Berufspolitische Aussprache in Davos: BSSichG - was wären die Alternativen?

Das Beitragssatzsicherungsgesetz und seine zum Teil existenzvernichtenden Folgen für viele Apotheken stand am 16. Januar im Mittelpunkt einer berufspolitischen Aussprache im Rahmen des Fortbildungskongresses der Bundesapothekerkammer (BAK) in Davos. Das Triumvirat der Apotheker, Hans-Günter Friese (ABDA-Präsident), Johannes Metzger (BAK-Präsident) und Hermann S. Keller (Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands) erläuterten der Basis auch, wo die derzeitigen Ansatzpunkte liegen, das Gesetz rechtlich zu Fall zu bringen, und welche Alternativkonzepte die Apotheker dagegen halten können.

Sollte das Gesetz bestehen bleiben, gebe es nur wenige Möglichkeiten für den Apotheker, darauf zu reagieren, wie Herman S. Keller erläuterte. Der Apotheker könnte dann lediglich versuchen, durch eine Kosten- und Organisationsanalyse seiner Apotheke Rationalisierungseffekte zu realisieren, er könnte versuchen, Investitionen zu verschieben, er sollte einen Antrag stellen auf Kürzung der Steuervorauszahlungen, er werde Konditionsverhandlungen mit seinem Großhändler führen müssen, der bekanntlich die vom Gesetz vorgesehenen drei Prozent an Kassenrabatt von der Apotheke holen werde, und er werde Maßnahmen zur Sicherung seiner Liquidität treffen und seine Mitarbeiter über mögliche Konsequenzen informieren müssen, z. B. Stundenreduzierung, Gehaltskürzung und Streichen des Weihnachtsgelds. Doch es bestünden noch berechtigte Chancen, das Gesetz zu kippen, insbesondere durch ein Normenkontrollverfahren, eingeleitet durch das Land Baden-Württemberg. Ende Januar werde das Gericht voraussichtlich hierüber entscheiden.

Die Apotheker gingen allerdings nicht mit leeren Händen in die Diskussion um Rationalisierungen und Einsparmöglichkeiten in ihrem Bereich. Im so genannten ABDA-Positionspapier seien die wichtigsten Vorschläge zusammengefasst. Favorisiert werde insbesondere das Angebot der Apotheker an die Gesellschaft, statt Versandhandel einen Home Service aufzubauen, ein intensiver pharmazeutischer Botendienst der Hausapotheke, der taggleiche Belieferung, keine Trennung von Produkten und Beratung und keine postalischen Rezeptlaufzeiten verspreche, da die per Internet oder Telefon/-fax bestellten Arzneimittel umgehend ausgeliefert würden.

Auch an eine Weiterentwicklung der Arzneimittelpreisverordnung wird gedacht in Richtung einer Kombination aus preisunabhängigen und preisabhängigen Entgeltsbestandteilen. Schließlich ist auch ein Honorarmodell für den Apotheker in der Diskussion, wobei hier allerdings die notwendige Dynamisierung und Anpassung an die Kostenentwicklung noch strittig ist. Man werde diese Modelle erneut den Politikern nahe bringen und vorstellen, so die Berufspolitiker in Davos.

In einer über zweistündigen Diskussions- und Fragerunde hatten Apothekerinnen und Apotheker dann Gelegenheit, ihre Fragen an die Berufspolitiker zu stellen und Antworten zu diskutieren.

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