Prisma

Mit Herpes gegen Hautkrebs

Es klingt wie die Austreibung des Teufels mit Beelzebub, hat sich in einer ersten klinischen Studie jedoch als vielversprechend erwiesen Ų der Einsatz von Herpes simplex Viren zur Behandlung von metastasierenden Melanomen.

Aus In-vitro-Studien ist bekannt, dass avirulente, aber vermehrungsfähige Herpes Simplex Viren (HSV 1716) in der Lage sind, den Zelltod bei menschlichen Melanomzellen auszulösen. Ebenfalls weiß man aus Versuchen mit Nacktmäusen, dass sich die Viren in Melanomzellen replizieren, gesunde Zellen jedoch nicht befallen. Nun wagten Wissenschaftler von der Universität Glasgow erstmals den Einsatz der Viren beim Menschen. Wie sie in einer der letzten Ausgaben der Fachzeitschrift "The Lancet" schreiben, injizierten sie die Viren in das Tumorgewebe von fünf Patienten mit metastasierenden Melanomen.

Zwei Patienten erhielten jeweils eine Injektion, zwei Patienten wurden mit jeweils zwei Injektionen behandelt und ein Patient bekam vier Injektionen mit HSV 1716 verabreicht. Bei einem der Patienten, der zwei Injektionen erhalten hatte, war innerhalb von 21 Tagen nach der Behandlung eine deutliche Abflachung des bis dahin knotig fühlbaren Tumors zu beobachten. Mikroskopisch konnte bei den drei Patienten mit zwei oder mehr Injektionen eine Nekrotisierung des Tumorgewebes festgestellt werden. Das Virus war in der Lage, sich im Tumorgewebe zu vermehren, griff jedoch nicht auf anderes Gewebe über.

Die Ergebnisse legen laut den Wissenschaftlern nahe, dass Herpes Simplex Viren in der avirulenten, aber vermehrungsfähigen Form eine nichttoxische und wirksame Therapieoption für Melanome darstellen. Der Effekt muss nun in größer ausgelegten Studien überprüft werden. ral

Quelle: The Lancet 2001, Vol. 357, Nr. 9255 vom 17. Februar

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