Kommentar

Bundesverband der pharmazeutischen Industrie: Versandhandel - so nicht

Berlin (im). Mittelständische pharmazeutische Unternehmen lehnen Versandhandel mit Arzneimitteln ab. "In der jetzigen Situation kommt ein Versandhandel für uns nicht in Frage", erklärte der Vorsitzende ihrer Interessensvertretung, des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Bernd Wegener. Wegener machte auf der BPI-Hauptversammlung am 4. Juni in Berlin deutlich, als Voraussetzung müssten zunächst faire Wettbewerbschancen für alle geschaffen werden, wobei er hier explizit die Offizin-Apotheker erwähnte.

Solange der Arzneimittelmarkt und der -vertrieb in Europa nicht harmonisiert, sondern national völlig unterschiedlich seien, könne der Versandhandel mit Medikamenten kein Thema sein. Es gehe nicht an, Arzneimittelhändler im Ausland zu ermächtigen, zum Beispiel unterschiedliche Mehrwertsteuersätze auszunutzen, um einige stark nachgefragte Präparate ("Schnelldreher") ohne Wertschöpfung in Deutschland verkaufen zu dürfen. Einsparungen dadurch stünden in keinem Verhältnis zu den Steuerausfällen und dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen in unserem Land. Nach Worten von Wegener hat sein Verband beim "Runden Tisch" vor übertriebenem Aktionismus gewarnt und auf den "immensen Regelungs- und Harmonisierungsbedarf" auf europäischer Ebene hingewiesen. Vor einer grundsätzlichen Entscheidung über die Einführung des Internethandels müssten erst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Wegener forderte in Berlin unter anderem die Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für Arzneimittel als einen Schritt zu mehr Harmonisierung in Europa. Scharf kritisierte er die Politik der rotgrünen Bundesregierung als mittelstandsfeindlich und forderte verlässliche Rahmenbedingungen für die Pharma-Branche.

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