Arzneimittel und Therapie

Analgetika: Naproxen – lange wirksam bei mäßig starken Schmerzen

Im März 2002 wurde das nichtsteroidale Antiphlogistikum Naproxen aus der Rezeptpflicht entlassen und steht jetzt unter dem Warenzeichen Aleve® für die Selbstmedikation zur Verfügung. Naproxen eignet sich zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und Fieber. Das Natriumsalz ist schnell löslich, die Wirkung tritt rasch ein, und die Wirkdauer ist mit bis zu 12 Stunden relativ lang.

In Deutschland standen bisher zur Selbstmedikation von leichten bis mittelstarken Schmerzen die fünf Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol, Propyphenazon und Phenazon zur Verfügung. Jetzt kommt Naproxen-Natrium hinzu, das in den USA seit 1994 als nicht verschreibungspflichtiges Analgetikum auf dem Markt ist. Naproxen-Natrium wurde in Deutschland im April 1999 eingeführt und unterlag seitdem der Rezeptpflicht.

Bei kurzzeitigen schmerzhaften Zuständen ist Naproxen-Natrium ebenso wirksam wie Vergleichssubstanzen, zum Beispiel Ibuprofen und Paracetamol. Bei länger anhaltenden Schmerzen hat Naproxen-Natrium auf Grund seiner längeren Wirkdauer Vorteile, da es seltener eingenommen werden muss.

Enantiomerenreines Präparat

Die 2-Arylpropionsäure Naproxen [(+)-(6-Methoxy-2-naphthyl)propionsäure] ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum mit antipyretischen, analgetischen und antiphlogistischen Eigenschaften. Naproxen besitzt ein asymmetrisches Kohlenstoff-Atom und ist daher optisch aktiv. Die im Handel befindlichen Formulierungen enthalten nur das wirksame S-Enantiomer. Das R-Enantiomer ist weitgehend inaktiv.

Enantiomerenreine Präparate haben mehrere Vorteile: Der Organismus wird nicht überflüssig belastet, und die Pharmakokinetik ist vorhersehbar. So wird bei Ibuprofen, das als Razemat eingesetzt wird, die Eliminationshalbwertszeit durch das R-Enantiomer des Razemats verlängert, denn aus R-Ibuprofen entsteht im Organismus zu etwa 50 bis 90 Prozent S-Ibuprofen, das aus dem Plasma mit einer Halbwertszeit von etwa zwei Stunden eliminiert wird. Im Gegensatz zum Razemat Ibuprofen wird S-Naproxen weder invertiert noch ins Fettgewebe eingelagert.

Hemmung der Cyclooxygenase

Naproxen wirkt wie andere nichtsteroidale Antirheumatika über eine Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase. Die Cyclooxygenase überführt in einer oxidativen Biotransformation die endogene Arachidonsäure in die Eicosanoide, von denen die Prostaglandine die Sensitivität von peripheren Schmerzrezeptoren erhöhen. Unterbindet man die Umwandlung von Arachidonsäure zu den Prostaglandinen, so kann die Schmerzempfindlichkeit erniedrigt werden. Von der Cyclooxygenase sind zwei Isoformen bekannt, COX-1 und COX-2. Naproxen hemmt beide Isoformen.

Gute Löslichkeit

Naproxen-Natrium ist im Magensaft besser löslich als Naproxen-Säure und wird deshalb schneller absorbiert: Signifikante, analgetisch wirksame Plasmakonzentrationen lassen sich innerhalb von 20 bis 30 Minuten, maximale Werte innerhalb einer Stunde nach oraler Gabe registrieren. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 12 bis 15 h, und die analgetische Wirkung hält bis zu 12 h an. Naproxen-Natrium eignet sich wegen dieser langen Wirkdauer besonders zur Behandlung länger anhaltenden Schmerzen.

Günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis

Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Naproxen-Natrium ist ebenso günstig wie das von Ibuprofen und günstiger als das von Acetylsalicylsäure und Paracetamol. Inzwischen haben weltweit über 200 Millionen Patienten Aleve® in der Selbstmedikation und etwa 8000 Patienten im Rahmen von klinischen Studien eingenommen. Die dabei auftretenden Nebenwirkungen waren nach Art und Häufigkeit mit denen von Ibuprofen vergleichbar. Im Vergleich zu ASS ist das messbare Blutungsrisiko geringer. Häufige unerwünschte Wirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, wie Übelkeit, Sodbrennen und Magenschmerzen, sowie zentralnervöse Störungen, wie Kopfschmerzen und Schwindel. Gastrointestinale Ulzera zählen zu den seltenen Nebenwirkungen. Naproxen-Natrium hat kein Missbrauchspotenzial und ist auch bei Überdosierung sicher – im Gegensatz zu ASS und Paracetamol.

