Ausbildung

C. KloftAusbildung im Fach Klinische Pharmazie &ndas

Die Einführung des Ausbildungsfachs Klinische Pharmazie wurde mit der 2. Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung für Apotheker am 14. Juli 2000 beschlossen und wirft zahlreiche Fragen zur inhaltlichen Ausgestaltung und Organisation neuer Lehrveranstaltungen in diesem Fach auf. Die AG Klinische Pharmazie der DPhG hat auf zwei Workshops in Bonn Empfehlungen zur Ausbildung im Fach Klinische Pharmazie im 2. und 3. Ausbildungsabschnitt erarbeitet. Die Ergebnisse stützen sich auch auf bereits bestehende Erfahrungen an verschiedenen Universitäten. Von besonderer Bedeutung erscheint der Arbeitsgemeinschaft, dass das Fach Klinische Pharmazie interdisziplinär und patientenorientiert gestaltet wird. In einem ersten Papier wurden bereits die Rahmenbedingungen und organisatorischen Aspekte dargestellt (DAZ Nr. 46/2000, S. 65 - 75). Dieses Papier widmet sich nun ausführlich den Inhalten und Lernzielen der einzelnen Lehrveranstaltungen und gibt abschließend ein Gesamtkonzept für die Einbindung von Lehrveranstaltungen im Fach Klinische Pharmazie in das Curriculum.

Lehrveranstaltungen mit relevanten Inhalten für das Prüfungsfach Klinische Pharmazie

Die novellierte Approbationsordnung sieht die Einführung eines neuen 5. Prüfungsfachs Klinische Pharmazie im 2. Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung vor. Die Prüfungsinhalte im Fach Klinische Pharmazie sind im Prüfungsstoff-Katalog beschrieben. Die Ausbildung im Fach Klinische Pharmazie hat zum Ziel, die Studierenden zu befähigen,

  • vorhandene bzw. potenzielle arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen,
  • diese mihilfe ihres pharmazeutischen Wissens zu bewerten,
  • Empfehlungen für die künftige Arzneimitteltherapie zu geben und
  • den Fortgang der Therapie kompetent zu begleiten, um insgesamt zur Therapieoptimierung beizutragen.

Im Fach Klinische Pharmazie sollen also Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt werden, mit denen der Apotheker klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, Pharmazeutische Betreuung praktizieren und klinisch-pharmazeutische Fragestellungen im Rahmen von Forschungsprojekten bearbeiten kann. Die neuen Prüfungsinhalte werden dabei im Wesentlichen in vier neuen Pflichtveranstaltungen des Musterstudiengangs vermittelt. Darüber hinaus sollten im neu zu schaffenden Wahlpflichtfach interdisziplinäre Inhalte der Klinischen Pharmazie verstärkt berücksichtigt werden. Damit sind für das Ausbildungsziel und die Prüfungsinhalte der Klinischen Pharmazie folgende Lehrveranstaltungen (LV) von besonderer Relevanz:

  • LV Krankheitslehre,
  • LV Pharmakotherapie,
  • LV Klinische Pharmazie,
  • LV Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie,
  • LV Wahlpflichtfach.

Diese fünf Lehrveranstaltungen sollen im Folgenden näher charakterisiert werden.

Lehrveranstaltung Krankheitslehre

Die Vorlesung "Krankheitslehre" (56 Stunden) beschäftigt sich vor allem mit Krankheitsbildern in ihrer Entstehung, Symptomatik, Diagnostik, ihrem Verlauf, ihrer Prognose und Prävention. Dabei sollen schwerpunktmäßig die klinisch-pharmazeutisch wichtigen Krankheitsbilder, wie z. B. Asthma, Hypertonie, Krebs etc., vorgestellt werden. Daneben soll die Interpretation klinischer Labordaten behandelt werden. Die LV "Krankheitslehre" liefert - neben der LV "Pathophysiologie/Pathobiochemie" - die Grundlagen für die LV "Pharmakotherapie", sodass hier ein enger Zusammenhang besteht. Es wird daher vorgeschlagen, die Lehrveranstaltungen "Krankheitslehre", "Pathophysiologie/ Pathobiochemie" und evtl. "Pharmakotherapie" als Block zusammenzufassen. Die kombinierten Lehrveranstaltungen sollten in Themenblöcken nach Krankheitsbildern organisiert werden.

