Arzneimittel und Therapie

Postmenopausale Hormonersatztherapie: Lebensqualität älterer Frauen wird unt

In der Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study (HERS) bekamen ältere Frauen mit koronarer Herzkrankheit drei Jahre lang eine Östrogen-Gestagen-Therapie oder ein Plazebo. Mit der Hormongabe stieg die Lebensqualität der Frauen nicht generell. Nur Frauen mit typischen Wechseljahresbeschwerden profitierten; bei ihnen besserten sich geistige Gesundheit und depressive Symptome.

Nach allgemein üblicher Vorstellung wirkt eine postmenopausale Hormongabe günstig auf die Gesundheit älterer Frauen. Das kommt auch im Begriff "Hormonersatztherapie" zum Ausdruck, der den Ausgleich eines abnormen Hormonmangels suggeriert.

Lebensqualität noch wenig untersucht

Von einer langfristigen Hormongabe erhofft man sich unter anderem eine verbesserte Lebensqualität. Allerdings wurde bislang selten in randomisierten klinischen Studien untersucht, wie eine postmenopausale Hormontherapie die Lebensqualität beeinflusst. Besonders wenig weiß man über Lebensqualitäts-Effekte der Hormone, wenn sie nicht zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden, sondern zur Krankheitsprävention (z. B. Primär- oder Sekundärprävention von Osteoporose oder koronarer Herzkrankheit) eingesetzt werden.

In der Heart and Estrogen/Progestin Replacement Study (HERS) wurde die Wirkung einer postmenopausalen Hormontherapie in der Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen untersucht. Zusätzlich wurde die Wirkung der Östrogen-Gestagen-Gabe auf die Lebensqualität überprüft. Die kardiovaskulären Ergebnisse wurden bereits veröffentlicht; das Risiko eines nicht tödlichen Herzinfarktes oder eines Koronartodes war unter der Hormontherapie nicht reduziert. Jetzt wurden die Lebensqualitäts-Ergebnisse publiziert.

KHK-Patientinnen unter 80 Jahre

An HERS konnten postmenopausale Frauen unter 80 Jahren teilnehmen, die bereits eine koronare Herzkrankheit hatten. Ausschlusskriterien waren:

  • Herzinfarkt oder koronare Revaskularisation
  • in den vergangenen sechs Monaten Gebärmutter entfernt
  • Hormontherapie in den vergangenen drei Monaten
  • Kontraindikationen gegen eine Hormontherapie.

Die randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie fand an 20 Zentren in den USA statt. Die Teilnehmerinnen bekamen randomisiert zur täglichen Einnahme entweder 0,625 mg konjugierte Östrogene plus 2,5 mg Medroxyprogesteronacetat oder ein Plazebo.

Lebensqualität in vier Bereichen

Zu Beginn sowie nach vier Monaten, einem, zwei und drei Jahren Behandlung stuften sie ihre Lebensqualität in vier Bereichen ein:

  • Körperliche Aktivität nach dem Duke Activity Status Index: Punktwert 0 bis bestenfalls 58,2
  • Vitalität (Energie/Müdigkeit) auf der RAND-Skala: Punktwert 0 bis bestenfalls 100
  • Geistige Gesundheit (Angst, Depression) mit dem RAND Mental Health Inventory: Punktwert 0 bis bestenfalls 100
  • Depressive Symptome mit der Screeningskala von Burnam: Punktwert 4 bis bestenfalls – 8,2

2763 postmenopausale Frauen nahmen an der Studie teil, 1380 in der Hormon- und 1383 in der Plazebogruppe. Das mittlere Alter der Teilnehmerinnen betrug zu Beginn 67 Jahre. In einer Intention-to-treat-Analyse wurde die Selbsteinschätzung der Lebensqualität nach drei Behandlungsjahren zwischen Hormon- und Plazebogruppe verglichen.

Die Frauen befanden sich in ihrer Einstufungen der Lebensqualität zunächst in einem alterstypischen Bereich. Während der dreijährigen Behandlung mit Hormonen oder Plazebo nahmen die körperliche Aktivität, die Vitalität (beide um durchschnittlich 3,8) und die geistige Gesundheit (um durchschnittlich 0,6) signifikant ab. Depressive Symptome veränderten sich nicht signifikant.

Vor- und Nachteile durch Hormone

Bei Frauen, die Hormone einnahmen, verringerte sich die körperliche Aktivität signifikant schneller als bei Frauen mit Plazebo. Die Vitalität nahm tendenziell schneller ab. Die geistige Gesundheit ging in beiden Gruppen gleich langsam zurück. Dagegen konnte bei Hormon-Einnehmerinnen ein schnellerer Rückgang depressiver Symptome als bei Plazebo-Einnehmerinnen beobachtet werden.

Nur Frauen mit Hitzewallungen profitierten

Die Wirkung der Hormontherapie unterschied sich zwischen Patientinnen, die zu Beginn an Hitzegefühl litten (84%), und solchen, die nicht daran litten (16%): Frauen mit Hitzegefühl (und generell schlechterer Lebensqualität) verbesserten mit Hormonen ihre geistige Gesundheit und ihre depressiven Symptome stärker als unter Plazebo. Körperliche Aktivität und Vitalität blieben unbeeinflusst. Dagegen erlitten Frauen ohne Hitzegefühl mit Hormonen stärkere Einbußen an körperlicher Aktivität und Vitalität als mit Plazebo. Geistige Gesundheit und depressive Symptome waren unbeeinflusst.

Frauen in höherem Alter, mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schmerzen in der Brust oder Herzinsuffizienz stuften ihre Lebensqualität niedriger ein als die übrigen Frauen. Diese Faktoren beeinflussten die Lebensqualität viel mehr als die Hormontherapie.

Fazit

Demnach hatte die postmenopausale Hormontherapie bei älteren Frauen mit koronarer Herzkrankheit unterschiedliche Wirkungen auf die Lebensqualität: Frauen mit Hitzewallungen (Wechseljahresbeschwerden) profitierten im emotionalen Bereich von der Hormontherapie, während Frauen ohne Hitzewallungen in den Bereichen körperlicher Aktivität und Vitalität mit der Hormongabe stärkere Verluste erlitten als ohne Hormone.

Die Studie stellt die weit verbreitete Ansicht in Frage, dass eine postmenopausale Hormontherapie Frauen aktiv und kraftvoll bleiben lässt. Allerdings beschränkte sich die Studie auf eine einzige (die in den USA bei Frauen mit intakter Gebärmutter am häufigsten verwendete) Form der Hormontherapie: die oral eingenommene Kombination aus konjugierten Östrogenen und Medroxyprogesteronacetat. Unklar ist, wie Hormone bei jüngeren postmenopausalen Frauen ohne koronare Herzkrankheit die Lebensqualität beeinflussen.

Literatur

Hlatky, M. A., et al.: Quality-of-life and depressive symptoms in postmenopausal women after receiving hormone therapy. JAMA 287, 591 – 597 (2002). Rexrode, K. M, J. A. Manson: Postmenopausal hormone therapy and quality of life. JAMA 287, 641 – 642 (2002).

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