Arzneimittel und Therapie

Prostaglandin-Analoga senken erhöhten Augeninnendruck: Bimatoprost und Latanopr

Prostaglandin-Analoga erleichtern bei Glaukom den Kammerwasserabfluss und senken so den erhöhten Augeninnendruck. Travoprost (Travatan®) war nach Latanoprost (Xalatan®) die zweite Substanz dieser Klasse, die im November 2001 eingeführt wurde. Jetzt folgte im April 2002 noch Bimatoprost (Lumigan®). Wirkungen und Nebenwirkungen sind bei allen drei Präparaten vergleichbar.

Travoprost (Travatan®) und Bimatoprost (Lumigan®) sind zur Senkung des erhöhten Augeninnendrucks bei chronischem Offenwinkelglaukom und okulärer Hypertension indiziert, wenn Patienten auf eine Therapie der ersten Wahl nicht ausreichend ansprechen und/oder eine Therapie der ersten Wahl nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist. Beide Präparate können zur Monotherapie oder als Zusatzmedikation zu einem Beta-Rezeptorenblocker eingesetzt werden.

Ester-Prodrug Travoprost

Das Prostaglandin-F2a-Analogon Travoprost (Travatan®) ist ein hochselektiver voller Agonist mit hoher Affinität zum Prostaglandin-FP-Rezeptor. Der genaue Wirkungsmechanismus bei der Behandlung des Glaukoms ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich erhöht Travoprost wie andere topische Prostaglandin-Analoga den Kammerwasserabfluss über eine Verbesserung des uveoskleralen Abflusses.

Travoprost ist ein Ester-Prodrug. Es wird durch die Hornhaut absorbiert, wo der Isopropylester zur aktiven freien Säure hydrolysiert wird. Beim Menschen wird der intraokuläre Druck ungefähr 2 Stunden nach dem Eintropfen gesenkt, die maximale Wirkung ist nach 12 Stunden erreicht.

In klinischen Studien konnte Travatan 0,004% als Monotherapeutikum den Augeninnendruck um bis zu 33% senken. In einer weiteren, plazebokontrollierten, doppelblinden Studie mit 573 Patienten wurden Travoprost-Augentropfen (0,0015% und 0,004% einmal täglich) mit Timolol (0,5% zweimal täglich) verglichen. Die Patienten litten unter einem Offenwinkelglaukom oder okulärem Hochdruck. Travoprost senkte in einer Konzentration von 0,004% den Augeninnendruck stärker als Timolol. In einer weiteren randomisierten Studie mit 800 Patienten wurde Travoprost (0,0015% und 0,004%) mit Latanoprost (0,005%) und Timolol (0,5%) über einen Behandlungszeitraum von 12 Monaten verglichen. In dieser Studie senkte Travoprost den erhöhten Augeninnendruck vergleichbar gut oder besser als Latanoprost und besser als Timolol.

Bimatoprost: synthetisches Prostamid

Bimatoprost (Lumigan®) ist ein synthetisches Prostamid. Es weist zwar eine strukturelle Ähnlichkeit zu Prostaglandin F2a(PGF2a) auf, wirkt jedoch nicht über die bekannten Prostaglandinrezeptoren. Bimatoprost ahmt selektiv die Wirkungen von vor kurzem entdeckten körpereigenen Substanzen, so genannten Prostamiden, nach. Die Struktur des Prostamidrezeptors wurde jedoch noch nicht identifiziert. Wahrscheinlich erhöht Bimatoprost wie die Prostaglandine den Kammerwasserabfluss durch das trabekuläre Netzwerk und über uveosklerale Wege. Die Senkung des Augeninnendrucks beginnt ungefähr vier Stunden nach der ersten Anwendung und erreicht nach ungefähr 8 bis 12 Stunden eine maximale Wirkung.

Bimatoprost senkte in einer klinischen Studie über 12 Monate zur Monotherapie den morgendlichen Augeninnendruck gegenüber dem Ausgangswert um 7,9 bis 8,8 mmHg. Die Substanz kann auch zusätzlich zu Beta-Rezeptorenblockern angewendet werden. In einer Studie wurde Bimatoprost (0,03% einmal täglich) mit Latanoprost (0,005% zweimal täglich) verglichen. Wirkungen und Nebenwirkungen entsprechen denen anderer Prostaglandinanaloga. Dazu gehören eine Verfärbung der Iris und ein verstärktes Wachstum der Wimpern sowie eine Hyperämie der Bindehaut.

