Arzneimittel und Therapie

Neurodermitis: Pimecrolimus wirkt gegen Juckreiz

Der neue Immunmodulator Pimecrolimus (Elidel®) kann zur topischen Kurz- und Langzeitbehandlung bei Neurodermitis eingesetzt werden. Pimecrolimus reduziert Erkrankungsschübe deutlich. Der neue Wirkstoff ist bereits bei Kindern ab 2 Jahren einsetzbar. Bei Anwendung der Elidel®-Creme schon bei den ersten Anzeichen eines wiederauftretenden Ekzems oder Juckreizes konnte bei 60 Prozent der behandelten Kinder ein neuer Krankheitsschub verhindert werden. Dieser Effekt konnte auch für Erwachsene (50 Prozent) und Kleinkinder (70 Prozent) gezeigt werden. In klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass der Juckreiz Ų das Leitsymptom der Neurodermitis Ų innerhalb weniger Tage nach Therapiebeginn deutlich zurückging oder vollständig verschwand.

Patienten mit Neurodermitis oder auch atopischer Dermatitis stehen unter einem hohen Leidensdruck. Ihre Haut ist in der Regel trocken, rau und schuppig. Immer wieder entwickeln sich Entzündungen – Rötungen und Schwellungen – und ein starker, oft quälender Juckreiz.

Viele Patienten, vor allem kleine Kinder, können dem Drang zu kratzen nicht widerstehen, manchmal kratzen sie so intensiv, dass die Haut anfängt zu bluten. Kratzer und Risse auf der Haut können zu Infektionen führen, die Haut nässt an diesen Stellen, und es kommt zur Krustenbildung. Eine Neurodermitis kann den ganzen Körper befallen. Am häufigsten betroffen sind Gesicht, Beugeflächen (Falten der Ellbogen und Knie) und Hände.

Die Erkrankung manifestiert sich vorwiegend im Kindesalter. In Deutschland entwickeln 10 Prozent der Säuglinge eine Neurodermitis. Insgesamt leiden derzeit in den Industrieländern 10 bis 20 Prozent der Kinder unter 15 Jahren an dieser Hauterkrankung. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen klingen die Symptome im Erwachsenenalter ab, und die Krankheit heilt aus. In einem Drittel der Fälle nimmt sie aber auch einen chronischen oder chronisch-rezidivierenden Verlauf, und die betroffenen Patienten leiden noch als Erwachsene daran. In Deutschland sind schätzungsweise 3,3 Millionen Menschen betroffen.

Ursache sind aktivierte T-Zellen

Eine Schlüsselrolle im Krankheitsgeschehen spielt die T-Zell-Aktivierung nach einer Antigenexposition. Die aktivierten T-Zellen schütten in der Folge Zytokine als Botenstoffe aus, die durch verschiedene Mechanismen Juckreiz auslösen können. So aktivieren die Zytokine unter anderem Mastzellen, wodurch es in der Folge zu einer Histaminausschüttung kommt. Die Zytokine tragen aber auch zu einer weiteren T-Zell-Aktivierung bei.

Behandlung: Hautpflege und Glucocorticoide

Die konventionelle Therapie der atopischen Dermatitis besteht aus regelmäßigen Anwendungen von Emollienzien zur Pflege der trockenen Haut und der kurzzeitigen Applikation topischer Glucocortiocide, um akute Krankheitsschübe zu unterdrücken.

Viele Patienten betrachten jedoch den Hauptpfeiler der Behandlung, die topischen Glucocorticoide, mit Misstrauen. Bei der Langzeitanwendung kann es zu Nebenwirkungen kommen, zum Beispiel zu einer dünnen Haut, zu Gefäßneubildungen (Teleangiektasien) oder zu Wachstumsstörungen, wenn die Corticoide resorbiert werden. Auch ist die mögliche Anwendungsdauer begrenzt (bei vielen auf eine Behandlungsdauer von zwei oder drei Wochen pro Zyklus), für zarte Hautpartien wie im Gesicht wird außerdem von stärker wirksamenen Corticoiden abgeraten.

Pimecrolimus unterdrückt die Immunantwort

Eine Alternative bieten die Immunsuppressiva Tacrolimus (Protopic®) und das neue Pimecrolimus (Elidel®), beides Makrolactame zur topischen Anwendung. Pimecrolimus ist bei Kleinkindern ab 2 Jahren mit einem leichten bis mittelschweren Krankheitsbild für die kurzzeitige Behandlung der Anzeichen und Symptome des atopischen Ekzems und für die intermittierende Langzeitbehandlung als präventives Mittel gegen die Bildung von Hautausschlag indiziert.

