Arzneimittel und Therapie

Curcuma longa: Ein "Gewürz" bringt die Verdauung auf Trab

Blähungen, Völlegefühl, häufiges Aufstoßen und Übelkeit können als Folgen einer besonders üppigen Mahlzeit auftreten; sie können aber auch Ausdruck einer gestörten Verdauung sein und machen sich dann schon bei Zufuhr von kleinen Snacks bemerkbar. Etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung leiden unter so genannten dyspeptischen Beschwerden. Hilfe will ihnen nun eine Substanz bringen, die den meisten wohl eher als Bestandteil von Currygewürzmischungen bekannt ist: Curcuma longa.

Bei Patienten, die über Schmerzen im Oberbauch, Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen klagen, lassen sich in etwa 45 Prozent der Fälle strukturelle oder biochemische Veränderungen, wie eine Refluxkrankheit, Ulzera oder - selten - auch ein Malignom diagnostizieren. Bei allen anderen ist das Ergebnis der endoskopischen Untersuchung ohne Befund, sie leiden unter einer "funktionellen Dyspepsie". Die Ursachen für dieses Krankheitsbild sind noch unklar. Vermutet wird ein Zusammenspiel von psychischen und physischen Störungen, wobei bei letzteren vor allem eine verminderte Motilität sowie eine reduzierte Fettverdauung für die Beschwerden verantwortlich gemacht werden.

Ein Extrakt aus Curcuma longa als Therapieoption

Die Therapieoptionen bei funktioneller Dyspepsie sind zahlreich. Angefangen von Pirenzepin über H2-Antagonisten und Dopaminantagonisten bis hin zu den Peristaltika bieten sich zahlreiche Wirkstoffgruppen an, deren Wirkung zwar gut belegt, von denen jedoch auch die Nebenwirkungen hinlänglich bekannt sind. Alternativen hierzu sind Phytopharmaka wie Artischockenextrakt oder, aktuell, ein standardisierter Extrakt aus Curcuma longa (eine Kapsel enthält 81 mg Trockenextrakt aus Curcumawurzelstock, Auszugsmittel Ethanol 96%, Handelsname Curcu-Truw).

Die arzneiliche Verwendung von Curcuma longa ist aus der indischen und der indonesischen Volksheilkunde bereits seit Jahrhunderten bekannt. Abkochungen des Curcumawurzelstocks waren und sind unter anderem bei Oberbauchbeschwerden, daneben bei Wurmbefall, Durchfällen, aber auch bei Prellungen und entzündlichen Prozessen der Haut gebräuchlich.

Die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes bewertete 1985 die Anwendung von Curcumae longae rhizoma bei dyspeptischen Beschwerden. In einer mittlerweile veröffentlichten Monographie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden als Hauptindikationen die azide, flatulente oder atonische Dyspepsie genannt, darüber hinaus auch Ulcus pepticum, Schmerzen und Entzündungen bei der rheumatoiden Arthritis.

Verdauungsförderung durch Steigerung der Cholerese

Der Effekt von Curcuma longa bei dyspeptischen Beschwerden beruht auf einer Steigerung der Cholerese. Dass dadurch die Verdauung gefördert und dyspeptische Beschwerden gelindert werden können, wurde vor kurzem in einer Studie mit 440 Patienten nachgewiesen. 36 Prozent davon wurden mit der Diagnose Reizdarm in die Studie aufgenommen, 34 Prozent mit der Diagnose Dyspepsie, 18 Prozent wegen funktioneller Störungen des ableitenden Gallensystems und 12 Prozent aufgrund anderer unspezifischer Formen von Verdauungsstörungen. Bei ca. 80% der Patienten bestanden die Beschwerden bereits seit durchschnittlich 17 Wochen, hatten also einen chronischen Charakter. Eine Verstärkung der Beschwerden bei psychischer Belastung (psychovegetative Dysregulation) wurde für 78% angegeben.

Über einen Therapiezeitraum von vier Wochen erhielten alle Studienteilnehmer täglich zwei Kapseln Curcu-Truw, was einer Tagesdosis von ca. 2,8 g Droge entsprach. Erfasst wurde die Ausprägung der dyspeptischen Beschwerden wie Aufstoßen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Ober- und Unterbauch, Blähungen und Obstipation. Weiterhin wurde die Stuhlkonsistenz bewertet. Die Auswertung der Daten ergab eine signifikante Abnahme aller Symptome. Eine spürbare Wirkung der Therapie trat im Durchschnitt nach sechs Tagen ein.

Die Verträglichkeit wurde von 95,3 Prozent der Studienteilnehmer mit "ausgezeichnet" oder "gut" bewertet. Dementsprechend hoch war auch die Bereitschaft, die Behandlung konsequent durchzuführen. Die Compliance war bei 82 Prozent der Patienten sehr gut.

Lipidsenkende, antioxidative und antiinflammatorische Effekte

Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass der standardisierte Extrakt aus Curcuma longa eine gute Alternative zu den auf dem Markt befindlichen Therapieoptionen bei dyspeptischen Beschwerden darstellt. In weiteren Studien wurde zudem nachgewiesen, dass der Extrakt auch in der Lage ist, den Serumcholesterinspiegel zu senken. Untersucht werden derzeit mögliche antioxidative und antientzündliche Eigenschaften von Curcuma longa. Diese konnten in In-vitro-Modellen bereits gezeigt werden, Ergebnisse aus klinischen Studien liegen jedoch noch nicht vor.

Quelle: Prof. Dr. Volker Fintelmann, Hamburg, Dipl.-Biol. Tankred Wegener, Rheda-Wiedenbrück, Prof. Dr. Birgit Dräger, Halle-Wittenberg, Pressekonferenz Curcu-Truw, Sao Miguel/Portugal, 7. September 2001, veranstaltet von Truw Arzneimittel GmbH, Gütersloh

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