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Frühneuzeitliche Badekultur: Das Weißenburger Wildbad

Die Stiftung Kohl'sche Einhorn-Apotheke in Weißenburg hat am 3. November in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung ein neues Buch vorgestellt, das sich mit einer früher als heilkräftig erachteten Quelle in der Stadt befasst: dem Weißenburger Wildbad.

Wildbäder als Allheilmittel

Den Festvortrag zum Thema "Wildbäder in Franken" hielt die Kunsthistorikerin Dr. Lore Heilmann aus Erlangen. Als Wildbäder bezeichnete man heilkräftige Quellen außerhalb menschlicher Siedlungen in der freien Natur. Das Wasser war in der Regel kalt, denn um Thermalquellen hatten sich meistens schon früh Ansiedlungen gebildet. In Ausnahmefällen – so in Weißenburg und auch in Nürnberg – befand sich ein Wildbad auch in der Stadt; hier bestand der Unterschied zu den anderen Bädern darin, dass das Wasser aus einer sprudelnden Quelle und nicht aus einem Brunnen stammte.

Wie Heilmann darlegte, galten Wildbäder im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit als "Allheilmittel". Man badete freilich nicht in den Quellen selbst, sondern in Badewannen in dem auf Körpertemperatur erwärmten Wasser. Daher konnte man so lange in dem Wasser verweilen und dessen Heilkräfte auf sich wirken lassen, wie es die Ärzte für sinnvoll hielten: Um 1500 war es üblich, während einer Badekur zehn Stunden am Tag zu baden, im 18. Jahrhundert begnügte man sich mit höchstens zwei Stunden.

Ärzte begutachteten die Heilkraft der Wässer, und zwar sowohl aus chemischer Sicht als auch aus klinischer Sicht. In ihren Monographien nahmen die Beschreibung einzelner aufsehenerregender Fälle, die sie selbst beobachtet hatten, breiten Raum ein. Ansonsten gaben sie den Badegäste auch allgemeine Ratschläge, wie sie sich bei der Kur verhalten sollen, um den Heilerfolg zu sichern. Im Fall des Weißenburger Wildbades hatte der dortige Apotheker eine solche balneologische Monographie im Jahr 1669 auf eigene Kosten drucken lassen.

Das Buch zum Wildbad

In dem vorgestellten Buch wird eine wertvolle Quelle für das Weißenburger Wildbad ausgewertet: das Gästebuch, in dem sich seit 1663 hundert herrschaftliche oder hochgestellte Personen eingetragen haben und ihren Autogrammen teilweise Wappen und Stiftungsbilder hinzugefügt haben (im Buch farbig abgebildet).

Ein weiterer Beitrag des Buches referiert die physikalisch-chemischen Untersuchungen der Weißenburger Wildbadquelle seit dem frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das Ergebnis ist ernüchternd: Das Wasser ist kalkreich, aber an sonstigen Mineralien relativ arm. Es ist allerdings möglich, dass sich die Beschaffenheit des Wassers im Laufe der Zeiten geändert

Kastentext

Das Weißenburger Wildbad – Beschreibung und Analysen einer mittelalterlichen Heilquelle. Hrsg. Stiftung Kohl'sche Einhorn-Apotheke, Weißenburg i. B. 2002. 80 Seiten, 12,90 Euro + 3,– Euro Versand. Zu beziehen bei: Einhorn-Apotheke, Rosenstraße 3, 91781 Weißenburg Fax (0 91 41) 7 34 71

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