Lehrveranstaltung Pharmakotherapie

Die novellierte Approbationsordnung sieht eine Unterteilung der zu vermittelnden Inhalte zur "Pharmakotherapie" in allgemeine, spezielle und angewandte Pharmakotherapie vor. Dabei wird die allgemeine Pharmakotherapie dem Prüfungsfach Pharmakologie und Toxikologie und die spezielle Pharmakotherapie dem neuen Fach Klinische Pharmazie zugeordnet. Die angewandte Pharmakotherapie soll im 3. Ausbildungsabschnitt gelehrt werden. Sie soll dort anhand konkreter Individualverordnungen und im Bereich der Selbstmedikation behandelt werden. Diese strikte Trennung insbesondere zwischen allgemeiner und spezieller Pharmakotherapie im 2. Ausbildungsabschnitt wird als artifiziell und in der Ausbildung als schwer umsetzbar empfunden. Statt einer Aufteilung auf die Fächer Pharmakologie und Toxikologie sowie Klinische Pharmazie erscheint es sinnvoller, die Themen zu verzahnen und die LV "Pharmakotherapie" als Vorlesung und Übung (56 Stunden, davon mindestens 28 Stunden Übungen) gemeinsam anzubieten. Diese Verknüpfung ist auch deshalb naheliegend, da die novellierte Approbationsordnung Pharmakologie und Klinische Pharmazie als gemeinsames Stoffgebiet I vorsieht.

Lernziel.

Das Lernziel der LV "Pharmakotherapie" besteht darin, ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis für die Prinzipien der Pharmakotherapie im Allgemeinen und bei besonderen Patientengruppen zu entwickeln.

Inhalt.

Vorlesung und Übungen zur "Pharmakotherapie" behandeln allgemeine Therapierichtlinien bei bestimmten Patientengruppen bzw. Erkrankungen. Hierbei sollen zum einen die Besonderheiten in der Pharmakotherapie von

  • pädiatrischen (Früh-, Neugeborenen, Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen) und geriatrischen Patienten,
  • schwangeren und stillenden Patientinnen,
  • organinsuffizienten (z.B. Nieren- und Leberinsuffizienten) und transplantierten (oft immunsupprimierten) Patienten sowie
  • multimorbiden und Intensiv-Patienten

dargestellt werden. Zum anderen sollen die Besonderheiten ausgewählter Therapiekonzepte erläutert werden. Besondere Berücksichtigung sollen dabei Therapierichtlinien für chronische Erkrankungen finden, wie z.B. für Hypertonie, Diabetes, Asthma und Tumorerkrankungen, inkl. der Supportivtherapie. Vertiefte Kenntnisse über chronische Erkrankungen sind wichtig, da solche Patienten einer intensiven klinisch-pharmazeutischen Betreuung bedürfen. Weiterhin sollen Richtlinien für die antikoagulative, Antibiotika- und Schmerztherapie sowie Besonderheiten der Arzneimitteltherapie bei Anwendung von Nierenersatzverfahren behandelt werden. In Übungen sollen in Kleingruppen konkrete Probleme der Pharmakotherapie bearbeitet werden, z. B. die Beurteilung von Therapieprotokollen oder Kombinationstherapien.

Lehrveranstaltung Klinische Pharmazie

Für die Lehrveranstaltung "Klinische Pharmazie" im 2. Ausbildungsabschnitt wird eine Gliederung in sechs Themengebiete vorgeschlagen: Arzneimittelinformation, Klinische Studien, Dosisindividualisierung, Therapeutisches Drug Monitoring (TDM), Ernährungstherapie und Pharmazeutische Betreuung. Dabei sollen die 84 Stunden in etwa gleich auf die Themengebiete aufgeteilt werden. Das Themengebiet Arzneimittelinformation sollte am Beginn des Seminars stehen, die weiteren Gebiete können in ihrer Reihenfolge variieren.

