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Atropin: Alternative zum Pflaster bei Schwachsichtigkeit

Einer Studie zufolge lässt sich Schwachsichtigkeit (Amblyopie) mit Atropin-Augentropfen genauso erfolgreich behandeln wie durch Abkleben des sehtüchtigen Auges mit einem Pflaster. Dies berichten Wissenschaftler der Johns Hopkins Universität in der Fachzeitschrift "Archives of Ophthalmology".

Amblyopie entwickelt sich im frühen Kindesalter und entsteht unter anderem durch Schielen oder Trübung von Linse oder Hornhaut. Sie betrifft etwa 6,5 Prozent der Bevölkerung und ist eine häufige Ursache für einen späteren vollständigen Verlust der Sehkraft.

Eine Therapie sollte möglichst vor dem achten Lebensjahr beginnen. Üblicherweise wird die Amblyopie dadurch korrigiert, dass das funktionstüchtige Auge über einen längeren Zeitraum hinweg mithilfe eines Pflasters abgeklebt wird. Das schwache Auge soll dadurch trainiert und gestärkt werden.

Wie aus der nun veröffentlichten Studie hervorgeht, könnten Augentropfen eine sinnvolle Alternative zu dieser langwierigen und für die Kinder belastenden Behandlung sein. Untersucht wurde der Effekt von Atropin-Augentropfen versus Pflaster bei mehr als 400 Kindern.

Das Ergebnis sprach für die Tropfen: Obwohl das Abkleben des Auges etwas schneller zum Erfolg führte und die Erfolgsrate ein wenig höher lag (79 Prozent gegenüber 74 Prozent), bewerteten die Studiendurchführenden die Tropfenbehandlung als ebenbürtig. Die Unterschiede seien nicht signifikant. Da die Augentropfen sowohl von den Kindern als auch von deren Eltern wesentlich besser angenommen wurden, fordern die Mediziner ihre Kollegen auf, häufiger auf das Pflaster zu verzichten und stattdessen mit den Tropfen zu behandeln. Für den Erfolg einer Therapie sei die Compliance der kleinen Patienten schließlich entscheidend. ral

Quelle: Archives of Ophthalmology 2002, Vol. 120, Nr. 3

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