Arzneimittel und Therapie

Prostatavorsorge: Kontroverse Diskussion um den Schnelltest

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein Glykoprotein, das von Zellen der Prostata produziert wird. Jede Erkrankung der Prostata, ob gutartig oder bösartig, kann zu einer Erhöhung des PSA-Wertes im Blut führen. Daher kann der Blutwert wertvolle Hinweise auf das Vorliegen einer bösartigen Prostataerkrankung liefern. In Deutschland werden in den Laboren mit nasschemischen Methoden die PSA-Werte bestimmt. Zusätzlich dazu werden seit kurzem in den Apotheken so genannte Schnelltests angeboten, die jedoch kontrovers diskutiert werden, wie aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. hervorgeht.

Es handelt sich bei PSA um eine Serinprotease, die in den Epithelzellen der Prostatadrüse gebildet wird und sowohl im Plasma als auch im Sperma nachweisbar ist. PSA wird in gesundem und auch in hyperplastischem und maligne entartetem Prostatagewebe gebildet. Ein Schnell- und Suchtest für diesen Tumormarker kann in der Prostatakarzinomfrüherkennung einen Beitrag für die Verbesserung der Gesundheitsvorsorge des Mannes leisten, denn es können Krebserkrankungen der Prostata in einem frühen, heilbaren Stadium erkannt werden.

Kontroverse Diskussion

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. weist darauf hin, dass viele dieser Schnelluntersuchungen falsche Ergebnisse bringen. Die Sensitivität und Spezifität der Schnelltests sei unzulänglich, niedrige PSA-Konzentrationen werden fälschlicherweise als hoch erkannt, viele erhöhte PSA-Konzentrationen werden durch den Test nicht erfasst. Der Anteil nicht zutreffend ermittelter PSA-Konzentrationen liegt im diagnostisch relevanten Bereich mäßiger PSA-Erhöhungen bei 30 bis 50%. Denn der PSA-Wert ist auch natürlichen Schwankungen unterworfen, die nicht immer durch ein Prostatakarzinom verursacht werden.

Auch eine gutartige oder lediglich altersbedingte Vergrößerung der Prostatadrüse kann zu einer Erhöhung des PSA-Wertes führen. Der Wert kann aber auch durch andere Einflussfaktoren wie vorhergehende körperliche Bewegung oder andere Erkrankungen der Prostata, wie z.B. Infektionen, beeinflusst werden. 25 bis 80% der Männer mit einem erhöhten PSA-Wert haben kein Karzinom. Und selbst wenn ein erhöhter PSA-Wert tatsächlich ein Prostatakarzinom widerspiegelt, so kann daraus nicht ohne Weiteres abgeleitet werden, ob es sich bei diesem Krebs um eine relativ harmlose oder um eine der gefährlichen Krebsarten handelt.

Verhältnis von freiem zum Gesamt-PSA bestimmen

Die Aussagefähigkeit des Tumormarkers PSA wird erhöht, wenn man sich die Tatsache zunutze macht, dass das PSA sowohl frei als auch an Protein gebunden im Blut zirkuliert. Beide Werte kann man einzeln bestimmen und miteinander in Beziehung setzen, d.h. den Quotienten aus freiem PSA und Gesamt-PSA bilden, angegeben als f-PSA%. Dieser Quotient ist bei Krebserkrankungen der Prostata deutlich niedriger als bei gutartiger Wucherung der Drüse. Krebs liegt gewöhnlich vor, wenn ein f-PSA% von kleiner als 15% errechnet wird, dagegen wird typischerweise eine gutartige Prostatavergrößerung angetroffen, wenn sich ein Quotient von größer als 15% ergibt. Vorteilhaft ist außerdem, dass der Quotient nicht durch die Wirkung von Medikamenten, die bei der gutartigen Vergrößerung der Prostata häufig verabreicht werden, beeinflusst wird.

Wenn die Bestimmung des Gesamt-PSA (mit Werten zwischen 2 und 4 ng/ml) unauffällig ist, aber der f-PSA%-Wert niedrig (d. h. unter 9%) ausfällt, so besteht erheblicher Verdacht auf Krebs, und der Prostata sollte ein Stück Gewebe zur feingeweblichen Untersuchung entnommen werden. Ist dagegen der Gesamt-PSA-Wert auf über 10 ng/ml erhöht und findet sich gleichzeitig ein hoher f-PSA% von größer als 21, so kann auf eine Biopsie verzichtet werden, weil "mit hoher Wahrscheinlichkeit" kein Krebs vorliegt.

Geprüfte Messverfahren verwenden

Die Untersuchung des Blutes auf PSA ist sinnvoll, sollte aber mit einem geprüften Messverfahren erfolgen. Dabei sollte auch immer das gleiche kommerzielle Testsystem verwendet werden. Es gibt zwar einen allgemeinen Grenzwert, die Vielzahl von Analyseverfahren für PSA von verschiedenen Herstellern sind aber untereinander nicht standardisiert. Sie können auch bei derselben Blutprobe zu unterschiedlichen Werten führen.

Kastentext: PSA-Schnelltest

In den Apotheken ist seit kurzem ein qualitativer PSA-Schnelltest (Uralen) erhältlich, den die Patienten direkt in der Apotheke oder auch zu Hause durchführen können. Für den Schnelltest genügen zwei Tropfen Kapillarblut aus der Fingerbeere oder aus dem Ohrläppchen, die auf den Teststreifen aufgetragen werden. Nach einigen Minuten werden fünf Tropfen einer Verdünnungslösung hinzugegeben. Die Kontrollbande erscheint meist schon nach ein paar Minuten auf dem Teststreifen. Das bedeutet nicht, dass der Test dann schon beendet ist. Es muss 10 bis 12 Minuten gewartet werden, um zu sehen, ob auch eine zweite Bande im Testfeld erscheint. Die Reaktionszeit sollte aber auch nicht verlängert werden, da dann vermehrt falsch-positive Ergebnisse auftreten können. Ist nur im Kontrollfeld des Teststreifens ein rote Farbbande zu sehen, ist der Test negativ (PSA-Wert < 4 ng/ml). Ein positiver Befund (PSA-Wert > 4 ng/ml) liegt vor, wenn neben dem Kontrollfeld auch im Testfeld ein Farbstreifen zu erkennen ist. Ist weder im Kontrollfeld noch im Testfeld eine farbige Bande zu sehen, verlief der Test fehlerhaft, hat kein aussagekräftiges Ergebnis erbracht und sollte dann wiederholt werden.

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) wird von den Zellen der Prostata produziert. Jede Erkrankung der Prostata, ob gutartig oder bösartig, kann zu einer Erhöhung des PSA-Wertes führen. Daher kann der Blutwert wertvolle Hinweise auf das Vorliegen einer bösartigen Prostataerkrankung liefern. Seit kurzem werden so genannte Schnelltests angeboten, die jedoch kontrovers diskutiert werden, wie aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. hervorgeht.