Wo es sich anbietet, können Themengebiete auch inhaltlich verknüpft werden oder weitere Gebiete angeboten werden. Grundsätzlich ist besonders diese LV patientenorientiert anhand von klinisch-pharmazeutisch wichtigen Krankheitsbildern (s. LV "Krankheitslehre" und LV "Pharmakotherapie") zu gestalten. Soweit wie möglich sollten die Studierenden eine aktive Rolle einnehmen, die von ihnen später in der Praxis ebenfalls erwartet wird. Im 3. Ausbildungsabschnitt sollen die erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der LV angewendet werden, um das Erkennen und Lösen von arzneimittelbezogenen Problemen in der Praxis zu üben.

1. Arzneimittelinformation Lernziel. Das Themengebiet Arzneimittelinformation soll den Studierenden die Beschaffung, Interpretation und Weitergabe von Informationen über Arzneimittel bzw. Therapien vermitteln. Sie sollen in der Lage sein, Arzneimittelinformation firmenunabhängig aufzubereiten und andere Heilberufsgruppen und Patienten über Arzneimitteltherapien zu informieren.

Inhalt.

Die verschiedenen Arten von Informationsquellen, wie Print- und Non-Printmedien, Primär-, Sekundär-, Tertiärliteratur, Datenbanken, klinische Gutachten, sollen besprochen und ihre Vor- und Nachteile für die Bearbeitung arzneimittelbezogener Therapieprobleme (u. a. Aktualität) beleuchtet werden. Weiterhin sollen der Zugang und das Verständnis für Therapierichtlinien und Therapieprotokolle sowie der Umgang mit Patientenakten vermittelt werden. Diese Seminarteile sollten durch praktische Übungen (z. B. Patientenfälle) ergänzt werden, um die Methoden zur Informationsbeschaffung für Arzneimittelanamnesen und zur Informationsweitergabe für die Lösung arzneimittelbezogener Probleme anzuwenden. Notwendig hierfür sind der Zugriff auf Fachliteratur (u.a. Zeitschriften, Fachbücher, Nachschlagewerke, Datenbanken) sowie eine ausreichende Anzahl von Computern mit Internetanschluss zur Online-Recherche.

2. Klinische Studien Lernziel. Ziel des Themengebiets Klinische Studien ist, dass Studierende den Stellenwert klinischer Studien in der Arzneimittelentwicklung und Arzneimittelanwendung erfassen. Dabei sollen sie Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, wissenschaftliche Untersuchungen an Patienten in ihrer Aussagekraft kritisch zu beurteilen und daraus Therapieempfehlungen abzuleiten. Des Weiteren sollen sie den Beitrag und die Rolle des Apothekers in klinischen Studien kennen lernen.

Inhalt.

In Grundlagenseminaren sollen zunächst die verschiedenen Studientypen (z. B. Klinische Prüfungen I - III, Randomisierte kontrollierte Studien (RCT), Anwendungsbeobachtungen, Meta-Analysen) gegenübergestellt werden. Zur Beurteilung der Aussagekraft dieser Studien sollen deren Planung (mit Verwendung von Simulationen), Durchführung und Auswertung vor dem Hintergrund von Richtlinien, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den ethischen Aspekten v. a. an speziellen Patientenpopulationen (z. B. Kindern) beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang kommt der biomedizinischen Statistik (z. B. Fallzahlabschätzung und Umgang mit Drop-outs) eine wichtige Rolle zu. Die Studierenden sollen in Übungen publizierte klinische Studien selbstständig bearbeiten, d.h. die Generierung und Interpretation der Studienergebnisse kritisch beurteilen und bewerten. So sollen die Studierenden z. B. anhand von Studienergebnissen die Nutzen-Risiko-Bewertung einer Arzneimitteltherapie vornehmen. Zudem sollen Studienergebnisse nach den Anforderungen von Evidence-based Medicine bewertet und deren Bedeutung für therapeutische Entscheidungen diskutiert werden.

