Kommentar

Der Ruin der Kassen?

15,5 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen entfallen auf die Arzneimittel. Diese 15,5 Prozent werden von den Krankenkassen und gewissen Gesundheitspolitikern so dargestellt, als seien sie der Ruin der Krankenkassen, als seien sie schuld an der Finanzmisere der GKV. Welche Mühen verwenden Heerscharen von Gesundheitspolitikern, Gesundheitsexperten und Gremien, um diesen Ausgabenposten mit allen nur erdenklichen zu drücken!

Budgetvereinbarungen, Sparpakete, Festbeträge, Aut-idem-Regelung, Importverträge, Kassenrabatte, bald vielleicht auch noch Positivliste, Versandapotheken, Preisfreigabe und Kettenapotheken sollen dafür sorgen, dass die Ausgaben für eine der effektivsten Therapieformen, der Arzneimitteltherapie unter 15 Prozent gehen. Moment mal, wer spricht eigentlich über die "restlichen" 85 Prozent der Ausgaben, zu denen u. a. die Krankenhauskosten und die ständig steigenden Verwaltungskosten der Kassen gehören?

Verrückte Welt. Zu den Irrwegen der Kassen gehört der Kinderglaube, Vertriebskosten mit Versandapotheken "in den Griff zu bekommen", wie es der Chef der Betriebskrankenkassen, Wolfgang Schmeinck formuliert. Da müsste er schon offen sagen, dass er Rosinenpickerei will und zweierlei Apotheken, solche, die alles vorrätig halten und alle Dienstleistungen erbringen, und solche, die nur die hochpreisigen Arzneimittel verschicken. Doch das wird nicht funktionieren. Die Vollsortiment- und Dienstleistungs-Apotheken werden das nicht aushalten können: Apotheken sterben.

Schon heute geht die Zahl der Apotheken zurück, wie aktuelle Zahlen zeigen. Mitte 2002 gab es rund 70 Apotheken weniger als zwei Jahre zuvor. Gründe dafür sind stetige Kostensteigerungen durch gesetzliche Maßnahmen bei sinkenden Margen und weniger Neugründungen wegen zu großem Risiko. Gewollt? Wer das Glück hat in der Stadt zu wohnen, kann direkt in eine Apotheke gehen, wer außerhalb wohnt, wird per Briefträger seine Arzneimittel von der Versandapotheke beziehen müssen, ein "Service", den Krankenkassen ihren Mitgliedern gerne zumuten möchten. Wann endlich geht man die anderen Ausgabenposten der Kassen an? Wann endlich spart man an der Verwaltung?

Peter Ditzel

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