Feuilleton

Mythologie: Die Ursprünge von Halloween

Das Halloween-Fest, das am Vorabend von Allerheiligen am 31. Oktober gefeiert wird, ist ein US-amerikanischer Brauch, der spielerisch mit mythischen Vorstellungen von Hexen, Zauberern und bösen Geistern umgeht. Doch der Ursprung des Ritus liegt in Irland Ų das heißt: in den keltischen Urmythen der grünen Insel Ų verborgen. So gesehen, kommen uralte europäische Vorstellungen von der Welt über den Umweg Neue Welt wieder zu uns zurück.

Es begann bei den Kelten

Halloween geht auf Samhain zurück, das Fest des Jahresendes der irischen Inselkelten. Der vorchristliche Ursprung mag zu dem enormen Erfolg des Brauchs seit einigen Jahren beigetragen haben. Sind die Kelten und ihre Kulte doch noch immer rätselhaft und faszinieren viele Menschen.

Über die Entstehung der Kelten in der Hallstattzeit (750 bis 500 v. Chr.) weiß man wenig. Erst in der La-Tène-Zeit (ab 480) treten sie gewaltig auf die Bühne der Geschichte. Doch bald schon geht es wieder bergab. Sie werden von den Karthagern geschlagen, und die Kimbern und Teutonen aus dem Norden sind ihnen auch nicht wohlgesonnen. Schließlich werden sie von Cäsar (58 – 51) teils vernichtet, teils unterworfen ("Gallischer Krieg"). Die meisten Kelten wurden romanisiert und schließlich christlich missioniert. Keltische Sprache und Kultur blieben vorerst in Großbritannien, Irland und der Bretagne erhalten, büßten aber auch hier bis zur Gegenwart das meiste Terrain ein.

Mistelkult und Geisterglaube

Die Kelten hinterließen keine schriftlichen Aufzeichnungen über ihre religiösen Kulte. Ihre Druiden gaben die heiligen Verse ausschließlich mündlich weiter. Aus heutiger Sicht lebten die Kelten in einer zweiseitigen Welt, sie liebten das Doppeldeutige und waren von den Mittlern zwischen Himmel und Erde, Sinnlichem und Übersinnlichem, Diesseitigem und Jenseitigem fasziniert. Als ein Wesen zwischen beiden Welten verehrten sie die Mistel, besonders wenn sie auf der den Kelten heiligen Eiche wuchs.

Die Kelten glaubten, aus den abgeschlagenen Köpfen ihrer Feinde, dem Sitz des Übersinnlichen, überirdische Kraft zu schöpfen. Sie malten sich mit der Farbe ihrer Muttergöttin blau an und zogen splitternackt in die Schlacht. Sie verehrten die Große Göttin Danu und 400 weitere Götter. Vermutlich haben sie die germanische Mythologie und das Christentum mit zahlreichen Symbolen bereichert. Der dreieinige Gott soll beispielsweise auf die dreiköpfige Schlange der Kelten zurückgehen. Den Teufel haben sie nicht gekannt. Es gab keinen großen Gegenspieler der Muttergöttin. Die Kelten glaubten an Dämonen und Totengeister, die auf Hügelgräbern herumspuken. Sie gingen ganz fest vom ewigen Leben durch Seelenwanderung aus und hatten keine Angst vor dem Tod in der Schlacht.

Heidnisch – christlich – weltlich

Als die Kelten Irlands aus dem lateinischen Alphabet die aus Punkten und Strichen bestehende Ogham-Schrift entwickelten, zeichneten sie ihre Geschichte endlich auf. Ab dem 6. Jahrhundert entstehen die Heldensagen, die heute unser Bild der Kelten bestimmen. Die 1155 in Wales entstandene Sage um König Artus fußt ebenso auf Keltischem wie die zwischen 1760 und 1763 von James Macpherson geschaffene Ossiandichtung.

Das Fortleben keltischer Traditionen förderte auch Papst Gregor d. Gr. (reg. 590 – 604), der dem englischen Abt Mellitus (später Erzbischof von Canterbury) befahl, er solle die heidnischen Kultgebäude nicht zerstören, sondern in christliche Kirchen umwandeln, und er solle heidnische Bräuche nicht verbieten, sondern sie als christliche Feiern begehen; Papst Gregor IV. bekräftigte dies 837 und erwähnte dabei ausdrücklich das keltische Samhain-Fest (siehe Kasten).

Den Halloween-Brauch brachten die irischen Flüchtlinge der großen Hungersnot ab Mitte der 1840er-Jahre in die neue Welt. Anfangs standen die Iren dort ganz unten auf der sozialen Leiter, und entsprechend ärmlich waren ihre Feste. Doch schon 1910 importierten sie vor allem aus Deutschland Halloween-Dekorationen, Papierlaternen und Rasseln. Ab den 1920er-Jahren stieg Halloween nach und nach zum säkularen Feiertag mit Paraden und öffentlichen Feiern auf. Die arteten dann so aus, dass man in den 1950er-Jahren den um sich greifenden Vandalismus zu Halloween eindämmen musste.

Neujahr im Herbst

Die Kelten scheinen gute astronomische Kenntnisse gehabt zu haben. Darauf deutet der Kalender von Coligny hin, der 1897 in einem Dorf bei Lyon gefunden worden ist. Es ist eine aus 150 Bruchstücken bestehende Bronzeplatte, die 25 Jahre eines exakten keltischen Kalenders beschreibt. Der erste Monat des Winterhalbjahres wird dort mit "Samon" bezeichnet. Davon lässt sich "Samhain", die Bezeichnung für den 1. November, ableiten.

