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ANZAG-Jahresbilanz 2000/2001: Hervorragendes Ergebnis und weitreichende Vision

FRANKFURT/MAIN (aal). Über ihr 160. Geschäftsjahr berichtete die Pharmagroßhandlung Andreae-Noris Zahn AG (ANZAG) am 7. Februar 2002 in der alten Frankfurter Börse. Der Berichtszeitraum 2000/2001 ist das mit Abstand erfolgreichste Jahr in der Geschichte der ANZAG, war dort zu erfahren. Doch nicht nur die Gegenwart, auch die Ausrichtung auf die Zukunft war Gegenstand der Rede des Vorstandsvorsitzenden Horst Trimborn.

Umsatz und Ergebnis der ANZAG AG wuchsen im Rekordjahr deutlich über Plan. Der Umsatz stieg auf 2,74 Mrd. Euro und nahm mit +9,3 % stärker zu als der Markt des pharmazeutischen Großhandels (+8,6%). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wuchs überproportional um 18,6 % auf 52,5 Mio. Euro. Diese Zahlen zeigen nach Auffassung von Trimborn deutlich, das Handelsunternehmen habe die Chancen eines dynamischen Marktes des Markts für Gesundheit konsequent genutzt.

Trotz des nach wie vor scharfen Wettbewerbs im Pharmagroßhandel konnte der Rohertrag um 12,6 Mio. Euro auf 200,5 Mio. Euro gesteigert werden, die Rohertragsquote lag bei 7,32 %. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit machte einen Sprung um 18,6 % auf 52,5 Mio. Euro. Rechnet man ausnahmsweise noch einmal in DM, konnte somit erstmals die Schallmauer von 100 Mio. DM übersprungen werden.

Der Jahresüberschuss nach Steuern sei um nicht weniger als 45,9 % gestiegen. Die Steuerquote habe sich von 55,6 % auf 44,0 % reduziert. Im Vorjahr hatte sich der Steuersatz infolge einer Steuerprüfung für die Jahre 1993 bis 1997 erhöht. Im nächsten Jahr werden die Auswirkungen der Steuerreform greifen, die neuen Regelungen bei der Körperschaftssteuer werden die Steuerquote der ANZAG weiter sinken lassen.

Den betrieblichen Erträgen stehen teilweise entsprechende Posten bei den Aufwendungen gegenüber. Trotz des deutlich gestiegenen Geschäftsvolumens sind die sonstigen betrieblichen Aufwendungen im Berichtsjahr um 0,9 Mio. Euro gesunken. Für die Erhöhung der Personalaufwendungen seien vor allem die Lohn- und Gehaltssteigerungen verantwortlich, so Trimborn. Die Personalaufwendungen lagen bei 3,23 % vom Nettoerlös, vor zehn Jahren waren es noch 4,26 % vom Nettoerlös. Das zeige den Produktivitätsfortschritt.

Bedeutende Investitionen

Trotz des Umsatzzuwachses von 9,3 % im Geschäftsjahr 2000/2001 blieb die Mitarbeiterzahl im betrieblichen Bereich nahezu konstant. Insgesamt sank die Mitarbeiterzahl leicht um 16 Beschäftigte auf 2145. Der Umsatz pro Mitarbeiter stieg um 10,0 % auf 1277 Tausend Euro. Ein entscheidender Faktor für die höhere Umsatzproduktivität sei, wie der Vorstandsvorsitzende ausführte, die kontinuierliche Automatisierung. Bei einer Gesamtinvestitionssumme von 9,6 Mio. Euro sei für diese im vergangenen Geschäftsjahr deutlich mehr aufgewendet worden als in den Jahren davor. Das Ziel sei, in den großen Verbund-Niederlassungen durchgängig einen Automatisierungsgrad von 60 bis 75 %, in den mittelgroßen Niederlassungen künftig 40 bis 60 % zu erreichen.

Die wichtigsten Investitionen im laufenden Geschäftsjahr seien die bauliche Erweiterung der Niederlassung Köln, die vorzeitige Inbetriebnahme eines Mitteldreherautomaten und der Neubau der Niederlassung Regensburg.

Erfolgsrezept Immobilienfonds

Der Baubeginn in Regensburg ist für Frühjahr 2002 geplant, schon im Januar 2003 soll die neue Niederlassung ihren Betrieb aufnehmen. Das neue Lager und Kommissioniergebäude wird mit modernster Förder- und Lagertechnik ausgestattet sein, inklusive Automaten für den Schnell- und Mitteldreherbereich. Eine wichtige Rolle bei diesem Projekt spiele dabei die Tochtergesellschaft APL Logistik und Bauplanung GmbH: Sie zeichne bis zur schlüsselfertigen Übergabe als Generalübernehmer für die gesamte Planung und Abwicklung verantwortlich.

