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Leserbrief: Aspirin von Aldi

Der im Folgenden abgedruckte Leserbrief wurde am 18. Januar an die Redaktion der FAZ Sonntagszeitung gesandt. Er nimmt Bezug auf einen Beitrag, den Sybille Wilhelm in der FAZ Sonntagszeitung vom 30. Dezember unter dem Titel "Das Aspirin von Aldi, Medikamente aus dem Internet" veröffentlicht hatte.

Sehr geehrte Frau Wilhelm, sehr geehrte Damen und Herren,

mit Erleichterung haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie keineswegs für die Abschaffung der Apotheken sind. Welch ein Glück! Der Bundesverband der Angestellten in Apotheken, der als Gewerkschaft die etwa 110 000 Angestellten in den öffentlichen Apotheken in tarif- und berufspolitischer Hinsicht vertritt, hatte doch vorübergehend den Eindruck, als sei es Ihnen genau darum gegangen! Sie hätten damit auf einen Streich etwa 110 000 qualifizierte, überwiegend Frauenarbeitsplätze, vernichtet. Das würde sich nicht einmal ein Bundeskanzler "mit ruhiger Hand", zumal im Wahljahr, trauen!

Die Frage, ob mit einem so sensiblen Gut wie Arzneimitteln umgegangen werden kann wie mit jedweder anderen Ware in Geschäften, muss von der Politik beantwortet werden. Uns ist kein Land bekannt, in dem die Politik nicht zumindest weite Teile des Arzneimittelbereiches für so "besonders" hält, dass dafür auch besondere Gesetze geschaffen worden sind. Mag sein, dass das in Augen von Nichtfachleuten als "ungerechtfertigte Privilegien" erscheint. Wir halten dies jedoch aus Gründen der Arzneimittelsicherheit und damit zum Wohle der Patienten für unbedingt notwendig.

Möglicherweise benötigen Apotheken mehr Wettbewerb. Aber es lässt sich auch anders Wettbewerb betreiben als über den Preis, z. B. über die Qualität der Beratung oder die qualifizierte Betreuung von Patienten gemeinsam mit dem Arzt (und das ist etwas anderes als Beratung!). Das kommt nicht nur den Patienten zugute, sondern entlastet zumindest mittelfristig auch die Krankenkassen durch sinkende Folgekosten, wie Untersuchungen zeigen konnten.

Auch die Preisbindung ist keine "Schutzzone" für geldgierige Apotheker und schon gar nicht für ihre Angestellten – haben Sie sich einmal die Mühe gemacht, in den aktuellen Tarifvertrag für ApothekenmitarbeiterInnen zu sehen? Möglicherweise gibt es auch heute noch Apotheken, die gute Gewinne abwerfen. Die meisten kommen jedoch gerade so über die Runden, da seit etwa zehn Jahren jeder Gesundheitsminister glaubt, bei den Arzneimitteln sei doch noch was einzusparen. Das gilt erst recht für ihre Angestellten, die gemeinsam mit den Verkäuferinnen das Schlusslicht bei den Gehältern bilden.

Sollten Sie sich bemüßigt fühlen, weitere Artikel zum Arzneimittelbereich und zur Apotheke zu verfassen, sollten Sie im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung, die alle Fakten berücksichtigt, zuvor mit Fachleuten Kontakt aufnehmen – und nicht hinterher Interviews mit den Fachleuten wie dem Präsidenten der Bundesapothekerkammer nachschieben (immerhin). Der Bundesverband der Angestellten in Apotheken, deren Vorsitzende auch im ABDA-Gesamtvorstand vertreten ist (die ABDA ist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände), ist mit seinen Fachleuten dazu gern bereit.

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