Die Kelten dachten in Hell und Dunkel. Das Licht musste aus dem Dunkel entstehen. Deshalb fing das Jahr mit dem Winter an und der Kalendertag mit dem Vorabend. Die Feste zum Beginn der vier Jahresabschnitte waren: 1. November: Samhain 1. Februar: Imbolc 1. Mai: Beltane 1. August: Lughnasad

Samhain – zwischen Welt und Anderwelt

Samhain, das wichtigste der Jahresfeste, erinnerte an die Erschaffung der Welt, als das Chaos der Ordnung weichen musste. Bis Samhain musste das Vieh von den Weiden getrieben, Tribute und Abgaben bezahlt, das Haus ordentlich geputzt und das Jahr symbolisch beendet sein. Nun saß man in der Stube, aß Nüsse und Gebäck und erzählte sich Geschichten, ließ das Jahr mit seinen Toten und neuen Erdenbürgern Revue passieren.

Samhain symbolisierte den Übergang vom Licht zum Schatten; hier war vorübergehend die Trennung zwischen Welt und Anderwelt – dem Reich der Toten und der Geister – aufgehoben. Um die bösen Geister fernzuhalten, stellte man brennende Kerzen in zu Hohlköpfen geschnitzte Kohlrüben. Doch wollte man die Geister nicht schroff ablehnen. Ging man zu Bett, blieb die Tür unverriegelt. Die Geister zu überraschen oder zu beobachten, galt als lebensgefährlich. Auf der Straße durfte man sich nicht nach Schritten umdrehen. Nur die Jugend trotzte den Verboten, verkleidete sich, trug Masken, Tierschädel und Felle und trieb allerlei Schabernack.

Jack o' the Lantern

Die Geschichte vom Jakob mit der Laterne (Jack-o-the-lantern), die in christlicher Zeit entstand, trägt ebenfalls zur heutigen Form des Halloween bei. Der pfiffige Faulpelz lag den ganzen Tag unter einer Eiche und ergaunerte sich einen schnellen Schilling, den er im nahen Pub verjubeln konnte. Als sein Stündlein geschlagen schien und der Teufel neben ihm am Tresen stand, handelte er dem Sensenmann mit allerlei Taschenspielertricks zwei weitere Jahre ab. Schließlich packte der ihn doch und schleppte ihn vor die Tore der Hölle, da Petrus ihn nicht haben wollte, weil er nie eine gute Tat vollbracht hatte. Doch auch der Satan wies ihn ab. Als Jack schrie: "Wohin soll ich gehen? Wie kann ich hier in der Dunkelheit etwas sehen?", steckte der Teufel eine glühende Kohle in eine ausgehöhlte Rübe und meinte, das Licht werde ihm den Weg schon weisen. Seit diesem Tag heißt er "Jack o' the Lantern" und geistert rastlos durch die Welt.

Auch der garstige Muck Olla steuert seinen Teil zur heutigen Gestalt des Halloweenfestes bei. Diese keltische Figur bestrafte all diejenigen, die an diesem Tag zu geizig waren, einen kleinen Obolus zu spenden. Aus dem furchtbaren Zorn des Muck Olla wurden die heutigen böswilligen Streiche der Jugend, das Betteln von Tür zu Tür und die schöne Sitte, den Nachbarn einen Kuchen zu backen.

Kastentext: Etymologie

Das Wort "Halloween" entstand aus "All Hallows' Even", was "Abend aller Heiligen" bedeutet.

Kastentext: Samhain und Allerheiligen

Nachdem Papst Bonifaz IV. 609 in Rom das Allerheiligenfest eingeführt hatte und Papst Gregor III. (reg. 731 – 741) es auf den 1. November verlegt hatte, dehnte Papst Gregor IV. das Fest 835 auf die gesamte katholische Kirche aus. Seither ist in keltischen Gebieten das christliche Allerheiligenfest mit dem heidnischen Samhain-Fest verbrämt: Es entstand Halloween.

Kastentext: Amerikanischer Karneval

Halloween hat sich in den USA zu einer Art Karneval entwickelt, in dem alles erlaubt scheint. Vom Kinderfest bis zu wüstesten Partys reicht die Spanne der Vergnügungen und Ausschweifungen. Hexen, Kobolde, Zauberer oder schlichter Horror gehören dazu wie die Kekse für den Nachbarn.

Kastentext: Internet

Grauenerregende Kontaktlinsen speziell zur Halloween-Party www.lensquest.com

Leckere Rezepte zu Halloween www.night.net/halloween/desserts.html-ssi

Bildschirmschoner für Halloween www.alexanderwewer.de/contents/halloween/down.html

Keltenfreunde von der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg www.altmuehlnet.de/gemeinden/boehmfeld/index.html

Literatur

Gerald Messadié: Teufel, Satan, Luzifer – Universalgeschichte des Bösen. München 1993. Manfred Lurker: Wörterbuch der Symbolik. Stuttgart 1983. Franz Kurowski: Die Sachsen – Schwertgenossen Sahsnòtas. Augsburg 1991. Gerhard Bellinger: Knaurs Großer Religionsführer. München 1992.

Das Halloween-Fest, das am Vorabend von Allerheiligen, am 31. Oktober, gefeiert wird, ist ein US-amerikanischer Brauch, der spielerisch mit mythischen Vorstellungen von Hexen, Zauberern und bösen Geistern umgeht. Doch der Ursprung des Ritus liegt in Irland – in den keltischen Urmythen der grünen Insel – verborgen. So gesehen kommen uralte europäische Vorstellungen von der Welt über den Umweg Neue Welt wieder zu uns zurück.

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