Arzneimittel und Therapie

Leukotrienantagonisten: Montelukast senkt Steroidbedarf langfristig

Bei Asthmatikern, die unter einer Therapie mit inhalativen Steroiden stehen, ermöglicht die zusätzliche Behandlung mit dem Leukotrien-Rezeptorantagonisten Montelukast (Singulair®) eine signifikante Reduktion der Steroiddosis. Bei einem Teil der Patienten können Steroide sogar ohne Einbußen des Gesamtbefindens weitgehend reduziert werden, wie die Ergebnisse einer über zwölf Wochen durchgeführten randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie zeigen. Aktuelle Daten aus einer auf die Bedürfnisse der täglichen Praxis zugeschnittenen über 48 Wochen laufenden klinischen Langzeitstudie weisen nach Information der MSD Sharp & Dohme GmbH nun zudem darauf hin, dass die zusätzliche Therapie mit Montelukast (Singulair) die zuvor benötigte Steroiddosis auch langfristig senken kann.

Inhalativ oder systemisch verabreichte Steroide gelten zwar als die derzeit effektivsten antientzündlichen Asthmamedikamente, jedoch decken auch sie längst nicht alle Aspekte des asthmatischen Entzündungsgeschehens ab - insbesondere auch nicht die über Leukotriene vermittelten Entzündungsprozesse.

In der täglichen Praxis scheitert die langfristige Durchführung einer antientzündlichen Basistherapie mit inhalativen Steroiden häufig an einer mangelnden Patientencompliance. Tatsächliche oder befürchtete Nebenwirkungen einer Steroidtherapie sind ein maßgeblicher Grund dafür. Weil das entsprechende Nebenwirkungsrisiko unstrittig mit der Steroiddosis korreliert, ist es grundsätzlich sinnvoll, die Steroiddosis möglichst niedrig zu halten. Im Jahre 1999 konnten die Steroid-einsparenden Effekte von Montelukast in einer randomisierten, plazebokonrollierten Doppelblindstudie von Löfdahl und Mitarbeitern nachgewiesen werden.

Langzeitstudie über 48 Wochen

Der Frage, ob sich die Steroid-einsparenden Effekte von Montelukast auch über einen längeren Beobachtungszeitraum ohne nachteilige Folgen aufrecht erhalten lassen, hat sich eine jüngst abgeschlossene Studie, die in Kürze publiziert werden soll, angenommen. Im Rahmen einer praxisnahen und in offenem Studiendesign duchgeführten Studie wurden 581 Patienten mit einem als steroidpflichtig eingeschätzten Asthma bronchiale rekrutiert. Die vor Studienbeginn verabreichte Steroiddosis lag zwischen 600 und 3200 Ķg Beclometason-Äquivalent pro Tag.

Alle Patienten erhielten über den gesamten Studienzeitraum von 48 Wochen jeweils eine abendliche Gabe von 10 mg Montelukast. Nach Studienbeginn wurden die Patienten in ihrem jeweiligen Behandlungszentrum zunächst alle zwei Wochen, später alle sechs Wochen untersucht. Nach Maßgabe eines klinisch validierten Scores wurde die Dosierung der inhalativen Steroide den individuellen Bedürfnissen der Patienten angepasst. Primärer Studienendpunkt war das Ausmaß der am Studienende bei stabilem klinischen Befund erreichten Steroidreduktion.

Rasche und nachhaltige Erfolge

Unter der Zusatztherapie mit Montelukast (Singulair) war es möglich, bereits im Laufe von zwölf Wochen die zuvor benötigte Steroiddosis von 959 auf im Mittel 172 Mikrogramm täglich zu senken. Dies entspricht einer Dosisreduktion um 82,3 Prozent. Nach weiteren 36 Wochen bewegte sich das Ausmaß dieser Reduktion mit 81,3 Prozent auf einem nahezu unveränderten Level.

Verzicht auf inhalative Steroide möglich

61,4 Prozent der in die Studie einbezogenen Patienten kamen nach 48 Wochen sogar gänzlich ohne inhalative Steroide aus, ohne dass es dabei zu einer Verschlechterung des klinischen Gesamtbildes gekommen wäre.

Der Erfolg der Montelukast-Medikation war unabhängig davon, mit welchem Steroid die Patienten behandelt wurden. Die Patienen, bei denen die inhalativen Steroide nach zwölf Wochen reduziert werden konnten, waren es fast durchweg auch, bei denen dieses Ergebnis auch nach 48 Wochen noch Bestand hatte. Ein Ansprechen nach zwölf Wochen kann somit wahrscheinlich als ein zuverlässiger Prädiktor für einen langfristigen Erfolg der Montelukast-Behandlung gewertet werden.

Ein Steroidverzicht wurde bei den entsprechenden Patienten auch nicht mit einem höheren Gebrauch an symptomatisch wirksamen Beta2-Sympathikomimetika erkauft. Im Gegenteil nahm unter der Behandlung mit dem Leukotrienantagonisten auch der Bedarf an Beta2-Sympathikomimetika um insgesamt 30 Prozent ab. Besonders deutlich war die Reduktion bei jenen Patienten, die zuvor durch einen exzessiv erhöhten Bedarf aufgefallen waren.

Kastentext: Leukotrien-Rezeptorantagonisten

Cysteinyl-Leukotrien1-Rezeptorantagonisten blockieren selektiv die CysLT1-Rezeptoren des Bronchialsystems und verhindern so die Wirkung der Leukotriene. Leukotriene sind wesentliche Mediatoren der pathophysiologischen Abläufe bei einer asthmatischen Reaktion. Im Vergleich zum Histamin sind sie etwa 1000-mal stärker bronchokonstriktorisch wirksam, und ihre Wirkung hält etwa 3- bis 4-fach länger an.

Seit April 1998 ist in Deutschland der CysLT1-Rezeptorantagonist Montelukast (Singulair) für Erwachsene und für Kinder ab dem 6. Lebensjahr bei leicht- bis mittelgradigem Asthma als orale Zusatztherapie zu inhalativen Steroiden sowie bei belastungsinduziertem Asthma als Monotherapie zugelassen. Er bindet an die in den Atemwegen vorhandenen CysLT1-Rezeptoren und hemmt ohne agonistische Eigenwirkung die Leukotriene bezüglich Förderung der Entzündungsvorgänge, Bronchokonstriktion, Erhöhung der Gefäßpermeabilität und vermehrter Schleimsekretion. Damit weist Montelukast zugleich antientzündliche und antibronchokonstriktorische Effekte auf. Es ist nicht zur Behandlung eines akuten Asthmaanfalls geeignet.

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