Einmal täglich abends

Die Drucksenkung hält bei beiden Arzneimitteln bei einmaliger Applikation mindestens 24 Stunden an. Die beste Wirkung wird erreicht, wenn das Präparat abends angewendet wird. Travatan® und Lumigan® können mit anderen drucksenkenden Medikamenten kombiniert werden. Ein zeitlicher Abstand zwischen den Applikationen von mindestens fünf Minuten ist allerdings einzuhalten.

Die Augenfarbe kann sich verändern

Travoprost und Bimatoprost können die Augenfarbe allmählich verändern, indem sie die Anzahl der Melanosomen (Pigmentgranula) der Melanozyten erhöhen. Vor Therapiebeginn sollten die Patienten auf diese Nebenwirkung hingewiesen werden. Einige dieser Veränderungen können bleibend sein und – wenn nur ein Auge behandelt wird – ein unterschiedliches Aussehen der Augen zur Folge haben.

Die Veränderung der Irispigmentierung erfolgt langsam und wird möglicherweise erst nach Monaten wahrnehmbar. Diese Veränderung der Augenfarbe trat vorwiegend bei Patienten mit gemischtfarbigen Iriden auf wie zum Beispiel blaubrauner, graubrauner, gelbbrauner und grünbrauner Irisfarbe, jedoch auch bei Patienten mit braunen Augen. Typischerweise breitet sich die braune Pigmentierung vom Bereich um die Pupille herum konzentrisch aus bis hin zur Peripherie des betroffenen Auges. Aber die Iris kann auch ganz oder teilweise brauner werden.

Auch die Haut um die Augen und/oder der Augenlider kann sich dunkel verfärben. Ebenso können sich allmählich die Augenwimpern der behandelten Augen verändern. Diese Veränderungen wurden bei etwa der Hälfte aller Patienten in den klinischen Studien beobachtet und umfassen eine Zunahme der Länge, der Dicke, der Pigmentierung und/oder der Anzahl der Wimpern. Außerdem können am Auge verschiedene andere Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören: Hyperämie der Bindehaut; Jucken, Brennen, Schmerzen und Tränen der Augen; Fremdkörpergefühl, Trockenheit der Augen, Lichtscheu, Sehstörungen und Verschlechterung der Sehschärfe.

Kastentext: Prostaglandin-Rezeptoren

Prostanoide wie Prostaglandine, Prostcycline und Thromboxane werden aus Arachidonsäure gebildet. Derzeit sind mehrere Typen natürlich vorkommender Prostaglandine bekannt (z. B. A, B, D, E und F), die nach der Anzahl ihrer Doppelbindungen in der Alpha- oder der Omega-Kette weiter unterteilt werden. Entsprechend ihrer bevorzugten Liganden werden auch die Rezeptoren klassifiziert (z. B. DP, EP, FP). Die meisten endogenen Prostaglandine sind jedoch nicht sehr spezifisch und binden an verschiedene Rezeptoren. Einige synthetische Derivate binden spezifischer.

Literatur

Fachinformationen zu Travatan® und Lumigan® Hellberg, M. R., et al: Preclinical efficacy of travoprost, a potent and selective FP prostaglandin receptor agonist. J. Ocul. Pharmacol. Ther. 17, 421 – 432 (2001). Goldberg, I., et al.: Comparison of topical travoprost eye drops given once daily and timolol 0,5% given twice daily in patients with open-angle glaucoma or ocular hypertension. J. Glaucom. 10, 414 – 422 (2001).

Prostaglandin-Analoga erleichtern bei Glaukom den Kammerwasserabfluss und senken so den Augeninnendruck. Travoprost (Travatan) war nach Latanoprost (Xalatan) die zweite Substanz dieser Klasse, die im November 2001 eingeführt wurde. Jetzt folgte im April 2002 Bimatoprost (Lumigan). Wirkungen und Nebenwirkungen sind bei allen drei Präparaten vergleichbar

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