Arzneimittel und Therapie

Opioidanalgetika: Medikamentenmissbrauch in den USA

Eine neue "Modedroge" scheint sich, vorzugsweise in den ländlichen Gebieten der östlichen Bundesstaaten der USA, zu verbreiten. Wie der Spiegel (37/2001) berichtet, hat sich OxyContin®, seit es vor sechs Jahren durch das Unternehmen Purdue Pharma auf den Markt gebracht wurde, insbesondere in den US-Staaten West Virginia, Kentucky und Ohio zu einem ernsthaften Problem entwickelt.

Bei dem Inhaltsstoff von OxyContin®, dem starken Opioid Oxycodon, handelt es sich um einen halbsynthetischen Opiatantagonisten der WHO-Stufe 3, der in seiner Wirkungsweise dem Morphin ähnelt, aber die doppelte analgetische Wirkpotenz aufweist. Die Metabolisierung erfolgt in der Leber über das Cytochrom P450. Dabei wird mit Oxymorphon auch ein aktiver Metabolit gebildet.

Mit den seit März dieses Jahres auch in Österreich erhältlichen OxyContin® Retardtabletten steht nun ein Oxycodonhydrochlorid zur Verfügung, dessen biphasische Galenik einen raschen Wirkungseintritt (45 bis 60 Minuten) und eine lange Wirkdauer (zwölf Stunden) gewährleistet.

Während die Opioidanalgetika in Europa vor allem an Patienten mit chronischen Tumor- und anderen schweren Schmerzen sowie neuropathischen Schmerzen abgegeben werden und die Verschreibung strengen Kontrollen unterliegt, werden sie in den USA sehr viel einfacher verschrieben. In dieser relativ einfachen und legalen Möglichkeit der Beschaffung des Opioids liegt eine Ursache für den Missbrauch als "Arme-Leute-Heroin".

Zum anderen ist die Wirkung lang anhaltend, denn die Retardform des Medikaments sorgt dafür, dass der Wirkstoff über Stunden verteilt an den Körper abgegeben wird. Das Medikament wird aber auch klein gehackt durch die Nase gezogen - gesnifft - oder auch der Inhalt der Kapseln gespritzt. Süchtige berichten dann von heroinähnlichen Highs und Entzugssymptomen. ck

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