Prisma

Acetylsalicylsäure als Ausgleich für das Rauchen?

Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure soll bei weiblichen Rauchern das Lungenkrebsrisiko um die Hälfte senken. Davon sind zumindest Wissenschaftler der New York School of Medicine seit der Auswertung ihrer in der Fachzeitschrift "British Journal of Cancer" veröffentlichten Studie überzeugt.

Die Studie lief über zwölf Jahre und basiert auf den Daten von 889 Raucherinnen und Nichtraucherinnen, von denen 81 im Studienzeitraum Lungenkrebs entwickelten. Bei der Aufnahme in die Studie wurden die Frauen unter anderem darüber befragt, ob sie regelmäßig Acetylsalicylsäure einnehmen oder über einen längeren Zeitraum eingenommen hatten. Die spätere Auswertung dieser Angaben erbrachte einen Zusammenhang mit dem Risiko für die Entwicklung von Lungenkrebs: Bei jenen Frauen, die dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten Acetylsalicylsäure eingenommen hatten, war das Lungenkrebsrisiko um mehr als ein Drittel reduziert.

Besonders wirksam erwies sich Acetylsalicylsäure laut dem Studienleiter P. Toniolo beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom, also einem Lungenkarzinom, das seinen Ursprung im Epithel der Bronchien hat und mit Tabakkonsum in Verbindung gebracht wird. Rauchten Frauen und konsumierten regelmäßig Acetylsalicylsäure, hatten sie im Vergleich zu Raucherinnen, die keine Acetylsalicylsäure einnahmen, ein um 61 Prozent niedrigeres Risiko diese Form des Lungenkrebs zu entwickeln.

"Vermutlich besitzt Acetylsalicylsäure eine entzündungshemmende Wirkung auf jenen Bestandteil im Tabakrauch, der eine Reizung und somit Lungenkrebs auslöst", vermutet Toniolo. Noch wisse man aber nicht, welcher Bestandteil dafür verantwortlich ist. "Acetylsalicylsäure könnte auch einen weiteren Zusatznutzen haben", spekuliert der Forscher. Es könnte den Zelltod, die Apoptose, beschleunigen. Die Geschwindigkeit der Apoptose sei gerade bei mutierten Zellen signifikant verringert.

Zur Prävention von Lungenkrebs empfiehlt Toniolo Raucherinnen die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure. Auch ehemalige Raucherinnen könnten seiner Ansicht nach davon profitieren. Kritiker sehen in diesen Empfehlungen allerdings einen Freibrief für das Rauchen und warnen vor vorschnellen Schlüssen. "Die Annahmen über die positive Wirkung von Acetylsalicylsäure sind zwar überzeugend, aber um die Ergebnisse zu verifizieren, müsste die Probandenzahl erhöht werden", so Leslie Walker von Cancer Research UK. pte/ral

Quelle: British Journal of Cancer 2002, Vol. 87, Nr. 1, S. 49 – 53

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