Berichte

Brandenburg: Fortbildung zum Thema "Der ältere Patient"

Im landschaftlich reizvollen Norden des Landes Brandenburg fand vom 3. bis 5. Mai das diesjährige Fortbildungswochenende von Apothekerverband und Landesapothekerkammer Brandenburg statt. Mit dem Generalthema "Der ältere Patient" konnten über 100 Kolleginnen und Kollegen angeregt werden, der Einladung zu folgen. Um die Sinne der Teilnehmer nicht zu einseitig zu beanspruchen, begann das Fortbildungswochenende traditionell am Freitagnachmittag mit einem Kulturprogramm.

Rahmenprogramm

Bei angenehmem Wetter folgten wir zuerst der Parkführung am Rheinsberger Schloss. Die typische Achsenverteilung eines Schlossgartens wird durch den Grienericksee verhindert, dennoch sind asymmetrisch Haupt- und Nebenachsen geschaffen. Unverkennbar ist die Ähnlichkeit mit dem Park Sanssouci. Sowohl Friedrich II. als auch sein Bruder Heinrich lebten hier im Schloss und prägten das Bild Rheinsbergs. Während Friedrich selbst Flöte spielte, sorgte Heinrich dafür, dass die Musiker, Sänger und Schauspieler nach Rheinsberg kamen. Auf ihn geht auch die Errichtung des Schlosstheaters zurück, das seit 1997 wieder bespielt wird. Auch wir kamen in den Genuss eines kleinen Konzertes. Nach einer Bootsfahrt auf den noch märkischen Gewässern der Mecklenburger Seenplatte erreichten wir am Abend wieder das Hafendorf Kleinzerlang, in dem die eigentliche Veranstaltung stattfand.

Arzneimittelversand und Initiative pro Apotheke

Der Präsident der Landesapothekerkammer Dr. Jürgen Kögel eröffnete den fachlichen Teil. Im Hinblick auf das beherrschende Thema der Gesundheitspolitik im Arzneimittelbereich – den vom Runden Tisch am 22. April mehrheitlich befürworteten Versandhandel mit Arzneimitteln – zitierte Kögel aus Goethes Faust, II. Teil: "Und hat mit diesem kindisch-tollen Ding der Klugerfahrne sich beschäftigt, so ist fürwahr die Torheit nicht gering, die seiner sich am Schluss bemächtigt."

Von welcher Seite man das Vorhaben auch betrachtet, es finden sich zum Schluss keine vernünftigen Gründe, den Arzneimittelversand mit Vorteil für die Gemeinschaft der Versicherten, mit Vorteil für den Patienten einzuführen. Der jetzige Vertriebsweg für Medikamente funktioniert, er sollte nicht um eines vermeintlichen Fortschritts willen gefährdet, wenn nicht gar zerstört werden.

Die laufende Unterschriftenaktion "Initiative pro Apotheke" unterstreicht diese Tatsache eindrucksvoll. Patienten fragen unaufgefordert nach den Listen. Die Kollegen sollten sich bemühen, nicht wie geplant 100 Unterschriften pro Apotheke, also insgesamt zwei Millionen, sondern vielleicht 500, d. h. zusammen zehn Millionen und damit rund ein Fünftel aller Wähler zu erreichen, so Kögel. Mit dem Versandhandel sind womöglich der Fall der AMpreisV und damit des einheitlichen Arzneimittelpreises sowie die Zulassung von Fremd- und Mehrbesitz verbunden – und dies bei bestehender Niederlassungsfreiheit.

"Im Ergebnis entstünde eine völlig neue Arzneimitteldistribution, rein kommerziell ausgerüstet und gemanagt, von einer oder auch mehreren großen Ketten betrieben", folgerte Kögel. Es sei eine Illusion, dass eine einzelne Apotheke – mag sie auch noch so groß sein – gegen einen multinationalen Konzern auch nur die geringste Chance hätte.

Sollte der Versandhandel auf die Tagesordnung der politischen Entscheidung kommen, so müssen die zugesicherten Rahmenbedingungen eingefordert werden. Das wäre ohnehin ein Prozess, der Jahre in Anspruch nimmt, standespolitisches Engagement und Einigkeit verlangt und wo der Staat dann irgendwie an seine Fürsorgepflicht gegenüber den Apothekern und ihren 140 000 Mitarbeitern erinnert werden muss.

