Berichte

Bayerische LAK: "Tiefpunkt erreich?"

Auf der Delegiertenversammlung der Bayerischen Landesapothekerkammer wies Präsident Johannes Metzger erneut darauf hin, dass durch das vorgesehene Beitragssatzsicherungsgesetz alle Leistungserbringer im Gesundheitswesen betroffen sind, die Apotheker allerdings überproportional. Während die Ärzte mit einer "Nullrunde" davon kämen, könnte für viele Apotheken dieses neue Gesetz das Ende ihrer Existenz bedeuten. Die ABDA habe zu keiner Zeit eine Chance gehabt, Vorschläge einzubringen oder wenigstens auf die mehrfache Belastung der Apotheker durch die neuen Gesetze hinzuweisen.

"Die deutsche Apotheken befinden sich in der schwierigsten Situation der Nachkriegszeit", so Metzger in seiner Eröffnungsrede, "und das Vorhaben der Regierung gefährdet mindestens 20 000 Arbeitsplätze in den öffentlichen Apotheken. Die jüngsten Gesetze bedeuten de facto eine Vernichtung der mittelständischen Heilberufe."

Die Vorgehensweise in dieser Sache sei unerhört und einzigartig, insbesondere dadurch, dass durch Nichteinbindung der Abgeordneten der Deutsche Bundestag zu einem "Marionettenparlament" verkomme, in dem Gesetze nur noch "durchgewunken" werden sollen. Zwar hätten die Apotheker formell die Chance zur Anhörung bekommen, doch gab es weder für die ABDA noch für die Abgeordneten eine Möglichkeit, Einfluss auf den tatsächlichen Entscheidungsprozess zu nehmen.

Noch Schlimmeres zu erwarten

Auch wies Metzger darauf hin, dass nach solch einem Vorschaltgesetz bei der geplanten großen Gesundheitsreform 2003/2004 noch Schlimmeres für die Apotheker zu erwarten sei. Da das Gesundheitsministerium keine Vertreter der Gesundheitsberufe in die neue Rürup-Kommission berufen hat, muss befürchtet werden, dass die vom ehemals "runden Tisch" – den so genannten Fachkreisen – geforderte Liberalisierung des Arzneimittelhandels forciert wird.

Die in diesem Zusammenhang geforderte Zulassung des Versandhandels, die Abschaffung der Arzneimittelpreisverordnung im OTC-Bereich sowie die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbots würden de facto das Ende des freien Berufsstandes der Apotheker bedeuten – ein Schreckensszenario, gegen das der um 20% erhöhte Kassenrabatt für das Jahr 2002 leicht verschmerzbar erscheint.

Apotheken als Inkassostellen

Die effektive Belastung für das Jahr 2003 dürfte – laut Verbandsvorsitzendem Gerhard Reichert – bei 1,15 Milliarden Euro insgesamt liegen. Eine durchschnittliche Apotheke dürfte somit mit einem Gewinnverlust von ca. 46 000 Euro zu rechnen haben. Auch sei die Frage der Abrechnungsmodalitäten noch nicht geklärt.

Fest steht jedoch, die Apotheken sollen zu "Inkassostellen" werden und bekommen mehr Arbeit bei geringerem Ertrag aufgebürdet, so Reichert. Allerdings sollte man jetzt nichts überstürzen, sondern Ruhe bewahren und keinesfalls voreilige Personalentscheidungen treffen.

Öffentlichkeitsarbeit der ABDA erfolgreich

Elmar Esser, Pressesprecher der ABDA, berichtete über jüngere und aktuelle Aktivitäten der ABDA im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Die "Initiative pro Apotheke" mit ihren 7,7 Millionen Unterschriften gegen den Versandhandel sei jedem Politiker bekannt. Die vom Bündnis Gesundheit organisierte Demonstration am 12. November in Berlin sei von den Apothekern dominiert worden. Die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA sei erfolgreich, und man habe jetzt auch im Fernsehen die Präsenz erhöht. So hat u. a. der Nachrichtensender n-tv einen 17-minütigen Beitrag über die Folgen des Vorschaltgesetzes in Apotheken gezeigt.

Dass sich ABDA-Präsident Friese als Experte für die überhöhten Verwaltungskosten der Krankenkassen den Medien zur Verfügung stellt, sieht Elmar Esser keinesfalls im Widerspruch zu der ABDA-Strategie, den Schulterschluss mit anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen zu suchen. Die gesetzlichen Krankenkassen sind keine Leistungserbringer, sondern Leistungsträger, so führte Esser aus, und es sei auch ein Teil der ABDA-Politik, auf die Fehler der Krankenkassen hinzuweisen.

Das Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA im Jahr 2003 steht, und die neu geplanten Aktivitäten werden durch Umschichtung im Haushalt für Öffentlichkeitsarbeit finanziert. So werden z. B. die Ausgaben für den Tag der Apotheke reduziert.

Streik wird skeptisch gesehen

Auch über Streikaktionen wurde in der Delegiertenversammlung ausführlich diskutiert. Die Mehrheit der Delegierten stand ihnen skeptisch gegenüber, da eine Geschlossenheit des Berufsstandes diesbezüglich fraglich sei und durch solch Aktionen die Diskussion über ein Dispensierrecht für Ärzte (z. B. an Sonn- und Feiertagen) erneut Auftrieb erhalten könnte.

Metzger bedankte sich bei allen Delegierten für die geschlossene Unterstützung. Auch wenn diese Delegiertenversammlung ganz im Zeichen der aktuellen politischen Probleme stand, gab es auch noch einen sehr erfreulichen Tagespunkt. Dem langjährigen Geschäftsführer der Bayerischen Landesapothekerkammer Dr. Manfred Platzer wurde vom Kammerpräsidenten und Verbandsvorsitzenden die Dr. Hermann Vogel Medaille überreicht. In einer feierlichen Ansprache würdigte Metzger die zahlreichen Verdienste Platzers für die Bayerische Apothekerkammer und seinen unermüdlichen Einsatz für den Berufsstand.

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.