Arzneimittel und Therapie

Akute Hepatitis C: Frühe Interferon-Therapie verhindert chronischen Verlauf

Die frühzeitige Behandlung einer akuten Hepatitis C mit Interferon alfa-2b kann die Entstehung einer chronischen Hepatitis verhindern. Das ergab ein prospektive Studie an 44 Patienten.

Eine akute Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) geht bei mindestens jedem zweiten Patienten irgendwann in eine chronische Hepatitis C über. 10 bis 30% der chronischen Hepatitis-C-Patienten entwickeln schließlich eine Leberzirrhose. Die zurzeit beste Behandlung der chronischen Hepatitis C - eine Kombination aus Peginterferon alfa-2a oder -2b plus Ribavirin - eliminiert das Virus nur bei 54 bis 56% der Infizierten.

Behandlung in der Akutphase

Eine neue Behandlungsstrategie setzt deshalb schon in der Akutphase an: In einer Studie unter Leitung von Prof. Michael Manns, Hannover, bekamen Patienten mit akuter Hepatitis C knapp sechs Monate lang Interferon alfa-2b. Dabei wurde untersucht, ob die frühe Behandlung eine chronische Hepatitis C verhindern kann. An 24 Zentren in Deutschland wurden erwachsene Patienten mit akuter Hepatitis C in die Studie aufgenommen. Bislang gibt es keinen zuverlässigen Einzeltest auf eine akute Hepatitis C. Die Patienten mussten einen positiven HCV-RNA-Nachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion und eine erhöhte Alaninaminotransferase-Serumkonzentration haben.

Mindestens eines der drei folgenden Kriterien musste zutreffen:

  • bekannte oder vermutete HCV-Exposition in den letzten vier Monaten
  • Serokonversion (HCV-Antikörper-positiv)
  • Alaninaminotransferase-Serumkonzentration auf mehr als das 20fache der oberen Normgrenze erhöht

Primärer Endpunkt: Nichtnachweisbarkeit von HCV-RNA

Alle Patienten bekamen vier Wochen lang 5 Millionen Einheiten Interferon alfa-2b (Intron A) täglich, anschließend weitere 20 Wochen lang dreimal wöchentlich subkutan injiziert. Sie wurden zu Beginn, nach 2, 4, 12 und 24 Wochen Behandlung sowie 24 Wochen nach Behandlungsende untersucht.

Primärer Endpunkt war ein anhaltendes virologisches Ansprechen, definiert als Nichtnachweisbarkeit von HCV-RNA im Serum 24 Wochen nach dem Behandlungsende. Die Nachweisbarkeitsgrenze lag bei 600 HCV-RNA-Genomkopien pro ml. Sekundäre Endpunkte waren die Nichtnachweisbarkeit von HCV-RNA am Behandlungsende und die Normalisierung der Alaninaminotransferase-Serumkonzentration.

44 Patienten nahmen teil, darunter 25 Frauen. Die Teilnehmer waren im Mittel 36 Jahre alt. 14 hatten sich über eine Nadelstichverletzung infiziert, zehn durch Geschlechtsverkehr mit einem HCV-positiven Partner, neun durch intravenöse Drogeneinnahme, sieben bei Operationen, und bei vier Patienten war der Infektionsweg nicht bekannt. Von der Infektion bis zu ersten Symptomen vergingen im Durchschnitt 54 Tage, bis zum Therapiebeginn (sofort nach der Diagnosestellung) 89 Tage.

Akute Hepatitis bei 98% ausgeheilt

Ein Patient brach die Behandlung wegen Haarausfall und grippeähnlichen Symptomen nach zwölf Wochen ab, alle übrigen beendeten die Therapie. HCV-RNA war bei 43 Patienten (98%) 24 Wochen nach Therapieende nicht mehr im Serum nachweisbar. Im Durchschnitt war bereits nach 3,2 Wochen Behandlung keine HCV-RNA mehr nachzuweisen. Auch die Alaninaminotransferase-Serumkonzentration normalisierte sich bei den meisten Patienten: bei 80% bis zum Behandlungsende und bei 98% bis zum Ende der Nachbeobachtung. Im Mittel hatte sich die Alaninaminotransferase-Serumkonzentration nach 10,4 Wochen normalisiert. Nur bei einer Patientin kam es zu einem chronischen Verlauf, der mit Interferon alfa-2a plus Ribavirin behandelt werden musste. Der Patient, der die Behandlung abbrach, erlitt ein Rezidiv, später war keine HCV-RNA mehr im Serum nachzuweisen. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Bei täglicher Gabe war Interferon alfa-2b ebenso verträglich wie bei dreimal wöchentlicher Gabe.

Demnach kann die frühe Behandlung einer akuten Hepatitis C mit Interferon alfa-2b eine chronische HCV-Infektion in den meisten Fällen verhindern. Die Erfolgsrate war in dieser Studie weit höher, als sie mit der derzeit besten Behandlung einer chronischen Hepatitis C erreicht werden kann.

Die prospektive Studie bestätigt die Ergebnisse kleinerer Studien mit Interferonen bei akuter Hepatitis C. Ob sie aber für eine generelle Behandlungsempfehlung ausreicht, ist umstritten: Die Therapie ist teuer (insgesamt etwa 5000 US-$) und kann mitunter schwere bis lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben. Bei einigen Patienten (rund 30%) heilt die akute Hepatitis C spontan aus. Möglicherweise kann zwei bis drei Monate abgewartet werden, um diese Patienten nicht unnötig zu behandeln. Die Untersuchungen sollen mit den neuen pegylierten Interferonen weiter geführt werden.

Diagnostik der Hepatitis C

In der Mehrzahl der Fälle wird die Hepatitis C zufällig, anhand von abnormen Leberwerten, entdeckt. Die Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) erlaubt durch Bestimmung der RNA des Hepatitis-C-Virus (HCV-RNA) eine frühere Diagnose der Hepatitis C. Der Nutzen dieses Tests liegt vor allem im qualitativen Einsatz, d.h. bei der Beantwortung der Frage, ob HCV-RNA überhaupt im Serum nachweisbar ist oder nicht. Der Nachweis von HCV-RNA im Blut sichert nicht nur das Vorliegen einer aktuellen Hepatitis-C-Virus-Infektion, die Messung der Menge dieser HCV-RNA ergibt auch einen Hinweis auf das Ausmaß der Virusvermehrung.

Heute werden serologische Methoden wie HCV-ELISA II (Enzyme Linked Immunosorbent Assay) als Screeningtest und HCV-RIBA II (Recombinant Immunoblot Assay) als Konfirmationstest verwendet. Damit können Anti-HCV-Antikörper durchschnittlich drei Monate nach Exposition mit einer Sensitivität und Spezifität von etwa 90% nachgewiesen werden.

Literatur: Jaeckel, E., et al.: Treatment of acute hepatitis C with interferon alfa-2b. N. Engl. J. Med. 345, 1452 1457 (2001). Pressemitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover. www.mh-hannover.de/aktuelles/presse/Fruehe_ Behandlung-Hepatitis-C.htm

Eine akute Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) geht bei mindestens jedem zweiten Patienten irgendwann in eine chronische Hepatitis C über. 10 bis 30 % der chronischen Hepatitis-C-Patienten entwickeln schließlich eine Leberzirrhose. Die frühzeitige Behandlung einer akuten Hepatitis C mit Interferon alfa-2b kann die Entstehung einer chronischen Hepatitis verhindern. Das ergab eine prospektive Studie an 44 Patienten.

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