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Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelintoleranz

Am 27. November sprach Prof. Dr. U. Amon, PsoriSol-Klinik in Hersbruck bei Nürnberg, auf einer Veranstaltung der DPhG in Münster zum Thema "Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelintoleranz".

In den letzten Jahrzehnten ist die Prävalenz für Allergien weltweit von circa 5 auf 20% gestiegen. Nicht jede Nahrungsmittelunverträglichkeit ist auch eine Nahrungsmittelallergie. Allgemein wird zwischen toxischen und nicht-toxischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten unterschieden. Erstere können beispielsweise durch verdorbene oder falsch zubereitete Speisen verursacht werden, bei den nicht-toxischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten differenziert man zwischen IgE-vermittelten und IgE-unabhängigen Erscheinungen.

Gene, Umwelt und Ernährungsgewohnheiten

Epidemiologische Untersuchungen bestätigen, dass Gene, Umwelt und Atopie eine Trias bilden, die bei der Behandlung berücksichtigt werden muss. Zahlreiche verschiedene Allergiegene sind bekannt. Auch wenn man von einer Gentherapie der Allergien weit entfernt ist, so sollte immer der familiäre Hintergrund berücksichtigt werden. Sind beide Eltern Allergiker, so werden es die Kinder zu 80%.

Die Umwelteinflüsse und besonders das Verhalten und die Lebensgewohnheiten haben sich entscheidend verändert. So konnte beispielsweise in einer experimentellen Arbeit gezeigt werden, dass Dieselruß die Histaminausschüttung durch Pollen verstärkt. Besser isolierte Wohnungen lassen die Milben- und Tierhaar-Konzentrationen ansteigen, die behütete "Aufzucht" von Kindern führt zu weniger frühkindlichen Infekten (der so genannten "Sagrotankinder") und so zu einer veränderten Reifung des Immunsystems.

Im Bereich der Ernährung zeigen Vergleiche von Ballungszentren der ehemaligen DDR und Bundesrepublik, dass trotz einer größeren Umweltbelastung die Allergieprävalenz in der DDR geringer war. Die Nahrung spielt hier wahrscheinlich eine entscheidende Rolle: Zubereitete Säuglingsnahrung, exotische Früchte u. a. belasten den kindlichen Organismus zu früh mit Allergenen. Insgesamt ist weniger eine veränderte Umwelt als besonders ein verändertes Verhalten der Grund für die Zunahme von Nahrungsmittelallergien.

Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten

Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie äußern sich meistens

  • auf der Haut in Form von Quaddeln, Pruritus, Flush und Ekzemen (50%),
  • im Magen-Darm-Bereich (20%) und
  • in den Atemwegen (10 bis 15%).

Bei Nahrungsmittelallergien ist auch immer an Kreuzreagibilität zu denken. Eine Allergie gegen Birkenpollen geht häufig einher mit einer Allergie gegen Kern- und Steinobst, und beim Latex-Fruit-Syndrom kann eine ursprüngliche Latex-Allergie eine Reaktion gegen Banane, Kiwi, Feigen etc. nach sich ziehen.

Nicht-immunologische Reaktionen sind beispielsweise die Lactoseintoleranz, die Phenylketonurie oder die Reaktion auf biogene Amine (Histamin) in den Nahrungsmitteln. Pseudoallergien können zum Beispiel auftreten gegen Gewürze, Sulfite, Glutamat. Sie sind schon nach einem Erstkontakt möglich und meist dosisabhängig.

Diagnostik und Therapie

Bei Nahrungsmittelallergien sind der Prick-Prick-Test und die doppelblinde plazebokontrollierte Nahrungsmittelprotektion ("Suchkost") der Goldstandard der Diagnostik. Beim Prick-Prick-Test wird direkt eine Probe des verdächtigen Nahrungsmittels in die Haut eingeritzt, doch besonders bei der Suchkost kann das Plazebophänomen, das bei der Nahrungsmittelallergie bis zu 40% beträgt, umgangen werden.

Eine Pauschaldiät gehört nach Meinung Amons zu Außenseitermethoden und ist eine unnötige, zusätzliche Belastung des Patienten. Entsprechend ist auch bei der Therapie eine Nahrungsmittelkarenz erst indiziert, wenn der Nachweis einer Allergie erbracht ist. Für die Behandlung der Symptome eignen sich Antihistaminika und prophylaktisch Cromoglicinsäure. Für die Behandlung der Grunderkrankung hat sich im Bereich der Nahrungsmittelallergien für ausgewählte Patienten eine orale Hyposensibilisierung etabliert, die es den Patienten ermöglichen soll, ihre Überreaktion gegen bestimmte Nahrungsbestandteile zu überwinden.

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