3. Dosisindividualisierung Lernziel. Lernziel des Themengebiets Dosisindividualisierung ist, die Prinzipien, die Anwendungsbereiche sowie den Nutzen und die Relevanz einer Dosisindividualisierung im Rahmen der Optimierung einer individuellen Arzneimitteltherapie zu erfassen. Die Studierenden sollen Therapierichtlinien als Grundlage und Voraussetzung begreifen, auf deren Basis beim individuellen Patienten eine wissenschaftlich fundierte Anpassung der Dosis zur Therapieoptimierung notwendig sein kann.

Inhalt.

Das Themengebiet Dosisindividualisierung baut auf den Grundlagen der allgemeinen Pharmakotherapie auf, welche allgemeine Leitlinien erstellt und sich in der Regel nicht auf den individuellen Patienten bezieht. In Seminarform und Gruppenarbeit sollen spezielle Patientengruppen (z. B. übergewichtige, niereninsuffiziente oder multimorbide Patienten bzw. Patienten mit klinisch-pharmazeutisch wichtigen Krankheitsbildern) betrachtet werden, bei denen von Standarddosierungen abgewichen werden muss. Zunächst sollen verschiedene Dosierungsstrategien im Zusammenhang mit der beschriebenen intra- und interindividuellen Variabilität im Erfolg einer Arzneimitteltherapie vorgestellt werden. Dabei sollen die möglichen Ursachen von Variabilität (Einflussfaktoren), Methoden zu ihrer Erfassung und Bewertung sowie Indikationen für eine Dosisindividualisierung behandelt werden. In diesem Zusammenhang sind Grundlagen in Klinischer Pharmakokinetik, Klinischer Pharmakodynamik (PK/PD-Modeling) und Klinischer Pharmakogenetik wichtig. Sie dienen u. a. zur Beurteilung der klinischen Relevanz unerwünschter Wirkungen und Wechselwirkungen beim individuellen Patienten, die aufgrund ungeeigneter Dosierungen auftreten. Abschließend sollen verschiedene Strategien zur Dosisindividualisierung bei Vorhandensein bestimmter Einflussfaktoren sowie Empfehlungen für den individuellen Patienten erläutert und diskutiert werden.

4. Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) Lernziel. Die Studierenden sollen TDM als besonderes Einsatzgebiet der Dosisindividualisierung mit spezieller Technik zur Optimierung der Arzneimitteltherapie für den individuellen Patienten verstehen und den Beitrag des TDM zum Therapieerfolg einschätzen lernen. Darüber hinaus sollen sie ein TDM planen, durchführen und die Ergebnisse interpretieren können.

Inhalt.

In Grundlagenseminaren sollen zu Beginn die Indikationen (bestimmte Arzneistoffgruppen, Patientengruppen) für ein TDM sowie sein Nutzen und seine Grenzen erörtert werden. Danach soll eine Einführung in die Konzeption, die notwendigen Voraussetzungen und die einzelnen Schritte zur Durchführung eines patientengerechten TDM-Service gegeben werden. Den Schwerpunkt für eine sinnvolle Auswertung bilden die Vertiefung und Anwendung der Kenntnisse in Klinischer Pharmakokinetik und Grundlagen in Populationspharmakokinetik. Die Studierenden sollen in die computergestützte Berechnung individueller pharmakokinetischer und evtl. pharmakodynamischer Parameter sowie Simulation von Konzentrations-Zeit-Profilen eingeführt werden. Besonderes Augenmerk soll auf die Interpretation der Ergebnisse gelegt werden, z. B. Ursachen für Abweichungen der individuellen Patientenergebnisse von populationspharmakokinetischen Daten, Plausibilitätskontrolle und Einbezug von patientenspezifischen Merkmalen. Kleingruppen sollen danach konkrete Patientenfälle mit klinisch-pharmazeutisch wichtigen Krankheitsbildern bearbeiten. Die Ergebnisse sollen patientenbezogen ausgewertet werden und in einer Dosierungsempfehlung münden. Dabei soll auch die Form der Übermittlung und ein Konzept zur weiteren Therapiebegleitung mittels TDM vorgestellt und diskutiert werden.