Für Naproxen-Natrium gelten prinzipiell die Gegenanzeigen aller NSAR: bekannte Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, ungeklärte Blutbildungsstörungen, Magen- und Darmgeschwüre sowie Schwangerschaft im dritten Trimenon (Gefahr eines vorzeitigen Schlusses des Ductus ateriosus Botalli sowie Verminderung der Wehentätigkeit). Bei Magen-Darm-Beschwerden, Hypertonie, Herzinsuffizienz, Nieren- und Leberschäden und nach größeren chirurgischen Eingriffen ist eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung der Einnahme erforderlich. Wegen des zu hohen Wirkstoffgehalts dürfen Kinder unter zwölf Jahren Aleve nicht einnehmen.

Klinische Wirksamkeit

In einem klinischen Schmerzmodell wurde Naproxen-Natrium 220 mg mit Ibuprofen 200 mg plazebokontrolliert verglichen. Bezüglich der Schmerzlinderung waren beide Analgetika dem Plazebo klar überlegen, Naproxen-Natrium zeigte Überlegenheit gegenüber Ibuprofen, die nach 12 Stunden statistisch signifikant war. In einer ähnlich angelegten Studie mit jeweils der doppelten analgetischen Dosis war Naproxen-Natrium in der analgetischen Wirkung schon nach 8 Stunden bis zum Ende der Messungen Ibuprofen überlegen.

Ein Vergleich der analgetischen Effektivität von 440 mg Naproxen-Natrium mit 1000 mg Paracetamol zeigte einen Vorteil von Naproxen-Natrium bei der analgetischen Potenz und auch bei der längeren Wirkdauer. Eine neuere Untersuchung, in der 440 mg Naproxen-Natrium mit 1300 mg einer Retardformulierung von Paracetamol verglichen wurde, konnte sowohl für das Ausmaß der Schmerzlinderung als auch für die Zeit bis zum Verlangen einer Remedikation eine Überlegenheit von Naproxen-Natrium demonstrieren.

Kastentext: Naproxen-Natrium – Tipps zur Einnahme

Aleve® ist indiziert zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und Fieber. Eine Tablette enthält 220 mg Naproxen-Natrium, das entspricht 200 mg Naproxen. Wenn die Tablette 30 Minuten vor dem Essen genommen wird, kann der Wirkstoff schneller anfluten, bei einer Einnahme mit dem Essen ist er besser verträglich. Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren nehmen als Einzeldosis in der Regel eine Tablette und gegebenenfalls nach acht bis zwölf Stunden eine weitere Einzeldosis. Die maximale Tagesdosis liegt bei drei Tabletten. Ältere Patienten sollten nicht mehr als zwei Tabletten pro Tag einnehmen, verteilt auf zwei Einzeldosen. Patienten sollten das Präparat ohne ärztlichen Rat nicht länger als vier Tage anwenden.

Quelle

Prof. Dr. Kay Brune, Erlangen; Prof. Dr. Gerd Dannhardt, Mainz; Priv.-Doz. Dr. Burkhard Hinz, Erlangen; Prof. Dr. Petra Högger, Würzburg; Dr. med. M. Ribbat, Itzehoe; Dr. Anja Langeneckert, Kaiseraugst; Kolloquium "Pharmakologie und klinische Anwendung von Naproxen-Natrium 220 mg (Aleve®) als OTC-Analgetikum", Kronberg/Taunus, 1. Mai 2002, veranstaltet von Roche Consumer Health, Eppstein-Bremthal.

Der Wirkstoff Miltefosin hat zur Behandlung der viszeralen Leishmaniose den Orphan Drug Status der europäischen Gesundheitsbehörde erhalten, wie Zentaris mitteilte. Mit Miltefosin, dem ersten oral wirksamen Medikament zur Behandlung der lebensbedrohenden Krankheit, ist es in klinischen Studien der Phase III gelungen, auch Patienten zu heilen, bei denen vorangegangene Therapien aufgrund vielfach bestehender Resistenzen wirkungslos blieben.  

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