem neuen Kombimodell zur Honorierung apothekerlicher Tätigkeiten - darauf, hier sei die Politik dem Vorschlag der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gefolgt.

Überrascht zeigte sich die SPD-Gesundheitspolitikerin über die schnelle Reaktion der ABDA auf den bald erlaubten Versandhandel mit Arzneimitteln mittels eines am 18. September neugeschalteten Portals. Es sei jedoch richtig, dass beim Versand die Apotheker mit ihrem Know-how mitmischten. In diesem Zusammenhang wies ABDA-Präsident Hans-Günter Friese die Gleichsetzung des neuen Angebots unter aponet mit Versandhandel zurück. Das neue Vorbestellsystem via Internet ermögliche durch das Zustellsystem die Belieferung des Patienten noch am gleichen Tag und sei reinem Versand daher überlegen.

Gefahren durch die vorgesehene Preisfreigabe bei OTC-Produkten sah Caspers-Merk nicht. Da bisher schon jährlich Präparate im Wert von 4,3 Milliarden Euro von Patienten selbst gekauft worden seien, sei das Streichen der Erstattungsfähigkeit für OTC unproblematisch. Die im Konsens mit der Union gefundene Gesundheitsreform wird voraussichtlich ohne große Änderungen kommen. Sie gehe davon aus, dass die beteiligten Parteien (also SPD, Grüne und CDU/CSU) zum Kompromiss stehen werden, so die Parlamentarische Staatssekretärin.

Andreas Storm (CDU/CSU) verteidigte die Union gegen den Vorwurf, man sei in wichtigen Punkten eingeknickt. Ein Scheitern der Reformgespräche wäre für die Apotheker womöglich noch negativer verlaufen, da die Regierung in dem Fall das Reformgesetz in einen zustimmungsfreien und einen zustimmungspflichtigen Teil aufspalten wollte. Storm zufolge wären die Knackpunkte Mehrbesitz und Versandhandel dann womöglich unter Umgehung des Bundesrates gekommen.

Dr. Dieter Thomae (FDP) sah in der Reform einen Angriff auf die Freiberuflichkeit. Die rotgrüne Regierung wolle Apothekenketten, da eine starke Einflussnahme der Gewerkschaften wie etwa Verdi nur bei Ketten gelänge, nicht bei Individualapotheken selbstständiger Leiter.

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