5. Ernährungstherapie Lernziel. Im Themengebiet Ernährungstherapie sollen die Studierenden lernen, den Ernährungsstatus eines Patienten beurteilen und eine Ernährungstherapie nach rationalen (klinisch-pharmazeutischen und ökonomischen) Gesichtspunkten empfehlen zu können.

Inhalt.

In Grundlagenseminaren sollen zunächst die Beurteilung des Ernährungsstatus eines Patienten (Anamnese), das Erkennen (qualitativ, quantitativ) einer Mangelernährung und ihrer Ursachen sowie die sich daraus ergebenden Risiken und Folgen besprochen werden. Danach werden die Studierenden mit den Indikationen (inkl. Entscheidungsbaum), Empfehlungen und dem Monitoring einer rationalen Ernährungstherapie (enteral, parenteral) vertraut gemacht. In diesem Zusammenhang spielen besondere Stoffwechselsituationen eine wichtige Rolle, z. B. Postaggressionsstoffwechsel, Stoffwechselveränderungen bei Organdysfunktionen oder die Situation bei Frühgeborenen. Daneben sollen ebenfalls die Zusammensetzungen von Ernährungsprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln erläutert werden. Insgesamt soll auf die Anwendung sowohl bei stationären als auch ambulanten Patienten eingegangen werden. Zu berücksichtigen sind dabei auch mögliche Interaktionen mit der Arzneimitteltherapie. Weiterhin sollen die ökonomischen Gesichtspunkte von Ernährungstherapeutika (z. B. individuelle versus Standardlösungen; Compounding, Speziallösungen) diskutiert sowie Applikationstechniken und spezielle Medizinprodukte zur enteralen und parenteralen Ernährung erklärt und beurteilt werden (u. a. Unterschiede bei Kurz- bzw. Langzeiternährung). Anhand von konkreten Patientenfällen könnten Kleingruppen eine geeignete Ernährungstherapie ausarbeiten, ein Monitoring vorschlagen und Möglichkeiten zum Umgang mit Komplikationen vorstellen.

6. Pharmazeutische Betreuung Lernziel. Im Themengebiet Pharmazeutische Betreuung sollen die Studierenden ein Verständnis für das Konzept, die Methoden und Prozesse sowie die Ziele der Pharmazeutischen Betreuung entwickeln und diese zur Optimierung der Therapie beim individuellen Patienten anwenden. Sie sollen erkennen, dass damit ein spezifisch pharmazeutischer Beitrag zu einem effektiven Disease-Management geleistet wird.

Inhalt.

In Grundlagenseminaren sollen die einzelnen Schritte des Prozesses der Pharmazeutischen Betreuung im Detail erläutert werden. Dazu gehören die Sozialanamnese, die Entwicklung eines Medikationsprofils, das Erkennen und Lösen arzneimittelbezogener Probleme sowie Auswahl, Einsatz und Bewertung geeigneter Ergebnisqualitätsparameter (Outcome-Parameter). In diesem Zusammenhang sollen klinische, humanistische und ökonomische Parameter, u. a. Lebensqualität und Compliance bzw. Non-Compliance, sowie ihre Beeinflussbarkeit erörtert werden. Zusätzlich soll auf die Bedeutung der Dokumentation für ein effektives Datenmanagement sowie auf die Funktion des Qualitätsmanagements für die Pharmazeutische Betreuung eingegangen werden.

Der Ablauf der Pharmazeutischen Betreuung soll in Kleingruppen exemplarisch an individuellen Patientenfällen (ambulanten und stationären) erarbeitet werden. Dabei sollen bei Erkrankungen, die einer intensiven klinisch-pharmazeutischen Betreuung bedürfen, alle Schritte, auch die Fähigkeit zur erfolgreichen Kommunikation mit Arzt und Patient, berücksichtigt werden. Soweit entsprechende Indikationen betroffen sind, sollte dabei auch die richtige Anwendung von Medizinprodukten zur Applikation von Arzneimitteln einbezogen werden.

