Arzneimittel: Importe bald in Originalverpackung?

Bonn (im). Den Arzneimittel-Importeuren stärkt die Bundesregierung weiter den Rücken. Das Bundesgesundheitsministerium überlegt sogar, diesen das Umpacken von importierten Medikamenten in die deutsche Originalverpackung zu erlauben. Das Haus von Ulla Schmidt (SPD) äußerte sich unlängst positiv über das Wachsen der Reimporteure und bemüht selbst steuerliche Aspekte.

Durch das Umpacken von Reimporten in die deutsche Originalfaltschachtel könnte der besondere Aufklärungsbedarf der Patienten in Apotheken vermieden werden, heißt es in der Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Bundestag. Derzeit verhinderten die Hersteller von Originalpräparaten die Verwendung von Originalverpackungen für Importe. Die Bundesregierung prüfe zur Zeit, ob sie das rechtlich ermöglichen könne, wird weiter ausgeführt. Die Patienten hätten schließlich nicht gegen alle Reimporte Vorbehalte, was das Beispiel der "stark nachgefragten" Kontrazeptiva zeige. Der umsatzstärkste Importeur hat demnach im ersten Quartal dieses Jahres Rang acht der Liste aller auf dem deutschen Markt umsatzstärksten Pharmaunternehmen erreicht, zitiert das Ministerium (BMGS) Angaben des Marktforschungsinstituts IMS Health. Unions-Abgeordnete hatten gefragt, ob die Regierung wisse, dass eine Umverpackungsfirma unterdessen auf Platz 1 der Umsatzstatistik im Apothekenmarkt stehe.

Dass der Herstellerabgabepreis einiger Reimporte identisch ist mit dem einiger Originalpräparate, ist der Bundesregierung bekannt, sie nennt sogar Beispiele. Die freie Preisbildung gelte schließlich auch für Importarzneimittel. Datenbankbetreiber hätten gegenüber dem BMGS erklärt, dass sie Importe, die preisgleich mit dem Original seien, speziell in der Lauer-Taxe kennzeichnen würden. Denn diese Präparate könnten nicht zur Erfüllung der siebenprozentigen Importquote herangezogen werden, so das Ministerium.

Einbußen in Deutschland durch den Anstieg von Reimporten sieht das Haus von Ulla Schmidt im übrigen nicht. Verlusten bei Originalherstellern stünden entsprechende Zuwächse der Importeure gegenüber. Zugleich belebe der Sitz eines Importeurs die Wirtschaftskraft in seiner Region. Grundsätzlich gebe es eine günstige Rückwirkung für die gesetzliche Krankenversicherung durch Reimporte mit tendentieller Entlastung der Lohnzusatzkosten von Unternehmen und somit "positiven gesamtwirtschaftlichen Impulsen" und entsprechendem Steueraufkommen, wird hier pauschal im großen Bogen ausgeholt. Trotz der erkennbaren Sympathie des Ministeriums gegenüber den Umverpackern hält sich das Haus von Schmidt bei der Forderung des Bundesverbands der Arzneimittelimporteure nach einer höheren Importquote von zehn Prozent zurück. Das sei Verhandlungssache zwischen Krankenkassen und Deutschem Apothekerverband. Verwiesen wurde hier auf den zum 31. Dezember 2003 gekündigten Rahmenvertrag, der neu verhandelt werde.

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