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50. GA-Kongress: Arzneipflanzenforscher tagten in Barcelona

BARCELONA (cae). Zum 50. Jahreskongress der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung (GA) konnte der GA-Präsident Prof. Dr. Rudolf Bauer, Graz, weit über 600 Teilnehmer begrüßen. Zu Beginn des Jubiläumskongresses, der vom 8. bis 12. September in Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, stattfand, zeichnete Bauer die Professoren Hildebert Wagner, München, und Otto Sticher, Zürich, für ihre überragenden wissenschaftlichen Leistungen aus.

Arzneistoffe aus dem Meer

Auf dem Kongress wurden etwa 570 Beiträge von Personen aus 70 Ländern präsentiert – der weitaus größte Teil davon in Form von Postern. Ein thematischer Schwerpunkt waren Arzneistoffe mariner Herkunft, von Bakterien wie Actinomyceten über Protozoen wie Dinoflagellaten bis zu höheren Organismen der Tier- und Pflanzenwelt. Hinsichtlich der Indikation wurden insbesondere neue tumorsupprimierende Wirkstoffe vorgestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war die pharmazeutische und therapeutische Qualität von Phytopharmaka. Obwohl Phytopharmaka auf dem spanischen Arzneimarkt keine große Rolle spielen, gibt es auch dort eine nationale Gesellschaft für Phytotherapie, die neben der GA als Mitveranstalterin des Kongresses fungierte. Schließlich befassten sich viele Beiträge mit der Ethnopharmazie, der Erforschung traditioneller Arzneimittel, insbesondere in Übersee. So wurden auf dem Kongress zahlreiche Ergebnisse von CYTED, einem Programm zur Erforschung Lateinamerikas, vorgestellt.

Ehrungen für Sticher und Wagner

Präsident Bauer lobte das Engagement von Doktoranden und Assistenten, die in so großer Zahl nach Barcelona gekommen waren. Es sei eine der Hauptaufgaben der GA, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. So habe sie zu diesem Kongress Reisekostenzuschüsse in Höhe von über 13 000 Euro vergeben.

Das Pendant zur Förderung der Jugend ist die Ehrung verdienter Wissenschaftler. Aufgrund von Beschlüssen des GA-Vorstandes ernannte Bauer Professor Sticher zum Ehrenmitglied der GA und überreichte Professor Wagner den mit 5000 Euro dotierten Egon Stahl-Preis in Gold. Sticher erhielt die Auszeichnung sowohl für sein wissenschaftliches Werk als auch für sein Engagement in der GA, deren früherer Präsident er gewesen ist.

Wagner wurde sowohl für sein wissenschaftliches Lebenswerk ausgezeichnet, das in seinen Entwicklungsphasen manche Ähnlichkeit mit dem Stichers aufweist und die Wandlungen der traditionellen Pharmakognosie zur modernen Pharmazeutischen Biologie widerspiegelt. Wagner kann 800 Publikationen vorweisen, hat 109 Doktoranden promoviert und etwa hundert Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland (Humboldt-Stipendiaten u. a.) betreut.

Fortschritte der Arzneipflanzenforschung

In seiner Dankesrede skizzierte Wagner, welche Fortschritte die Arzneipflanzenforschung in den letzten Jahren gemacht hat:

  • Die High-Tech-Analyse des Drogenmaterials ermöglichte eine konstante Standardisierung der Extrakte und Zubereitungen und das Screening nach Substanzen mit bestimmten Wirkungen.
  • Biologische Assays haben die Wirkmechanismen vieler Arzneidrogen aufgeklärt, wobei die Polyvalenz und der Synergismus der einzelnen Wirkstoffe eine wichtige Rolle spielen.
  • Kontrollierte klinische Studien haben die Wirksamkeit vieler Phytopharmaka nachgewiesen und teilweise ihre Gleichwertigkeit mit Synthetika belegt.

Wagner meinte, dass ein Paradigmenwechsel in der Therapie indirekt die Phytotherapie fördern könnte: In vielen Bereichen habe sich ein Wechsel von der Monotherapie zur Multi-Target-Therapie vollzogen, z. B. bei AIDS oder bei der Chemotherapie von Krebs. Das heißt, dass fünf oder sechs Arzneistoffe mit unterschiedlichen Angriffspunkten eingesetzt werden, um eine Krankheit zu bekämpfen. Dies sei mit der Anwendung von Phytopharmaka zu vergleichen, die sich als Vielstoffgemische durch Polyvalenzen und Synergismen auszeichnen.

Ein ausführlicher Bericht über den 50. GA-Kongress folgt in einer späteren Ausgabe der DAZ.

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