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Allensbach-Studie: Phytos weiter auf Vormarsch

BONN (im). Phytopharmaka sind weiterhin "in". 73 Prozent der Bevölkerung in den alten und 64 Prozent in den neuen Bundesländern verwenden Naturheilmittel, das ist ein deutliches Plus gemessen an der Situation von 1997. Angesichts des hohen Stellenwerts dieser Präparate müsste die Forschung an spezialisierten Lehrstühlen für Naturheilmittel intensiviert werden, forderte Professor Elisabeth Noelle-Neumann, Direktorin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Vorstellung der jüngsten Studie ihres Hauses am 16. April in Bonn.

Wege zu Phytos

Befragt, wie sie zum Kauf eines Phytopharmakons gekommen seien, antwortete jeder zweite mit dem Hinweis auf "gute Bekannte", ergab die Studie, bei der 2172 Erwachsene über 16 Jahre befragt wurden. 23 Prozent der Teilnehmer hatten eine Empfehlung eines Apothekers erhalten, 27 Prozent die eines Arztes. Da dies erstmals abgefragt wurde, fehlen Vergleichswerte von 1997.

Die früher verbreitete Neigung, auch schon bei leichteren Befindlichkeitsstörungen einen Mediziner aufzusuchen, sei weiter rückläufig. Die Ansicht, man brauche deswegen nicht in die Arztpraxis zu gehen, die 1978 erst 44 Prozent der Bevölkerung vertraten, teilten inzwischen fast zwei Drittel der Bevölkerung, sagte Projektleiter Dr. Rüdiger Schulz bei der Vorstellung der Studie, die im Auftrag des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) erstellt wurde.

Selbstmedikation wächst

Naturheilmittel hätten vom Trend zur Selbstmedikation stark profitiert. Deutlich mehr als die Hälfte (62 Prozent) der Befragten hatten demnach in letzter Zeit selbst gekaufte Präparate eingenommen, 22 Prozent hatten Phytos verschrieben bekommen, 17 Prozent gaben an, die Mittel waren teil selbst gekauft, teils verordnet. Bei den aus eigener Tasche bezahlten Präparaten basierten 14 Prozent der Fälle auf einer Empfehlung eines Apothekers, die meisten Befragten kauften Naturheilmittel aus eigener Initiative (43 Prozent).

Die Hitliste

Wie das Allensbacher Institut, das fachlich durch die Gesellschaft für Phytotherapie beraten wurde, weiter herausfand, haben Phytopharmaka vor allem bei Erkältung (69 Prozent) geholfen. Oben auf der Hitliste der Erfolge (Basis: alte Bundesländer) steht zudem der Einsatz gegen Schlaflosigkeit (27 Prozent) vor gastrointestinalen Beschwerden (26 Prozent) oder Kopfschmerzen (24 Prozent). Viele berichteten demnach auch über Erfolge bei Nervosität (21 Prozent), Kreislaufstörungen (19 Prozent) oder Bronchitis (18 Prozent).

Phytopharmaka kommen eine große Bedeutung bei der Prävention zu. Von allen Erwachsenen, die Medikamente zur Vorbeugung einnehmen, verwenden 38 Prozent ausschließlich und weitere 41 Prozent unter anderem auch Naturheilmittel.

Erstattungsfähigkeit wichtig

Trotz der offenbar großen Bereitschaft zum Selbstkauf dieser Präparate bestehen die meisten (71 Prozent) der gesetzlich Versicherten darauf, dass Phytopharmaka grundsätzlich erstattungsfähig bleiben.

In diesem Zusammenhang warnte Dr. Bernd Eberwein vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller vor weiteren Einschnitten in diesem Sektor des Arzneimittelbereichs. Besonders Phytopharmaka hätten in den letzten Jahren unter gesundheitspolitischen Maßnahmen der Politik und Krankenkassen gelitten, da in der Folge Ärzte pflanzliche Arzneimittel eher für verzichtbar hielten als chemisch-synthetische Präparate bei vitalen Indikationen.

Eberwein appellierte an die Politik, konkret bei der künftigen Positivliste für Arzneimittel Ärzten und Patienten zu verdeutlichen, dass die formale Trennung in einen Hauptteil und Anhang (für die besonderen Therapierichtungen) keinen Qualitätsunterschied bedeute.

Mediziner könnten auch Phytopharmaka aus dem Anhang gleichberechtigt zu den Präparaten des Hauptteils verordnen. Patienten dürften in Zukunft nicht so verunsichert werden, dass sie nur deswegen Phytopharmaka nicht aus der eigenen Tasche zahlten, weil diese Präparate nicht in der als "Positivliste" titulierten Liste der erstattungsfähigen Medikamente auftauchten.

Kastentext: Schub für Phyto-Forschung

Einen Lehrstuhl "Wirkstoffforschung mit dem Schwerpunkt Prävention", bei dem besonders Pflanzeninhaltsstoffe erforscht werden sollen, hat der in Bonn ansässige Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) auf Initiative des sächsischen Wissenschaftsministeriums gestiftet.

An der medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden werden Arzneipflanzen und Pflanzeninhaltsstoffe, Vitamine und Mineralstoffe künftig Schwerpunkt der Forschung sein. Die Förderung geschehe gerade mit Blick auf die Prävention. Nach Angaben des BAH-Geschäftsführers Dr. Bernd Eberwein läuft das Berufungsverfahren derzeit noch. Zuvor hatte die Direktorin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Professor Elisabeth Noelle-Neumann, das Gebiet der Naturheilmittel als völlig unterschätzt bezeichnet. Bisher gebe es nur den einen von Veronika und Karl Carstens unterstützten Lehrstuhl an der Freien Universität in Berlin. Angesichts der hohen Akzeptanz etwa von Phytopharmaka in der Bevölkerung müsste es mehr Lehrstühle in diesem Bereich geben, sagte Professor Elisabeth Noelle-Neumann am 16. April in Bonn. Zunehmend trügen Ärzte dem vorhandenen Stellenwert pflanzlicher Präparate durch Zusatzausbildungen zum Beispiel als "Ärzte für Naturheilkunde" Rechnung. im

Phytopharmaka sind weiterhin "in". 73 Prozent der Bevölkerung in den alten und 64 Prozent in den neuen Bundesländern verwenden Naturheilmittel, das ist ein deutliches Plus gemessen an der Situation von 1997. Angesichts des hohen Stellenwerts dieser Präparate müsste die Forschung an spezialisierten Lehrstühlen für Naturheilmittel intensiviert werden, forderte Professor Elisabeth Noelle-Neumann, Direktorin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Vorstellung der jüngsten Studie ihres Hauses am 16. April in Bonn.

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