Pimecrolimus wird aus Ascomycin gewonnen, einer natürlich vorkommenden Substanz, die der Pilz Streptomyces hygroscopicus var. ascomyceticus produziert. Im Vergleich zu Tacrolimus ist Pimecrolimus lipophiler. Nach der Anwendung reichert sich der Wirkstoff in den oberen Hautschichten Epidermis und Dermis an.

Pimecrolimus wirkt selektiv auf die Zellen der Haut, die eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Ekzemen spielen, und hemmt dort die Produktion und Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen: So bindet es mit hoher Affinität an Macrophilin-12 und hemmt die Calcium-abhängige Phosphatase Calcineurin. Als Folge wird die Synthese von inflammatorischen Zytokinen in T-Zellen und deren Freisetzung blockiert. Pimecrolimus hemmt außerdem die Degranulation der Mastzellen und damit die Histaminausschüttung.

Andere Zelltypen, wie basophile Granulozyten oder B-Lymphozyten, werden durch Pimecrolimus nicht beeinflusst. Auch zeigt Pimecrolimus keine Auswirkungen auf Keratinozyten, Fibroblasten, Endothelzellen und Antigen-präsentierende dendritische Zellen (Langerhans-Zellen).

Damit weist Pimecrolimus im Vergleich zu Tacrolimus und Steroiden einen großen Vorteil auf. In Studien blieb die Zahl der Langerhans-Zellen unter fünftägiger Pimecrolimus-Behandlung konstant, während sie unter Clobetasol (0,05%), Betamethason (0,1%) und Hydrocortison (1%) drastisch zurückging. Die primäre Immunantwort in der Haut – zur Abwehr bakterieller oder viraler Infektionen – wird unter der Therapie mit Pimecrolimus nicht beeinflusst.

Topisches Pimecrolimus zeigt keine antiproliferative Wirkung auf die Fibroblasten, und es hemmt den Kollagenstoffwechsel nicht. Studienergebnisse belegen: Im Gegensatz zu Betamethason-Valerat (0,1%) und Triamcinolon (0,1%) verursacht Pimecrolimus (1%) auch bei vierwöchiger täglicher Anwendung keine Hautatrophie.

Nur minimale Resorption

Elidel® wird nach dem Auftragen nur minimal systemisch absorbiert. Die Blutspiegel lagen in pharmakokinetischen Studien konstant niedrig (99% der Level unterhalb 2 Nanogramm/ml) – unabhängig vom Lebensalter, von der behandelten Fläche (10 bis 92% der Körperoberfläche), vom Schweregrad der atopischen Dermatitis und der Dauer der Therapie (bis zu 1 Jahr). Der Wirkstoff zeigt weder eine Akkumulation in der Haut noch systemische Nebenwirkungen. Der Abbau erfolgt durch die Abschilferung der Korneozyten an der Hautoberfläche.

Gute Wirkung in klinischen Studien

Mit topisch angewendetem Pimecrolimus ließ sich in klinischen Studien die Anzahl der Ekzemschübe deutlich reduzieren. Als häufigste Nebenwirkungen wurde über ein vorübergehendes Wärmegefühl und in seltenen Fällen leichtes Brennen an der Applikationsstelle berichtet. Diese Nebenwirkungen zeigten sich bei weniger als 10 Prozent der Kinder und bei ca. 10 Prozent der Erwachsenen. Aufgrund der sehr guten Verträglichkeit und der niedrigen systemischen Resorption gibt es keinerlei Beschränkungen für die Größe der behandelbaren Körperoberfläche sowie für die Dauer der Anwendung.

Studien bei Erwachsenen zeigen, dass bei vier von fünf Erwachsenen mit atopischem Ekzem unter Pimecrolismus-Therapie eine deutliche Zustandsverbesserung erzielt wurde. In einer Multicenter-Studie erhielt die Hälfte der 192 erwachsenen Patienten mit mäßiger bis schwerer Erkrankung eine auf Pimecrolismus basierende Behandlung. Die Kontrollgruppe wurde mit einer konventiellen Glucocorticoid-Therapie behandelt.

In der mit Pimecrolismus behandelten Gruppe konnte bei 82 Prozent der Betroffenen innerhalb von sechs Monaten der Hautzustand deutlich verbessert werden, gegenüber nur 51 Prozent in der Kontrollgruppe. Der Juckreiz konnte bei den Pimecrolismus-Patienten im Durchschnitt innerhalb von drei Tagen nach Behandlungsbeginn beseitigt werden, während er sich in der Kontrollgruppe eher verschlimmerte. Die Wirksamkeit von Pimecrolismus bei atopischem Ekzem ist am ganzen Körper gut, im Vergleich der verschiedenen Körperpartien wirkt Pimecrolismus aber besonders gut in den empfindlichen Arealen, wie Gesicht und Hals.