Lehrveranstaltung Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie

Die LV "Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie" ist als Vorlesung und Seminar mit 28 Stunden vorgesehen, wobei eine paritätische Aufteilung der Stunden auf die beiden Themengebiete als sinnvoll erachtet wird.

Lernziel.

Ziel der LV ist, die grundlegenden Methoden der Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie zu verstehen und diese auf pharmazeutisch relevante Fragestellungen anzuwenden. Dabei soll der angehende Apotheker die Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, selbstständig oder in Kooperation pharmakoepidemiologische und pharmakoökonomische Studien durchführen und bewerten zu können.

Inhalt.

Zu Beginn soll jeweils eine Einführung in die Themengebiete Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie erfolgen und auf Zusammenhänge verwiesen werden. Dabei wird auf Aspekte der Arzneimittelsicherheit/Pharmakovigilanz und der Evidence-based Medicine bzw. Evidence-based Pharmacy ebenso eingegangen wie auf die Arzneimittelanwendungsforschung und die Arzneimittelverbrauchsanalyse. Von besonderer Bedeutung für die Ergebnisbewertung ist auch die Aussagekraft unterschiedlicher Risikomaße. Für die Pharmakoökonomie werden zusätzlich gesundheitspolitisches Grundwissen und Kenntnisse in der allgemeinen Gesundheitsökonomie vermittelt. Schwerpunkte der Lehrveranstaltung bilden die intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen Formen pharmakoepidemiologischer Studien (z. B. Kohortenstudien, Querschnittsstudien, Fall-Kontroll-Studien) und pharmakoökonomischer Studien (z. B. Kosten-Minimierungs-Analyse, Kosten-Effektivitäts-Analyse und Kosten-Nutzen-Analyse), d. h. ihre Planung, Durchführung, Auswertung und kritische Diskussion. Daneben soll auf Methoden zur Nutzenevaluierung der Pharmazeutischen Betreuung eingegangen werden. Insgesamt sollen besonders die Bedeutung und die Qualität der Basisdaten und die methodischen Voraussetzungen für die Durchführung entsprechender Studien geklärt werden. In Seminarform sollen ausgewählte Studien aus beiden Themengebieten behandelt und kritisch diskutiert werden. Im Anschluss daran sollen die Studierenden eigene Studienansätze für geeignete Fragestellungen entwickeln und in Simulationsmodellen testen.

Lehrveranstaltung Wahlpflichtfach

Für die LV "Wahlpflichtfach" von 112 Stunden als Seminar und praktische Übungen soll jede Universität ein Angebot von mindestens vier den Pharmazeutischen Wissenschaften angehörenden Wahlpflichtfächern stellen. Wegen ihres interdisziplinären Ansatzes sollte sich das Fach Klinische Pharmazie hier besonders engagieren.

Lernziel.

Die LV "Wahlpflichtfach" soll den Studierenden die Möglichkeit eröffnen, ihren Interessen folgend interdisziplinär vertieftes Wissen zu erwerben. Dabei sollten Möglichkeiten der übergreifenden Zusammenarbeit intensiv genutzt werden.

Inhalt.

Im Wahlpflichtfach sollen die Kenntnisse in der patientenorientierten Optimierung einer speziellen Pharmakotherapie bzw. für eine spezielle Patientengruppe oder einen individuellen Patienten vertieft werden.

Interdisziplinär sollten pharmazeutische bzw. klinisch-pharmazeutische Fragestellungen in Zusammenarbeit verschiedener pharmazeutischer Fächer und Berufsgruppen bearbeitet werden. Als klinisch-pharmazeutische Aspekte bieten sich dabei Inhalte aus allen zuvor beschriebenen Lehrveranstaltungen an. Die Auswahl der Therapierichtung, Patientengruppe oder von individuellen Patienten sollte sich dabei nach den Gegebenheiten am jeweiligen Standort richten. In Form einer Projektarbeit könnten beispielsweise in eigenen Untersuchungen Daten erhoben werden. Falls dies nicht realisierbar ist, können auch simulierte Daten oder Datenbanken herangezogen werden. Die Untersuchungen sollen die Erarbeitung der Fragestellung, die Planung (inkl. Ausarbeitung eines Projektplans), evtl. selbstständige Datenerhebung sowie die Auswertung umfassen.