Das geplante Investitionsvolumen beträgt insgesamt 13 Mio. Euro. Wie schon beim Bau der Dresdener Niederlassung werden die umliegenden Apotheker über einen geschlossenen Immobilien-Fonds Miteigentümer der neuen Niederlassung sein. Wie erfolgreich diese Art der Kundenbindung sei, zeige die Tatsache, dass die 144 Anteile des Fonds mit einem Gesamtvolumen von 3,6 Mio. Euro innerhalb von 14 Tagen vollständig platziert gewesen seien.

Solide Finanzgrundlagen

Die Erhöhung der Konzernbilanzsumme um 49,8 Mio. Euro auf 502,6 Mio. Euro sei größtenteils auf die umsatzgetriebene Zunahme der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zurückzuführen und entspreche in etwa der Umsatzausweitung im letzten Monat des Geschäftsjahrs 2000/2001 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Darüber hinaus habe der starke Umsatzanstieg auch zu einer entsprechenden Aufstockung der Warenvorräte geführt.

Beim Blick auf die Passivseite falle, so Trimborn, vor allem der Anstieg der Verbindlichkeiten auf. Hierbei handele es sich um kurzfristige Verbindlichkeiten, der Anstieg sei durch den erhöhten Umsatz verursacht also wachstumsgetrieben. erklärte er. Der Anstieg bei den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten zum Stichtag 31. August 2001 werde teilweise durch geringere Verbindlichkeiten bei den Lieferanten ausgeglichen.

Dem Eigenkapital des ANZAG-Konzerns wurden weitere 20 Mio. Euro zugeführt. Die Eigenkapitalquote des ANZAG Konzerns liegt bei 45,3 %. Mit dieser Eigenkapitalausstattung könne weiteres Wachstum unabhängig, aus eigener Kraft und solide finanziert werden.

Personalwechsel und ein Präzedenzfall

Der Vorstand der ANZAG war durch die Herren Gissel und Trimborn vertreten. Vorstandsmitglied Schäfer verließ das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 31. Januar. Als neuen Vorstand Handel und Services der ANZAG hat der Aufsichtsrat mit Wirkung vom 1. März 2002 Bernd Roos bestellt. Roos war seit 1991 Vorstand Einkauf, Marketing, Vertrieb der Sanacorp.

Gegen den ehemaligen Sprecher des Vorstands, Dr. Hermann Franke, ist inzwischen eine Schadensersatzklage in Höhe von insgesamt 5,11 Mio. Euro anhängig. Franke veranlasste im Jahre 1997, dass ein Tochterunternehmen der ANZAG, die CPL Lager und Vertrieb GmbH, zu überhöhten Konditionen einen Vertrag über Logistikdienstleistungen mit einem Drittunternehmen abschloß. Pikanterweise gehörte dieses seinem persönlichen Berater Wolfgang Ernst und dessen Bruder. Aufgrund der erhöhten Konditionen habe dieses von Dr. Franke zwischengeschaltete Drittunternehmen im Zeitraum von 1997 bis 2000 Gewinne in Höhe von rund 5 Mio. Euro erwirtschaftet. Diese Gewinne seien an Wolfgang Ernst und seinen Bruder ausgeschüttet worden und der ANZAG letztlich an Erträgen entgangen. Diese Vorgänge seien erst im Mai 2000 aufgedeckt worden und zwar im Zuge der Übergabe der Ressorts bei der Neuverteilung der Verantwortlichkeiten im Vorstand.

Künftig verhindert werden sollen solche Vorkommnisse durch ein Paket von Maßnahmen: Erstens werden nun die Abschlüsse aller operativen Konzern-Gesellschaften im Rahmen des ANZAG Jahresabschlusses ebenfalls von den Jahresabschlussprüfern geprüft, zweitens erfolgt eine Revision der Vorstandsarbeit durch die Wirtschaftsprüfer, drittens strikte Einführung des Vier-Augen-Prinzips und viertens quartalsmäßige schriftliche und mündliche Berichterstattung der Geschäftsführer sämtlicher operativer Gesellschaften an den Vorstand.

Bessere Aussichten für Aktionäre

Das Geschäftsjahr 2000/01 sei sowohl für die Kursentwicklung als auch für die Dividende ein absolutes Erfolgsjahr gewesen. Aus dem Jahresüberschuss nach Steuern von 30,0 Mio. Euro werden vorab den Rücklagen 15,0 Mio. Euro zugeführt. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung empfehlen, den verbleibenden Betrag zur Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 14,4 Mio. Euro zu verwenden und den Restbetrag von 0,6 Mio. Euro auf neue Rechnung vorzutragen. Dass diese Politik immer noch sehr konservativ ist, wird deutlich, wenn man die Eigenkapitalrendite betrachtet: Sie liegt im Geschäftsjahr 2000/2001 bei 13,8 %.