In einer einjährigen Studie konnte nachgewiesen werden, dass durch den Wirkstoff, wenn er bei den ersten Anzeichen von Juckreiz oder Hautrötungen angewandt wird, bei bis zu 57 Prozent der Patienten die weitere Bildung von Hautausschlag verhindert und bei bis zu 64 Prozent der Patienten eine Behandlung der Haut mit topischen Corticosteroiden vermieden werden konnte.

In einer weiteren Studie ließ sich mit Pimecrolismus die Anzahl der Ekzemschübe deutlich reduzieren. Unter der herkömmlichen Therapie blieben von 251 Säuglingen und Kleinkindern nur 33 Prozent über sechs Monate ekzemfrei; unter der Therapie mit Pimecrolismus waren es dagegen 70 Prozent. Bei 51 Prozent von 713 Patienten im Alter zwischen 2 und 17 Jahren wurden akute Schübe sogar über einen Zeitraum von 12 Monaten vollständig unterbunden.

Kasten Anwendung bereits im Frühstadium

Pimecrolimus-Creme kann bereits im Frühstadium, in dem lediglich Rötung der Haut, beginnende Bläschen oder Hautverdickung und Juckreiz zu erkennen bzw. zu verspüren sind, angewendet werden. So kann das Fortschreiten der Krankheit zu einem neuen Schub verhindert werden. Die Creme wird zweimal täglich dünn auf die entzündete Haut aufgetragen. Anschließend können feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben aufgetragen werden.

Alle Körperregionen, insbesondere so genannte Problemzonen wie Gesicht, Hals und die Hautfalten (z. B. Achselregion), können effektiv behandelt werden. Im Gegensatz zu Steroiden kann Pimecrolimus ohne Bedenken so lange wie nötig angewendet werden. Die Creme wird rasch von der Haut aufgenommen und besitzt eine gute kosmetische Akzeptanz. Während der Anwendung wird ein Sonnenschutz empfohlen.

Kasten Der Leidensweg beginnt in der Kindheit

Eine Neurodermitis beginnt im Regelfall während der Kindheit – etwa 60 Prozent aller Fälle werden im ersten Lebensjahr diagnostiziert. Viele Patienten – etwa 60 Prozent – "entwachsen" der Krankheit bis zu einem Alter von etwa 20 Jahren, andere leiden aber für den Rest ihres Lebens darunter.

Bis zu 20 Prozent aller Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben an einer atopischen Dermitis. Etwa 20 Prozent aller Säuglinge haben Ekzeme, fast jedes fünfte Schulkind in Großbritannien leidet an Neurodermitis, und einer von zwölf Erwachsenen hat diese Krankheit. In Deutschland leiden rund 3,3 Millionen Menschen an der atopischen Dermatitis.

Eine Neurodermitis wird häufig von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Hat ein Elternteil eine atopische Erkrankung (Neurodermitis, allergische Rhinitis oder Asthma), so ist das Risiko des Kindes, eine atopische Krankheit zu bekommen, eins zu vier. Sind sowohl der Vater als auch die Mutter Atopiker, so steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Neurodermitis zu erben, auf mehr als 50 Prozent.

Auslöser können zum Beispiel Blütenpollen oder bestimmte Nahrungsmittel sein, Hausstaubmilben und Kuhmilch sind weitere häufige Antigene, die Ekzeme hervorrufen.

Quelle

Priv.-Doz. Dr. Helmut Wolf, Nürnberg; Prof. Dr. Ulrich Wahn, Berlin; Prof. Dr. Michael Meurer, Dresden; Prof. Dr. Thomas A. Luger, Münster; Prof. Dr. Anton Stütz, Wien; Dr. Friedrich Karl Meyer, Basel; Pressekonferenz: "Elidel®: Meilenstein in der Therapie des Atopischen Ekzems" München, 11. November 2002, veranstaltet von Novartis Pharma, Nürnberg.

Der neue Immunmodulator Pimecrolimus (Elidel®) kann zur topischen Kurz- und Langzeitbehandlung bei Neurodermitis eingesetzt werden und ist bei Kindern ab 2 Jahren zugelassen. In klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass der Juckreiz – das Leitsymptom der Neurodermitis – innerhalb weniger Tage nach Therapiebeginn deutlich zurückging oder vollständig verschwand.

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