Kommentar

Bundesverband der Deutschen Versandapotheker: Schweizer Versandapotheke will Mod

Berlin (ks). Der Bundesverband der Deutschen VersandapothekerInnen (BVDVA) rührt die Werbetrommel für die Einführung des Arzneimittelversandhandels in Deutschland: In der zweiten Julihälfte tourte der Verbandsvorsitzende Dr. Thomas Kerckhoff durch sechs deutsche Städte und präsentierte Medienvertretern die Funktionsweise der Schweizer Versandapotheke "MediService". Ziel des Verbandes ist es, das hierzulande bestehende Versorgungssystem durch qualitätsgesicherte Versandapotheken zu ergänzen.

Kerckhoff, der die MediService AG in Deutschland repräsentiert, will interessierte deutsche Apotheker an den Schweizer Erfahrungen mit Versandapotheken teilhaben lassen. Die gegenwärtige Informationskampagne soll zudem ein Gegengewicht zur "Initiative Pro Apotheke" der ABDA bilden: Nicht alle Apotheker könnten sich mit der Aktion ihrer Standesvertretung identifizieren, so auch die beiden BVDVA-Mitglieder Thomas Anthes (Pelikan Apotheke, Bremerhaven) und Thomas Spielberger (Pelikan Apotheke, Berlin), die Kerckhoff beim Berliner Pressetermin am 24. Juli zur Seite standen. Sie erklärten ihre Verbandsaktivitäten damit, auf etwaige Gesetzesänderungen vorbereitet sein zu wollen.

Abgrenzung zur Internet-Apotheke

Kerckhoff machte deutlich, dass es dem BVDVA nicht um die Etablierung von Internet-Apotheken gehe. Bei MediService bestelle man gerade nicht per Maus-Click, sondern der Besteller müsse sein Rezept einschicken. Die Auslieferung der Arzneimittel erfolge sodann portofrei per Post. Spezielle Kühlboxen stellten dabei sicher, dass auch thermolabile Arzneimittel unbeschadet beim Patienten ankommen. Die Päckchen von MediService sind zudem mit dem Hinweis versehen, dass sie nur an den Haushalt des Empfängers bzw. von diesem bevollmächtige Personen ausgeliefert werden dürfen. Die pharmazeutische Beratung werde durch ein rund um die Uhr besetztes Call-Center gewährleistet. Neben dem Angebot des Arzneimittelversands sei MediService aber auch eine normale öffentliche Apotheke mit Laufkundschaft. Dass sie das volle Sortiment biete, sei ohnehin selbstverständlich, so Kerckhoff.

Keine Einsparungen durch bloße Zulassung des Versandhandels

In der Schweiz haben Versandapotheken einen Marktanteil am Umsatz von unter einem Prozent. Für Deutschland schätzt Kerckhoff den potenziellen Anteil allerdings auf 10 bis 15 Prozent ein. Aufgrund des anderen Preisbildungssystems in den eidgenössischen Apotheken, das keine Fest- sondern Höchstpreise vorsieht, könnten die Arzneimittel bei MediService preisgünstiger angeboten werden als bei der Konkurrenz. So würden spezielle Hersteller- und Großhandelsrabatte ausgehandelt, welche an die Krankenkassen weitergeleitet werden. "Eine Art modifizierter Kassenrabatt wie man ihn in Deutschland auch kennt", erklärte Kerckhoff. Als Anreiz für die Patienten winke eine Rückerstattung von 50 Franken, wenn in einem Jahr für mehr als 450 Franken bestellt wurde. Kerckhoff räumte ein, dass etwaige Einsparpotenziale für die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland nicht in der Versandapotheke selbst, sondern vielmehr in einer veränderten Preisbildung liegen.

ABDA-Vorschläge "unrealistisch"

Die "Initiative Pro Apotheke" hält der BVDVA-Vorsitzende für unzeitgemäß: Schon jetzt würden in Deutschland täglich 200.000 Medikamentenauslieferungen stattfinden, sei es durch Botengänge oder Belieferungen von Altenheimen oder Justizvollzugsanstalten. Dies geschehe zumeist durch pharmazeutisch nicht ausgebildetes Personal. Der ABDA-Vorschlag, Lieferungen durch pharmazeutisches Personal auszuweiten, sei unrealistisch, denn keine Apotheke würde täglich eine Stunde auf eine Approbierte oder eine PTA verzichten wollen, nur damit diese die Auslieferungen vornehmen könne.

BVDVA-Mitglieder sehen sich unabhängig von MediService

Nachdem Kerckhoff fast eineinhalb Stunden die Strukturen der MediSevice AG vorgestellt hatte, erklärten die BVDVA-Mitglieder Spielberger und Anthes, dass es nicht ihre Absicht sei, Repräsentanten der Schweizer Versandapotheke in Deutschland zu werden. Ihnen schwebt vielmehr ein deutschlandweiter Zusammenschluss einzelner öffentlicher Apotheken vor, die eine gemeinsame Versandlogistik und Beratungs-Hotline unterhalten. Bei dem Verband handle es sich um eine reine Interessengemeinschaft, an der auch die Schweizer Versandapotheke teilhabe, ohne jedoch zu dominieren, erklärten die Apotheker. Bislang besteht der BVDVA noch immer aus seinen sieben Gründungsmitgliedern. An Interessenten und Anmeldungen mangle es nicht, erklärte Kerckhoff - allerdings ließen sich einige Apotheker wohl davon abschrecken, dass eine Aufnahmegebühr von 7.500 Euro zu zahlen sei und man sich zudem mit einer öffentliche Nennung einverstanden erklären müsse.

Weitere Informationen zum BVDVA finden Sie im Internet unter www.bvdva.de.

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