Pharmazeutische Industrie: BPI will bei Nutzenbewertung von Arzneimitteln mitred

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat für die Reformvorhaben der Bundesgesundheitsministerin wenig übrig. Seit die Arzneimittelausgaben als "bequemer Sündenbock zur Erklärung der Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)" entdeckt wurden, befinde sich die pharmazeutische Industrie "im Würgegriff des Staates", erklärte der BPI-Vorsitzende Dr. Bernd Wegener am 12. Juni in Berlin.

Wegener sieht vor allem mittelständische Pharmaunternehmen gefährdet. Doch gerade diese leisteten einen erheblichen Beitrag zur Arzneimittelinnovation. Aller Kritik zum Trotz bot Wegener der Regierung eine "konstruktive Mitarbeit" im Hinblick auf das "Deutsche Zentrum für Qualität in der Medizin" an.

Bürokraten haben sich "verheddert"

Kurz vor der diesjährigen Hauptversammlung des Verbands am 17. Juni in Baden-Baden ging der BPI nochmals in Berlin vor die Presse, um seine Anliegen zu verdeutlichen und eine neue Broschüre zu Arzneimittelinnovationen vorzustellen. Wegener kritisierte scharf die langjährige Kostendämpfungspolitik im Gesundheitswesen: Sie habe dazu geführt, dass Patienten zunehmend schlechter versorgt, Ärzte in ihrer Therapieauswahl eingeschränkt und Apotheker vom Staat massiv aus dem Markt gedrängt würden. Auch jetzt setze die Regierung wieder auf Kostendämpfung, statt eine "mutige Reform aus einem Guss" vorzulegen.

Wie wenig durchdacht vieles sei, belege der Widerstreit zwischen Positivliste und der Idee, verschreibungsfreie Arzneimittel aus der Erstattungspflicht der GKV herauszunehmen. "Hier zeigt sich eindrucksvoll, dass sich Bürokraten verheddert haben", so Wegener. Denn auf der Positivliste finden sich viele nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel. Daher soll nun der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Indikationen und Präparategruppen bestimmen, für die rezeptfreie Medikamente doch erstattungsfähig bleiben. Anderenfalls könnten Substitutionseffekte die Ausgaben nach oben treiben – ein Umstand, den nunmehr auch einzelne Regierungsabgeordnete erkennen, so der BPI-Vorsitzende.

Zentrum für Versorgungsforschung

Was das vom BPI wiederholt vehement kritisierte Deutsche Zentrum für Qualität in der Medizin betrifft, so klingen die Töne nun versöhnlicher: Von "konstruktiver Mitarbeit" ist die Rede - das heißt allerdings nicht, dass der Verband die Idee des geplanten Instituts plötzlich gut heißt. Wegener bleibt dabei: Das Institut könne nur ein "bürokratisches Monstrum und Staatsmedizin pur" werden. Längere Wartezeiten auf neue Arzneimittel und die Standardisierung von Therapien seien die Folge. Eine wirkliche Nutzenbewertung von Arzneimitteln sei ohnehin unsinnig, weil eine ernsthafte Bewertung neuer Medikamente erst nach drei bis fünf Jahren vorgenommen werden könne.

Der BPI schlägt als Alternative ein Zentrum für Versorgungsforschung vor, das gemeinsam von Ärzten, Kassen und Industrie getragen werden sollte. Vorbild sei die vergleichende Versorgungsforschung in den USA, so Wegener. Hier zu Lande gebe es noch keine Daten zur Versorgungsrealität – ein Umstand der behoben werden müsse und bei dem der BPI seinen Sachverstand gerne einbringen würde.

Neue Studie zu Innovationen im Mittelstand

Nicht zuletzt wies der BPI-Vorsitzende auf den entscheidenden Beitrag des Pharma-Mittelstands im Bereich der Arzneimittel-Innovationen hin: "Mehr als 80 Prozent unserer rund 300 Mitgliedsunternehmen sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Ohne Innovationen im Bereich der Arzneimittelforschung und -entwicklung käme es im globalen Wettbewerb zu einem weiteren Rückgang pharmazeutischer Unternehmen in Deutschland."

Dieser Thematik widmet sich auch eine neue Studie des BPI mit dem Titel "Der pharmazeutische Mittelstand – Arzneimittelinnovationen in Deutschland". Sie ist unter www.bpi.de/Daten und Fakten/ BPI-Publikationen im Internet zu finden.

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