Hermann-Hager-Medaille für Dr. Kögel

Stephan Creuzburg, Vizepräsident der Landesapothekerkammer Brandenburg, setzte einen Beschluss und Herzenswunsch des Vorstandes um und zeichnete Kögel mit der Hermann-Hager-Medaille aus. In seiner Laudatio ließ Creuzburg die letzten zehn Jahre Kammerarbeit Revue passieren. Kögel war am 27. Februar 1992 zum Präsidenten gewählt und zweimal in diesem Amt bestätigt worden.

Das war für ihn vor allem im Anfang keine leichte, aber eine reizvolle Aufgabe, galt es doch, so manche Kollegen in den alten Bundesländern davon zu überzeugen, dass auch im Osten Deutschlands sehr wohl Mörser und Pistill bekannt waren und bestens beherrscht wurden, so Creuzburg. Detailkenntnisse zeichnen Kögel ebenso aus wie scharfes Denken und Weitsicht – Eigenschaften, die es nicht notwendig machen, Führungsanspruch zu erheischen oder auf Nebenschauplätzen erwerben zu wollen.

1964 legte er sein Abitur, 1969 das pharmazeutische Staatsexamen ab. Dank seiner besonders guten Leistungen hatte er sich für eine Hochschullaufbahn entschieden und promovierte 1974 unter Prof. Horsch mit einer Arbeit über "Dispersität von Arzneistoffen in Suspensionssalben" zum Dr. rer. nat. Er übernahm die Leitung des Infusionszentrums in Eilenburg.

Die Unmöglichkeit, der jungen Familie – Kögel war seit 1969 verheiratet und hatte zwei Kinder – in Eilenburg eine Wohnung zu verschaffen, ließ ihn das Angebot annehmen, im Kreis Belzig die freiwerdende Stelle eines Apothekenleiters und Kreisapothekers zu übernehmen. Die relativ hohe Kontinuität in unserem Beruf nach der Wende erleichterte sicher manches. Und so spricht es auch für Kögel, dass er sich, wie viele andere auch, zur Verfügung stellte, als es galt, neue Strukturen im Apothekenwesen in den östlichen Bundesländern mit Personal zu bestücken.

Zwei Eigenschaften hob Creuzburg besonders hervor: Kögel hat Visionen, aber nur solche, die realen Bezug haben – und er ist konfliktfähig, aber nur dann, wenn es der Sache dient. Sein Bemühen im Kampf um eine Neuorganisation der Stimmenverteilung in den ABDA-Gremien hatte Erfolg. Abschließend dankte Creuzburg Kögel für seine sachbezogene Zusammenarbeit und wünschte ihm noch eine hoffentlich lange Tätigkeit als Kammerpräsident in Harmonie und Zufriedenheit.

Arzneitherapie im Alter

Was ist Altern? Anhand von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen beschrieb Prof. Dr. Manfred Bergener, Bergisch-Gladbach, die Physiologie und Pathophysiologie von Alterungsprozessen. Um ein hohes Lebensalter bei möglichst guter Gesundheit zu erreichen, ist auf die qualitative und quantitative Ernährung, die geistige und körperliche Bewegung und auf eine positive Lebenseinstellung zu achten. Das Ziel ist nicht primär, die Lebensjahre zu erhöhen, sondern vielmehr, diese Jahre mit Leben zu erfüllen.

Das Altern ist ein mehrdimensionaler Prozess. So hat man im Alter von 75 Jahren einen 25%igen Gedächtnisschwund. Davon ist eine Hälfte psychologisch bedingt, die andere biologisch. Daraus ergeben sich die Möglichkeit und der Erfolg des Gedächtnistrainings. Während die Therapie des alternden Menschen von einem ganzheitlichen Ansatz ausgeht, werden die Medikamente oft nur zur symptomatischen Behandlung eingesetzt. Die Apotheke ist außerdem ein wichtiger sozialer Kontakt und Berater.

Prof. Dr. Dr. Ingolf Cascorbi, Greifswald, schilderte die besondere Pharmakokinetik und -dynamik im Alter im Zusammenhang mit verminderter Leber- und Nierenfunktion sowie Enzymmangel. Mit zunehmendem Alter ändern sich auch die Bindungskonstanten von Rezeptoren. Cascorbi empfahl mit ausgewählten Beispielen, unbedingt eine individuelle Anpassung der Dosierung vorzunehmen.

