Kommentar

Klaus Theo Schröder: Versandhandel "nur als ergänzendes Angebot"

Berlin (diz). Kein Verständnis, keinen Beifall und lautstarken Widerspruch - das musste der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Klaus Theo Schröder, für seine Äußerungen zum Arzneimittelversandhandel auf dem Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes am 15. Mai in Berlin einstecken. Ausdrücklich setzte er sich für den Internet- und Versandhandel mit Arzneimitteln in Deutschland als "Ergänzung zum bestehenden System" ein. Schröder sprach auf dem Wirtschaftsforum in Vertretung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die aus terminlichen Gründen nicht anwesend sein konnte.

Man wolle gemeinsam gemäß den Empfehlungen des Runden Tisches sichere Rahmenbedingungen für den Versandhandel von Arzneimitteln in Deutschland schaffen. Die Diskussionen, die derzeit liefen, seien notwendig und wichtig und trügen zur Problemlösung bei. Allerdings, so machte Schröder deutlich, habe er keinerlei Verständnis für die derzeit laufende Aktion "Pro Apotheke", bei der er bereits eigene Erfahrungen während eines Apothekenbesuchs gesammelt habe. Es sei nicht angemessen, die Bevölkerung mit pauschalen Aussagen zu verunsichern, beispielsweise dass bei Einführung eines Versandhandels ein Apothekensterben einsetze. Klar sollte sein, so Schröder, dass niemand mit der Einführung des Versandhandels etwas ersetzen wolle, der Versandhandel mit Arzneimitteln sei nur als ergänzendes Angebot gedacht und nur auf freiwilliger Basis, was das Auditorium zu Protesten und ungläubigem Lachen provozierte.

Keine Wettbewerbsverzerrungen durch Versand

Mit Versandhandel, so fuhr Schröder fort, müsse eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung in Deutschland sichergestellt werden. Die Patienten sollten auch in Zukunft zeit- und ortsnah mit Arzneimitteln versorgt werden, die Versorgungssicherheit und die Lebensqualität dürften nicht gefährdet werden. Mit dem Angebot eines Arzneiversands werde insbesondere älteren und immobilen Patienten Rechnung getragen, die keine Apotheke aufsuchen könnten, wobei Zwischenrufe aus dem Auditorium deutlich machten, dass dies alles heute bereits sichergestellt sei auch ohne Versandhandel. Schröder wörtlich: "Die Einführung eines Versandhandels darf außerdem nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führen" (Gelächter im Auditorium). Außerdem, so warnte Schröder, dürfe man nicht glauben, um Deutschland eine Mauer ziehen zu können, um den Internethandel fernzuhalten. Wer davon ausgeht, habe keinen Eindruck davon, wie die Diskussionen bereits auf EU-Ebene verliefen. Bevor man in Deutschland nur noch das adaptieren könne, was von Seiten des Europäischen Gerichtshofes und von Brüssel vorgegeben werde, sei es sehr viel vernünftiger, aktiv zu werden, statt nur darauf zu reagieren. Man wolle auch weiterhin die Bedingungen dafür mit den betroffenen Kreisen, auch mit den Apothekern, erörtern. Als Beispiel für falsche Argumentationen gegen den Versandhandel verwies Schröder auf die niederländische Versandapotheke DocMorris. Kritiker führten gerne an, dass der Vorteil bei Lieferungen durch DocMorris lediglich auf die Mehrwertsteuerdifferenz zwischen Deutschland und den Niederlanden zurückzuführen sei. Schröder wörtlich: "Noch nicht einmal dieses Argument ist richtig. DocMorris versteuert Umsatzsteuer nach deutschem Umsatzsteuerrecht."

Sich der Zukunft nicht verschließen

Die Verkehrsfähigkeit, die Arzneimittelsicherheit, die ökonomischen Rahmenbedingungen müsse man nicht nur in Deutschland, sondern europaweit harmonisieren. Man könne sich der Notwendigkeit einer zukünftigen neuen Ausgestaltung der Arzneimittelversorgung in Deutschland nicht entziehen, ergänzte Schröder. Dies gelte auch für die Bedingungen des grenzüberschreitenden elektronischen Versandhandels. Die deutschen Bedingungen, die man aus guten Gründen erfüllt sehen wolle, müssten auch in ganz Europa durchgesetzt werden, entsprechende Abkommen mit Drittstaaten seien bereits in Vorbereitung. Schröder appellierte an die Apotheker: "Wir können uns alle gemeinsam der Zukunft, die eigentlich bereits begonnen hat, nicht verschließen. Wir sollten agieren und nicht reagieren. Mein Angebot an Sie ist: Nutzen wir gemeinsam die Chance, die Bedingungen zu diskutieren, die notwendig sind, damit Ihre Forderung nach einem fairen Arzneimittelwettbewerb auch in Zukunft erhalten bleibt."

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