Dabei sollen z. B. Probleme bei der Umsetzung und Einhaltung der Projektpläne/Protokolle, bei der Auswertung mit realen Daten, die Bedeutung eines Studien-Monitorings sowie Grenzen und Möglichkeiten von klinischen Studien/Datenerhebungen erkannt werden. Insgesamt sollte dabei beispielsweise in Zusammenarbeit mit einer Krankenhaus- oder Offizinapotheke auch Kontakt zu Patienten und Ärzten bestehen. Das Projekt soll mit einem Vortrag abgeschlossen werden.

Einbindung der Lehrveranstaltungen in das Pharmaziestudium

Die erfolgreiche Ausbildung im Fach Klinische Pharmazie als der "Disziplin der Pharmazie, die aufbauend auf pharmazeutisch-naturwissenschaftlichen Kenntnissen die Optimierung der Arzneimitteltherapie am und durch den Patienten zum Inhalt hat", kann nur gelingen, wenn eine fundierte Ausbildung in den vier derzeit vorhandenen pharmazeutischen Fächern erfolgt ist. Zur patientenorientierten Umsetzung der im Studium bereits erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten auf den konkreten Patientenfall müssen Grundlagen insbesondere in folgenden Bereichen gelegt worden sein: in Pharmazeutischer Chemie/Analytik, Biochemie, Anatomie und Physiologie, Biopharmazie inkl. Grundlagen in der Pharmakokinetik sowie Pharmakologie und Toxikologie.

Daraus ergibt sich, dass die vier Pflichtlehrveranstaltungen und das Wahlpflichtfach mit Inhalten der Klinischen Pharmazie erst am Ende des Pharmaziestudiums platziert werden sollten. Es bietet sich an, die LV "Krankheitslehre" mit "Pathophysiologie/Pathobiochemie" und "Pharmakotherapie" blockweise zusammenzulegen und daher gemeinsam von Pharmakologen und Klinischen Pharmazeuten (evtl. auch zusammen mit Dozenten der Medizin) zu gestalten. Dieser Block sollte im 7. Fachsemester angeboten werden. Der "Pharmakologisch-toxikologische Demonstrationskurs" könnte im 7. Fachsemester, die LV "Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie" im 7./8. Fachsemester nach Ende des Blocks "Pathophysiologie/Pathobiochemie, Krankheitslehre und Pharmakotherapie" und die LV "Klinische Pharmazie" im 8. Fachsemester platziert werden. Das Wahlpflichtfach sollte in der zweiten Hälfte des 8. Fachsemesters belegt werden.

Kastentext:

Ziel der Veranstaltungen im Fach Klinische Pharmazie ist, die Studierenden zu befähigen,

  • vorhandene bzw. potenzielle arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen,
  • diese mithilfe ihres pharmazeutischen Wissens zu bewerten,
  • Empfehlungen für die künftige Arzneimitteltherapie zu geben und
  • den Fortgang der Therapie kompetent zu begleiten, um insgesamt zur Therapieoptimierung beizutragen.

Kastentext: LV Krankheitslehre

  • Vorstellung klinisch-pharmazeutisch wichtiger Krankheitsbilder
  • Interpretation klinischer Labordaten

Kastentext: LV Klinische Pharmazie

Gliederung in sechs Themengebiete 1. Arzneimittelinformation

  • Informationsquellen (Print-, Non-Printmedien, Primär-, Sekundär-, Tertiärliteratur, klinische Gutachten, Datenbanken): Vor- und Nachteile
  • Therapierichtlinien und Therapieprotokolle
  • Umgang mit Patientenakten
  • Methoden zur Informationsbeschaffung für Arzneimittelanamnesen und zur Informationsweitergabe für die Lösung arzneimittelbezogener Probleme