Durch die Ausschüttungspolitik profitieren die ANZAG-Aktionäre diesmal unmittelbar vom Unternehmenserfolg. Soll doch eine Bardividende von 1,35 Euro ausgeschüttet werden, bestehend aus einer aufgerundeten Dividende von 1,10 Euro und einem Bonus von 0,25 Euro. Eine solche Dividendenrendite von 7,7 % könnten weder festverzinsliche Papiere und auch keiner der DAX-Werte aufweisen.

Neue Geschäftsfelder

Neben dem Kerngeschäft Pharmagroßhandel konzentriert sich die ANZAG AG zunehmend auf zwei neue Geschäftsfelder: eBusiness und Healthcare-Logistik. Die Leistungen im Bereich eBusiness wurden im Jahr 2001 wie geplant konsequent aufgebaut. Für die Apotheken ermöglicht das Apothekenportal ANZAG online per Internet den Zugriff auf das gesamte Sortiment rund 130 000 Artikel. Die über www.anzag.de getätigten Umsätze konnten im Jahr 2001 mehr als verdoppelt werden. In 2002 wird das Business-to-Business-Angebot um weitere interaktive Bereiche erweitert, wie z. B. eine Job-Börse.

Für die Patienten wurde im März 2001 ein Portal unter der Adresse www.gesundheit.de eingerichtet. Mit rund 700 000 Page Impressions pro Monat gehöre dieses Gesundheitsportal schon jetzt zu den führenden Internet-Adressen im Gesundheitsbereich Tendenz weiter steigend, berichtete der Vorstand. Im Oktober 2001 ist auf www.gesundheit.de ein Webshop für Endverbraucher online gegangen, der erste vollwertige Endverbraucher-Onlineshop eines deutschen Pharmagroßhändlers.

Über modernste Shop-System-Technologie bietet der Online-Shop den Endkunden 1600 freiverkäufliche Produkte zur Bestellung und Abholung in seiner Apotheke. Passend dazu ebne ein Homepage-Konzept den Apotheken mit einem eigenen Web-Auftritt den online-Weg zum Endverbraucher.

2001 wurde die ANZAG mit dem Deutschen Logistik-Preis und dem European Logistics Award, vergeben von der European Logistics Association (ELA), ausgezeichnet. Die ANZAG sei der erste Pharmagroßhändler, der diese beiden begehrten Preise erhalte. Damit habe sich das Unternehmen in kürzester Zeit als führender Systemanbieter in der Healthcare-Logistik positioniert.

Schon heute haben die Logistik-Töchter im abgelaufenen Geschäftsjahr mit rund 180 Mio. Euro zu den Erlösen des ANZAG-Konzerns beigetragen. Davon sind bereits rund 38 Mio. Euro Außenumsatz mit stark steigender Tendenz.

Ausblick

Geht man von den Einsparzielen der Bundesregierung aus, dann würde sich die Aut-idem Regelung mit minus 3,5 Mio. Euro pro vollem Geschäftsjahr im Ergebnis der ANZAG niederschlagen. Weitere aktuelle gesundheitspolitische Maßnahmen die Festpreisanpassung und die Erhöhung der Importquote könnten das Ergebnis mit weiteren 6,4 Mio. Euro belasten. Dies alles werde sich auf den Geschäftsverlauf der ANZAG auswirken.

In den ersten Monaten des Geschäftsjahrs 2001/2002 war die Geschäftsentwicklung von diesen Maßnahmen noch nicht beeinflusst. In den ersten vier Monaten von September bis Dezember 2001 liegen Umsatz und Ergebnis über Plan, die Nettoerlöse stiegen in den ersten vier Monaten um weitere 6,6 %. Das AABG dürfte sich nicht vor April 2002 auswirken. So erwartet die ANZAG für das Geschäftsjahr 2001/02 steigende Umsätze und ein Ergebnis mindestens auf dem Niveau des Vorjahrs.

Über ihr 160. Geschäftsjahr berichtete die Pharmagroßhandlung Andreae-Noris Zahn AG (ANZAG) am 7. Februar 2002 in der alten Frankfurter Börse. Der Berichtszeitraum 2000/2001 ist das mit Abstand erfolgreichste Jahr in der Geschichte der ANZAG, war dort zu erfahren. Umsatz und Ergebnis der ANZAG AG wuchsen im Rekordjahr deutlich über Plan.

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