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Designer Drugs: Von Ecstasy bis PPP

Im Rahmen der Semestertagung des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) sprach Prof. Dr. Hans H. Maurer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität des Saarlandes am 1. November in Saarbrücken über klassische und neue Designer-Drogen.

Elixiere einer Subkultur

Die Designer-Drogen werden ganz überwiegend von jungen Erwachsenen konsumiert und stehen in direktem Zusammenhang mit der "innovativen Jugendbewegung" namens Rave. Rave ist gekennzeichnet durch

  • das PLUR-Prinzip: Peace, Love, Unity and Respect,
  • stundenlanges Tanzen zu heißen Rhythmen, gewöhnlich nachts, bei der Love Parade auch tagsüber,
  • die Einnahme von Designer-Drogen.

Die Drogen, die auch als Rave-Drugs bezeichnet werden, sind laut Maurer "der perfekte Verstärker für diese Kultur". Sie dienen der Steigerung des Selbstwertgefühls, des Wohlbefindens, der Energie und der Kommunikationsfähigkeit.

Ecstasy – die klassische Designer-Droge

Die klassische Designer-Droge ist Ecstasy (Methylendioxymethamphetamin, MDMA). Es wirkt – ebenso wie andere Phenylalkylamine mit einer Methylendioxy-Gruppe am Benzolring – serotoninerg, das heißt, es setzt Serotonin aus den Vesikeln der Neuronen frei und behindert dessen Rückresorption, sodass die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt steigt.

Daraus resultiert sympathomimetisch eine Erregung des zentralen Nervensystems, die zwar vom Benutzer gewünscht ist (insbesondere auch die entaktogene Wirkung), aber sowohl akute als auch chronische Schäden verursachen kann.

So kann die Erhöhung der Körpertemperatur (Hyperthermie) bei gleichzeitig schwindendem Durstgefühl nach stundenlangem Tanzen zur Exsikkose führen (in schwersten Fällen mit Todesfolge). Durch Ecstasy-Konsum wird die quergestreifte Muskulatur in stärkerem Maße abgebaut (Rhabdomyolyse), was eine Niereninsuffizienz auslösen kann. Die erhöhte Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt senkt dauerhaft die Anzahl der Serotonintransporter. Schließlich verursacht die Seretonindepletion der Neuronen zusammen mit der Hyperthermie bleibende Nervenschäden.

Wie Maurer ausführte, ist die Erkenntnis relativ neu, dass Ecstasy auch auf das dopaminerge System einwirkt, womit sich z. B. die leicht halluzinogene Wirkung der Substanz erklären lässt. Die Interaktion mit dem dopaminergen System sei nicht verwunderlich, da die Methylendioxy-Gruppe des Moleküls zu zwei Hydroxylgruppen abgebaut wird, sodass eine Catecholstruktur wie beim Dopamin entsteht.

Es wurde nachgewiesen, dass die längere Anwendung von Ecstasy die Konzentration sowohl des Dopamins als auch der Dopaminrezeptoren vermindert. Dies ist nach gegenwärtigem Wissensstand als schwerer Risikofaktor für die Entwicklung eines Morbus Parkinson anzusehen.

Weitere Schäden des Ecstasy-Konsums ergeben sich aus dem Metabolismus der Substanz. Die im ersten Schritt entstehenden Catechole (s. o.) werden teils methyliert und glucuronidiert, teils aber auch zu Chinonen umgewandelt; falls diese Letzteren nicht durch Glutathion entgiftet werden, binden sie an Strukturproteine. Langfristig wird dadurch die Leber geschädigt, es entsteht eine Art Immunhepatitis.

Abgesehen von all diesen Schäden besteht eine großes Risiko des Ecstasy-Konsums darin, dass es den Konsumenten unfähig macht am Straßenverkehr teilzunehmen. Daher werden im Rahmen der Verkehrskontrolle auch Tests auf Ecstasy durchgeführt.

Neue Designer-Drogen

Als neue Designer-Drogen sind in jüngerer Zeit

  • Phenylpyrrolidinylpropanon (PPP) und seine Derivate wie z. B. das am Benzolring methylierte MPPP und
  • Benzyl- und Phenylpiperazine, die ebenfalls am Benzolring substituiert sein können,

in der Szene aufgetaucht. Das PPP weist eine Strukturanalogie zum Cathinon, dem Hauptwirkstoff der arabischen Rauschdroge Kath (Catha edulis) auf, dessen Aminogruppe hier durch ein Pyrrolidin ersetzt ist. Es wirkt sympathomimetisch, sowohl über das serotoninerge als auch über das dopaminerge System. Beim Benzylpiperazin überwiegt neben der dopaminergen die adrenerge Wirkung. Laut Maurer wäre bei einem Anstieg des Konsums dieser Drogen, wie er in den USA schon üblich ist, mit zahlreichen Intoxikationen sowohl akuter als auch chronischer Art zu rechnen.

Als Fazit des Vortrags könnte man ziehen: Obwohl laufend neue illegale Drogen in der Szene auftauchen, kann von einer Optimierung hinsichtlich der unerwünschten Wirkungen nicht die Rede sein. Der Genuss ohne Reue bleibt Utopie.

Kastentext

Ohne entaktogene Drogen wäre bei dem Lärm der Rave-Partys keine Kommunikation möglich. Prof. Dr. Hans H. Maurer

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