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Epilepsie bei Kindern: Ketogene Diät kann helfen

Basierend auf der Beobachtung, dass bei hungernden epilepsiekranken Kindern die Anfallshäufigkeit zurückgeht, entwickelten Ärzte in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts das Therapiekonzept einer ketogenen Diät (KD). Bei dieser extremen Diät dürfen dem Körper nur Fette und Proteine zugeführt werden.

Selbst die Zufuhr geringster Mengen Kohlenhydrate (z. B. in Arzneimitteln oder Zahnpasten) ist zu vermeiden. Dadurch wird der Organismus in eine dem Hungerzustand vergleichbare Stoffwechsellage überführt. Zur Deckung des Mindestbedarfs der Organe an Kohlenhydraten werden die glucoplastischen Aminosäuren in Glucose verwandelt, was eine Verminderung der Proteinsynthese zur Folge hat.

Die gesteigerte Lipolyse im Fettgewebe mit Erhöhung der unveresterten Fettsäuren im Plasma ist die Folge eines Absinkens des Insulin-Glucagon-Quotienten. Der Energiebedarf wird hauptsächlich durch die Oxidation von Fettsäuren gedeckt. Mit der Entwicklung potenter Antiepileptika ist die ketogene Diät in Vergessenheit geraten. Der diätetische Heilversuch wurde und wird jedoch in wenigen medizinischen Einrichtungen in den USA bei therapierefraktären epileptischen Kindern (1. bis 10. Lebensjahr) eingesetzt. Nach den bislang vorliegenden Veröffentlichungen scheint etwa ein Drittel der schwerstkranken Kinder von diesem Behandlungsversuch zu profitieren.

Bei Respondern wird die ketogene Diät über einen Zeitraum von 2-3 Jahren durchgeführt. Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse wurde am 15. Dezember 2000 ein 1. Workshop in Essen zur Etablierung der ketogenen Diät in Deutschland durchgeführt. Bei diesem Treffen wurden u.a. Richtlinien, Empfehlungen und Therapiestandards bei der ketogenen Diät festgelegt und erstellt. Für 2002 ist ein weiteres Symposium geplant.

Quelle: Monatsschrift Kinderheilkunde 2001, Nr. 12, S. 1383-1390

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