Arzneimittel und Therapie

Vitiligo: Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente für "Fleckies"

Etwa eine halbe Million Menschen leiden in Deutschland an Vitiligo, der so genannten Weißflecken-Krankheit. Obwohl die Erkrankung ein rein "kosmetisches" Problem darstellt und keine weiteren medizinischen Folgen für die Betroffenen bestehen, ist der Leidensdruck der "Fleckies", wie sie sich mit Galgenhumor selbst nennen, groß. Therapieversuche mit UV-Bestrahlung, Bleichmitteln, der Einnahme von Betacarotin und Hauttransplantationen waren bislang im Ergebnis unbefriedigend. Einen alternativen und verträglichen Therapieansatz bietet die orthomolekulare Medizin.

Vitiligo ist eine häufige chronische Hauterkrankung. Schätzungen zufolge sind 0,5 bis 2 Prozent der Weltbevölkerung betroffen, in Nordeuropa rechnet man mit 0,5 Prozent Betroffenen. Im Volksmund wird die Vitiligo oftmals als "Pigmentstörung" bezeichnet. Dies ist jedoch nicht ganz richtig, denn bei der Vitiligo sind die Pigmentzellen (Melanozyten) nicht nur in ihrer Funktion eingeschränkt, sondern werden vollkommen zerstört.

In den betroffenen Hautarealen kann deshalb kein Pigment mehr gebildet werden, was sich als charakteristische weiße, scharf begrenzte Flecken zeigt. Größe, Form und Anzahl dieser Flecken ist individuell unterschiedlich. Grob unterscheidet man zwei Hauptformen der Vitiligo: die generalisierte und die lokalisierte Form.

Generalisierte Vitiligo: symmetrische Fleckenbildung und schubhafter Verlauf

Die lokalisierte Form der Vitiligo betrifft nur ein oder wenige Körperareale und ist nicht symmetrisch. Sie entsteht innerhalb weniger Monate und verändert sich dann nicht mehr. Nur im Ausnahmefall geht eine lokalisierte Form in die generalisierte Form über.

Die generalisierte Vitiligo ist die weitaus häufigere Form. Sie tritt typischerweise symmetrisch auf und betrifft mehrere Körperstellen. Mechanisch beanspruchte Hautareale sind bevorzugt betroffen. Dazu zählen sowohl druckbelastete Regionen wie Knöchel, Knie, Ellenbogen und Finger als auch zugbelastete Areale wie Augenlider, Mundwinkel und Achseln. Verletzungen der Haut führen oft zu einer weißen Narbenbildung. Nicht selten sind auf den Vitiligoflecken auch weiße Haare, hervorgerufen durch die Zerstörung der Pigmentzellen der Haarwurzeln, zu beobachten.

Der typische Verlauf einer generalisierten Vitiligo ist durch eine schubweise Zunahme der weißen Flecken über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren gekennzeichnet. Anschließend wird oft ein Stillstand der Erkrankung, seltener eine teilweise Rückbildung beobachtet. Der Beginn des Pigmentverlustes liegt bei den meisten Vitiligopatienten zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr. Häufig verläuft er zunächst unbemerkt. Typischerweise fallen die weißen Flecken erstmalig im Sommer auf, wenn die sonnengebräunte Haut den Kontrast verstärkt.

Ursachen: Genetische und umweltbedingte Faktoren

Die Ursachen für die Vitiligo sind noch nicht bekannt. Da die Krankheit häufig familiär auftritt, geht man von einer genetischen Disposition aus. Zu dieser kommen verschiedene Umweltfaktoren hinzu, von denen man annimmt, dass sie den Ausbruch der Vitiligo begünstigen:

  • Autoimmunprozesse: Die Vitiligo wird häufig in Kombination mit der Hashimoto Thyreoditis beobachtet, einer Schilddrüsenerkrankung, die auf einer Autoimmunreaktion beruht.
  • Neurokutane Entkopplungen: Gelegentlich tritt die Vitiligo bei Menschen auf, die an degenerativen Nervenerkrankungen leiden.
  • Neurogene Toxinwirkung: Da die Vitiligo teilweise nach psychischem Stress ausbricht bzw. sich in Stresssituationen verschlechtert, nimmt man an, dass es in diesen Situationen zur Ausschüttung von Toxinen kommen kann, die zur Zerstörung der Melanozyten führen. Denkbar wäre auch, dass bei Stress vermehrt Phenylalanin verbraucht wird, so dass nicht mehr genügend der Aminosäure zur Erzeugung von Melanin zur Verfügung steht.
  • Traumatische Schädigung, oxidativer Stress: Manchmal tritt eine Vitiligo nach Sonnenbrand oder verletzungsbedingten Hautschädigungen auf. Die hierbei freiwerdenden Sauerstoffradikale könnten zur Zerstörung der Melanozyten beitragen.

Neben diesen Mechanismen spielen wahrscheinlich noch eine Reihe weiterer Faktoren eine Rolle. So ist auffällig, dass die Vitiligo häufiger nach einer Schwangerschaft auftritt, dies würde für eine Beteiligung des Hormonhaushaltes sprechen. In anderen Fällen scheint der Ausbruch der Vitiligo mit einer schwachen Verdauungsleistung in Zusammenhang zu stehen, so dass möglicherweise auch ein Mangel an Nährstoffen in Betracht zu ziehen ist.