2. Klinische Studien

  • Aussagekraft und Besonderheiten verschiedener Studientypen, v.a. bei speziellen Patientengruppen
  • Interpretation von Studienergebnissen zur Nutzen-Risiko-Bewertung einer Arzneimitteltherapie
  • Bewertung von Studien nach den Anforderungen für Evidence-based Medicine
  • Rolle des Klinischen Pharmazeuten in klinischen Studien

3. Dosisindividualisierung

  • Indikation, Prinzipien, Nutzen und Relevanz einer Dosisindividualisierung
  • Ursachen der Variabilität im Erfolg einer Arzneimitteltherapie
  • Klinische Pharmakokinetik, Pharmakodynamik (PK/PD-Modeling), Pharmakogenetik
  • Strategien zur Dosisindividualisierung

4. Therapeutisches Drug Monitoring

  • Indikation, Nutzen und Grenzen eines TDMs
  • Konzeption, Voraussetzungen und Durchführung eines TDMs
  • Auswertung und patientenbezogene Interpretation: Populationspharmakokinetik, Plausibilitätskontrolle
  • Therapieempfehlung und Begleitung anhand konkreter Patientenfälle

5. Ernährungstherapie

  • Beurteilung des Ernährungsstatus
  • Indikation und Empfehlung einer rationalen Ernährungstherapie (enteral, parenteral)
  • Produkte, Applikationstechniken und Medizinprodukte zur enteralen und parenteralen Ernährung
  • Monitoring der Ernährungstherapie und Management von Komplikationen

6. Pharmazeutische Betreuung

  • Konzept, Methoden, Prozesse und Ziel der Pharmazeutischen Betreuung
  • Grundlagen in Datenmanagement und Qualitätsmanagement
  • Auswahl, Einsatz und Bewertung von Ergebnisqualitätsparametern (klinische, humanistische und ökonomische Outcome-Parameter)
  • Medizinprodukte zur Applikation von Arzneimitteln

Kastentext: LV Pharmakotherapie

  • Wissenschaftlich fundiertes Verständnis für Prinzipien der Pharmakotherapie, v.a. bei speziellen Patientengruppen, z.B. bei pädiatrischen, geriatrischen, schwangeren, stillenden, organinsuffizienten, transplantierten, multimorbiden und Intensiv-Patienten
  • Besonderheiten ausgewählter Therapiekonzepte bei klinisch-pharmazeutisch wichtigen Erkrankungen
  • Zusammenlegung der Lehrveranstaltungen "Pathophysiologie/Pathobiochemie", "Krankheitslehre" und "Pharmakotherapie", gemeinsame Gestaltung durch Pharmakologen und Klinische Pharmazeuten

Kastentext: LV Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie

  • Grundlagen, Anwendung und Ziel von Pharmakoepidemiologie und Pharmakoökonomie
  • Grundlagen u.a. in Arzneimittelsicherheit, Evidence-based Medicine bzw. Evidence-based Pharmacy, Gesundheitsökonomie und Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelverbrauchsanalyse
  • Arten, Interpretation und Anwendung pharmakoepidemiologischer und pharmakoökonomischer Studien
  • Rolle des Klinischen Pharmazeuten in diesen Studien

Kastentext: LV Wahlpflichtfach

  • Interdisziplinäre Themen, in Zusammenarbeit mit anderen pharmazeutischen bzw. andern Fächern
  • Projektarbeit über spezielle Pharmakotherapie, Patientengruppe oder individuelle Patienten
  • Auswertung von Daten aus eigenen Erhebungen, Simulation oder Datenbanken
  • Zusammenarbeit mit Apothekern aus der Praxis, Ärzten und Patienten

Die Arbeitsgemeinschaft Klinische Pharmazie der DPhG stellt in dieser Ausgabe ihr Konzept über Inhalte und Lernziele des neuen Studienfaches vor, nachdem sie sich in einem ersten Teil über Rahmenbedingungen und Organisation geäußert hatte. Die Lehrveranstaltungen bauen auf dem Stoff der vier bereits etablierten pharmazeutischen Fächer auf und sollen deshalb im 7. und 8. Semester unterrichtet werden.

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