Kommentar

Mehr als ungeschickt

Als ich die Pressemitteilung der ABDA vom 23. April las, ahnte ich, was daraus in den Medien entstehen würde. Als Überschrift hieß es da: "Entlassungen trotz Umsatzplus in den Apotheken". Wenn ich mich in die Lage eines den Apotheken gegenüber kritisch eingestellten Rundfunk-, Fernseh- oder Tageszeitungsredakteurs versetze, dann nehme ich diese Schlagzeile als gefundenes Fressen.

Wie war das doch noch vor wenigen Wochen? Zuerst jammern die Apotheker, dass sie durch das Schmidtsche Spargesetz arge Verluste hinnehmen müssen und kurz vor dem Ruin stehen, und jetzt prahlen sie mit einem Umsatzplus von 7,1 Prozent im ersten Quartal. Und zu alledem: Sie entlassen Mitarbeiter(innen) trotz Umsatzplus! Jeder Laie fragt sich: wie passt das zusammen? Und prompt: Diese Schlagzeilen wurden in den Nachrichten verkündet. Rundfunksender meldeten, dass Apotheken ein Umsatzplus aufweisen und Mitarbeiter entlassen. Na, prima!

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich präzisierte die ABDA-Pressemitteilung die Zusammenhänge und erklärte, dass pro Apotheke durchschnittlich knapp 6000 Euro weniger im Quartal durch das Beitragssatzsicherungsgesetz zur Kostendeckung zur Verfügung stehen und die Zwangsabgaben von bis zu 10 Prozent gravierende Auswirkungen für die Apotheken haben. Aber das verstehen viele Redakteure nicht oder sie haben keine Sendezeit oder keinen Platz in der Zeitung, dies näher zu erläutern. Was bleibt: die Apotheken haben mehr Umsatz gemacht und entlassen Personal. Sind solche Überschriften nicht mehr als ungeschickt? Weiß man nicht, wie leicht solche Meldungen missverstanden werden können?

Ungeschickt präsentierte sich auch Gesundheitsministerin Schmidt im Fernsehdialog mit Gabi Bauer am 23. April. Da glänzte die Ministerin nicht gerade mit Fachkenntnissen. Ein Thema war z. B. die angestrebte Lotsenfunktion für den Hausarzt, also: Patienten sollen erst zum Hausarzt, dann mit Überweisung zum Facharzt. Auf die Frage, ob denn die Hausärzte dafür genügend Kapazitäten hätten, meinte Schmidt sinngemäß: leichtere Erkrankungen wie Ohrenschmerzen könnten Patienten ja beim Apotheker "behandeln" lassen. Hat die Ministerin das mit dem Hausapotheker irgendwie falsch verstanden?

Peter Ditzel

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