Arzneimittel und Therapie

Alzheimer-Therapie: Donepezil und Galantamin in einer Vergleichsstudie

Acetylcholinesterase-Hemmer verstärken die Wirksamkeit des Neurotransmitters Acetylcholin und stellen mittlerweile die Therapie der Wahl bei der Behandlung der Alzheimer-Demenz dar. Die therapeutische Wirksamkeit dieser Substanzen wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Sie führen vorübergehend und auch längerfristig, über zwei Jahre oder mehr, zu einer Zunahme der kognitiven Leistungsfähigkeit, des Funktionsniveaus und zu einer Abnahme des Versorgungs- und Pflegebedarfs der Patienten. Bislang lagen noch keine direkten Vergleichsstudien zwischen den verschiedenen Acetylcholinesterase-Hemmern vor.

Erste Vergleichsstudie

In einer randomisierten, offenen, multizentrischen Studie wurden jetzt die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Donepezil (Aricept®) und Galantamin (Reminyl®) verglichen. Die Studie wurde bei 120 Patienten mit leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz in 15 Zentren in Großbritannien, Finnland, Norwegen und Deutschland durchgeführt.

Nach der Randomisierung wurden die Patienten zunächst mit 5 mg Donepezil einmal täglich oder mit 4 mg Galantamin zweimal täglich behandelt. Im weiteren Verlauf wurde versucht, schrittweise die maximalen wirksamen Dosierungen zu erreichen. So wurde nach vier Wochen bei den mit Donepezil behandelten Patienten die Tagesdosis auf 10 mg gesteigert; bei den mit Galantamin behandelten Patienten wurde die Tagesdosis nach vier Wochen auf 16 mg, nach weiteren vier Wochen auf 24 mg gesteigert. Bei Problemen mit der Verträglichkeit konnte die Dosis wieder reduziert werden.

Die Patienten wurden vor Behandlungsbeginn sowie nach vier, acht und 12 Wochen eingehend untersucht. Kognitive Leistungsfähigkeit und Funktionsniveau wurden durch unabhängige Untersucher, die für die Art der Medikation verblindet waren, beurteilt. Es wurden 73 Frauen (60%) und 47 Männer (39%) im Alter von 51 bis 89 Jahren (Mittel: 74,4 Jahre) untersucht. Von ihnen wurden 64 mit Donepezil behandelt, 56 mit Galantamin. Die Untersuchung konnte bei 112 der 120 Patienten (93%) erfolgreich abgeschlossen werden. Die maximale Dosis des Acetylcholinesterase-Hemmers wurde bis zum Studienende bei 58 (91%) der mit Donepezil behandelten und bei 40 (71%) der mit Galantamin behandelten Patienten erreicht.

Donepezil: Bessere Verträglichkeit ...

Die häufigsten Nebenwirkungen der Acetylcholinesterase-Hemmer, die zum Teil zu Dosisreduktionen führten, waren Übelkeit (23% der Patienten, die mit Galantamin behandelt wurden; 16% der Patienten, die mit Donepezil behandelt wurden), Durchfälle (14% bei Galantamin; 9% bei Donepezil), Erbrechen (12% bei Galantamin; 0% bei Donepezil), Gewichtsabnahme (9% bei Galantamin; 5% bei Donepezil), Kopfschmerzen (5% bei Galantamin; 6% bei Donepezil) und Benommenheit (5% bei Galantamin; 2% bei Donepezil). Gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle traten häufiger bei der Behandlung mit Galantamin auf.

... und deutlichere Wirkung

Die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten wurde anhand der Subskala "Kognition" der Alzheimer's Disease Assessment Scale (ADAS-cog) beurteilt, das Funktionsniveau anhand des Disability Assessment for Dementia (DAD). Nach 12-wöchiger Behandlung war bei den mit Donepezil behandelten Patienten sowohl die kognitive Leistungsfähigkeit als auch das Funktionsniveau signifikant höher als bei den mit Galantamin behandelten Patienten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die Behandlung mit beiden Acetylcholinesterase-Hemmern als gut verträglich und wirksam erwies. Unter der Behandlung mit Galantamin traten häufiger gastrointestinale Nebenwirkungen auf und weniger Patienten konnten mit der maximalen wirksamen Dosis behandelt werden. Nach 12-wöchiger Behandlung waren kognitive Leistungsfähigkeit und Funktionsniveau bei den mit Donepezil behandelten Patienten signifikant höher.

Kasten Besser Acetylcholinesterase-Hemmer als Nootropika!

Eine kausale Therapie der Alzheimer-Demenz steht noch nicht zur Verfügung. Es ist daher zu erwarten, dass die Acetylcholinesterase-Hemmer langfristig Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung der Alzheimer-Demenz bleiben werden. Ihre Wirksamkeit ist eindeutig durch klinische Prüfungen mit mehreren tausend Patienten belegt.

Acetylcholinesterase-Hemmer haben außerdem den nachgewiesenen pharmaökonomischen Vorteil, Heimeinweisungen im Schnitt um zwei Jahre zu verzögern. Trotzdem bleiben – weil neu und teuer – diese Medikamente vor allem den Kassenpatienten meist vorenthalten oder eine Therapie wird zu spät begonnen und oft viel zu früh abgebrochen. Wenig verstehbar ist hingegen auf der anderen Seite das "deutsche Phänomen" der Nootropika.

Nootropika sind Substanzen, die ohne oder allenfalls mit geringen zentral stimulierenden Effekten die Hirnleistung durch eine Beeinflussung des Gehirnstoffwechsels verbessern sollen. In den meisten Ländern werden sie kaum verwendet, da mit ihnen zwar viele Studien gemacht wurden, deren Ergebnisse aber widersprüchlich blieben.

Hierzulande werden sie noch immer bei ersten Hirnleistungsstörungen zur Beruhigung von Patienten und Angehörigen verschrieben. Diese vermeintlich billigen Präparate weisen in ihrer Gesamtheit erstaunlich hohe Umsatzzahlen auf und stellen damit eine hohe Belastung der Krankenkassen dar. Die entstehenden Kosten aber sind für eine nicht unumstrittene Wirksamkeit zu hoch.

Quelle

Prof. Dr. Georg Adler, Mannheim; Fachpresse-Workshop "5 Jahre Aricept®: Wirksame Therapie der Alzheimer-Demenz" Mittwoch, 10. Juli 2002, Frankfurt/Main, veranstaltet von der Eisai GmbH (Frankfurt/M.) und der Pfizer GmbH (Karlsruhe).

Acetylcholinesterase-Hemmer stellen mittlerweile die Therapie der Wahl bei der Behandlung der Alzheimer-Demenz dar. In einer Studie wurde erstmals ein direkter Vergleich zwischen Donepezil und Galantamin bei Patienten mit leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz gezogen: Beide erwiesen sich als gut verträglich und wirksam, sie führten vorübergehend und langfristig zu einer Zunahme der kognitiven Leistungsfähigkeit und zu einer Abnahme des Versorgungs- und Pflegebedarfs. Donepezil zeigte bei einer besseren Verträglichkeit eine deutlichere Wirkung.

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