Therapiemöglichkeiten: Langwierig, belastend und unbefriedigend

Die therapeutischen Möglichkeiten bieten bislang noch keine zufriedenstellende Heilungschance der Vitiligo. Auch sind die Methoden zumeist langwierig und aufwändig. Die gängigste Therapie ist nach wie vor die PUVA, eine Kombination aus Psoralen und UV-Bestrahlung. Die Wirkung des Lichts wird dabei durch 8-Methoxypsoralen, 5-Methoxypsoralen oder Trimethylpsoralen (je nach Ausbreitung der Vitiligo oral oder topisch verabreicht) verstärkt. Analog gibt es Behandlungen mit einer Kombination aus Phenylalanin (oral oder topisch) und UV-Bestrahlung (PAUVA) oder Khellin (nicht zugelassen) und UV-Licht.

Die drei Methoden sind zwar vergleichsweise erfolgreich, die für die Patienten hohe UV-Belastung und das Risiko möglicher Lichtschäden schränken ihre Anwendung jedoch ein. Ein weiterer Therapieansatz basiert auf der Regeneration der geschädigten Zellen durch das Enzym Katalase. Dieser Stoff ist aus noch ungeklärter Ursache in der Haut in zu geringer Konzentration bzw. gar nicht vorhanden, so dass es zu einer Anreicherung des Stoffwechselproduktes Wasserstoffperoxid in der Haut kommt, das die Melanozyten zerstört.

Eine Katalase-ähnliche Verbindung, die Pseudokatalase, wird als Creme auf die Haut aufgetragen. Zusätzlich werden die Patienten zweimal wöchentlich mit UVB-Licht bestrahlt. Allerdings liegt auch für diese Therapieform noch keine Zulassung vor. Zum Einsatz kommt auch die Balneo-Photo-Therapie, bei der der Patient bis zu dreimal wöchentlich 20 Minuten in einem 5 bis 8%igen Solebad badet und anschließend bestrahlt wird, und die Pigmentzelltransplantation. Letztere kann allerdings nur bei Patienten mit stabiler Vitiligo durchgeführt werden, auch sollten nicht mehr als 30 Prozent der Hautareale depigmentiert sein.

Orthomolekulare Medizin als alternativer Ansatz

Der "orthomolekulare" Behandlungsansatz der Vitiligo beruht auf der Erkenntnis, dass zur Bildung des Pigments Melanin bestimmte Nährstoffe benötigt werden, in erster Linie die Aminosäure Tyrosin. Dieses wird mithilfe des Enzyms Tyrosinase in den Melanozyten zu Melanin umgewandelt. Ohne Tyrosin kein Melanin.

Orthomolekularmediziner verabreichen Vitiligopatienten Phenylalanin in hohen Dosen, da Tyrosin als nichtessenzielle Aminosäure aus der essenziellen Aminosäure Phenylalanin gebildet werden kann. Gleichzeitig erhalten die Betroffenen Kupfer, da die Tyrosinase dieses Spurenelement als Co-Faktor benötigt. Auch die Vitamine B6, B12 und Folsäure, in hohen Dosen verabreicht, tragen zur Anregung des Melaninaufbaus bei und werden im Rahmen der orthomolekularen Vitiligotherapie eingesetzt.

Um die Pigmentzellen vor der Zerstörung durch freie Radikale und Autoimmunprozesse zu schützten, kommen zusätzlich antioxidative und immunmodulatorisch wirkende Vitamine (Vitamin E, Vitamin C und Vitamin D) in Betracht, des weiteren verschiedene Enzyme, die ebenfalls als Radikalfänger dienen sollen. Der Bräunungsprozess der Haut wird wie bei den zuvor genannten Therapiemethoden per UV-Bestrahlung angeregt. Die Zusammensetzung und Dosierung der eingesetzten Nährstoffe erfolgt im Rahmen der orthomolekularen Vitiligobehandlung individuell für jeden Patienten, allgemeine Aussagen hierzu können daher nicht gemacht werden.

Kastentext: Vitiligo-Selbsthilfegruppen

www.vitiligo-verein.de www.vitiligo-rhein-main.de www.vitiligo-raum-stuttgart.de Vitiligo Selbsthilfegemeinschaft Deutschland 47506 Neukirchen-Vluyn Feldstraße 26 b Tel. 0 28 45/2 13 99 Fax 0 28 45/79 41 46

Quelle

www.vitiligo-therapie.de www.orthomolekular-medizin-heilverfahren.de

Etwa eine halbe Million Menschen leiden in Deutschland an Vitiligo, der so genannten Weißflecken-Krankheit. Obwohl die Erkrankung ein rein "kosmetisches" Problem darstellt und keine weiteren medizinischen Folgen für die Betroffenen bestehen, ist der Leidensdruck der "Fleckies", wie sie sich mit Galgenhumor selbst nennen, groß. Therapieversuche mit UV-Bestrahlung, Bleichmitteln, der Einnahme von Betacarotin und Hauttransplantationen waren bislang im Ergebnis unbefriedigend. Ein erfolgversprechender und verträglicher Therapieansatz könnte die orthomolekulare Medizin sein.