Osteoporose und Bisphosphonate

Osteoporose ist eine typische Erkrankung des Alters. Sie gehört zu den zehn wichtigsten Volkskrankheiten, etwa vier bis sechs Millionen Erkrankte gibt es in Deutschland. 40% der postmenopausalen Frauen erleiden eine osteoporotische Fraktur. Ursachen liegen in der Fehlernährung, Sturzneigung, fehlendem Sonnenlicht und der Niereninsuffizienz.

Die Therapie muss rechtzeitig beginnen. Solange die Trabekel noch intakt sind, kann der Knochen wieder aufgebaut werden. Ist dieses Gerüst erst einmal destruiert, ist der Vorgang nicht mehr reversibel, so Prof. Dr. Dr. Dr. Walter Schunack, Berlin. Die Basistherapie setzt sich aus 500 bis 1500 mg Ca/d, 1000 I.E. Vitamin D3 und einer entsprechenden Hormonsubstitution zusammen. Die Hormonsubstitution wurde zwar wegen des erhöhten Brustkrebsrisikos zurückgedrängt. Dafür stehen den Frauen aber jetzt die selektiven Östrogen-Rezeptormodulatoren zur Verfügung, die dieses Risiko reduzieren. Mit den Bisphosphonaten liegt eine neue Wirkstoffgruppe vor, die den Patienten schmerzhafte, invalidisierende, risikoreiche Knochenbrüche ersparen könnte. Mit einer (einmal) wöchentlichen Dosierung ist auch eine compliancefreudige Applikationsform geschaffen worden.

In einem engagierten, mit viel Zahlenmaterial unterlegten Statement wies Schunack darauf hin, dass bei entsprechender Therapie z. B. die Zahl der Oberschenkelhalsbrüche halbiert und die damit freigesetzten Beträge der Prävention zugeführt werden könnten. Es sei erschreckend, wie wenig aus "Kostengründen" die Bisphosphonate verordnet werden!

Diabetes Typ 2

Auch der Diabetes Typ 2 ist eine Erkrankung des Alters, nicht umsonst heißt er auch Altersdiabetes. Jede zweite Diagnose wird nach dem 65. Lebensjahr gestellt. In Deutschland gibt es etwa vier Millionen Diabetiker, die Dunkelziffer der nicht erkannten Erkrankungen ist fast ebenso hoch, sagte Prof. Dr. H. P. T. Ammon, Tübingen. Therapeutisches Ziel für den geriatrischen Typ-2-Diabetiker ist die Erhöhung der Lebensqualität bei der reduzierten Lebenserwartung. Eine Verminderung von mikro- und makrovaskulären Schäden durch Stoffwechselverbesserung scheint nicht realistisch zu sein.

Symptomfreiheit wird angestrebt – eine Normoglykämie stellt bereits ein Unterzuckerungsrisiko dar. Bei Risikopatienten sollen das Erblinden, die dialysepflichtige Niereninsuffizienz und das diabetische Fußsyndrom verhindert sowie eine antihypertensive Therapie geführt werden. Da diese Folgeerkrankungen auch sehr kostenintensiv sind, schloss Ammon mit der rhetorischen Empfehlung an die Politiker, die Krankenkassenbeiträge nach dem BMI zu berechnen.

Sozialrecht als Hürde oder Hilfe

Dr. Martin Rehborn, Dortmund, referierte über "Die medizinisch-pharmazeutische Versorgung der Menschen – Sozialrecht als Hürde oder Hilfe". Erfahren und kompetent führte der Jurist durch den Paragraphendschungel des SGB V. Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln, soweit diese verordnungsfähig und nicht ausgeschlossen sind. Verordnungsfähige Arzneimittel werden vom BMG zukünftig durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates gelistet. Diese Arzneimittel müssen für eine zweckmäßige, ausreichende und notwendige Behandlung geeignet sein.

Eine Anfechtungsklage gegen die Liste verordnungsfähiger Arzneimittel ist zulässig, hat aber keine aufschiebende Wirkung – d. h. bis zum Abschluss des Verfahrens bleibt die Liste in Kraft. Jedwedem Eingriff ist also per Gesetz vorgebeugt.

Doris Schmid-Sroka und Brigitte Hahn, Augsburg, stellten eine Studie zum Case Management in den Apotheken vor. Beim Case Management geht es um die erweiterte Beratungskompetenz der Apotheken gegenüber weitgehend hilflosen Patienten und ihren Angehörigen. Die Apotheke vermittelt ihnen Kontakte und Informationen. Sie bieten soziale Betreuung als Dienstleistung an.

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