Arzneimittel und Therapie

Toxikologie: Fomepizol gegen Methanolvergiftung

Mit dem Alkoholdehydrogenasehemmer Fomepizol steht erstmals ein effektives Antidot bei Methanolvergiftungen zur Verfügung, dessen Wirksamkeit - im Gegensatz zu dem sonst verwendeten Ethanol - in einer multizentrischen Studie nachgewiesen wurde.

Eine Vergiftung mit Methanol kann schwerwiegende Spätfolgen haben oder zum Tode führen. Methanol selbst ist nicht giftig, jedoch seine Metaboliten Formaldehyd und Ameisensäure. Methanol wird über die Alkoholdehydrogenase zu Formaldehyd oxidiert, dieser wiederum durch die Formaldehyd-Dehydrogenase zu Ameisensäure, welche für die metabolische Azidose und die Gewebeschädigungen verantwortlich ist.

Üblicherweise wird bei einer Methanolvergiftung Ethanol verabreicht, da dieser die Alkoholdehydrogenase kompetitiv hemmt. Dieses Vorgehen wirft einige Probleme auf: Zum einen ist Alkohol in intravenös zu applizierender Form nicht immer ad hoc verfügbar und zum andern müssen die mit Ethanol behandelten Patienten engmaschig kontrolliert werden, um potenzielle Leberschädigungen und Hypoglykämien zu vermeiden. Darüber hinaus gibt es bislang keine prospektiven Studien, die die Wirksamkeit von Ethanol bei einer Methanolvergiftung untersucht haben; die vorliegenden klinischen Daten stammen größtenteils aus Einzelfallberichten.

Fomepizol hemmt Alkoholdehydrogenase

Fomepizol (4-Methylpyrazol; Antizol) ist ein Inhibitor der Aldehyd-Dehydrogenase, der bei Ethylenglykol-Intoxikationen verwendet wird und der im Tierversuch bereits erfolgreich bei Methanolvergiftungen eingesetzt wurde.

In einer multizentrischen Studie wurde nun seine Wirkung bei elf Patienten mit einer akuten, schweren Methanolintoxikation untersucht. Die teilweise bereits komatösen Patienten erhielten Fomepizol intravenös (neben einer Elektrolyt- und Glucosezufuhr), bis die Serummethanolkonzentration unter 20 mg/dl absank. Im Bedarfsfall wurde zusätzlich eine Hämodialyse durchgeführt. In regelmäßigen Abständen wurden die Plasmakonzentrationen der Ameisensäure und des Antidots gemessen. Zur Bewertung des Therapieerfolgs wurden der Erhalt der Sehschärfe, das Beheben der metabolischen Azidose, die Hemmung der Ameisensäurebildung sowie das Auftreten eventueller Spätschäden herangezogen.

Zwei Patienten, die bereits bei ihrer Hospitalisierung im Koma lagen, starben. Die anderen Patienten erholten sich ohne Spätfolgen. Nach der Gabe von Fomepizol sanken die Plasmakonzentrationen der Ameisensäure, und die metabolischen Abweichungen normalisierten sich. Die Eliminationshalbwertzeit von Methanol betrug während der Therapie 54 Stunden. Die zu Beginn der Therapie festgestellten visuellen Beeinträchtigungen waren am Ende der Studie nicht mehr feststellbar. Fomepizol wurde gut vertragen und zeigte nur geringfügige unerwünschte Wirkungen; insbesondere traten unter der Therapie weder Hypoglykämien noch Veränderungen im mentalen Status auf.

Kastentext: Symptome einer Methanolvergiftung

Als erste Vergiftungssymptome treten nach einer Latenz von einigen Stunden gastrointestinale Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen auf. Später werden die Patienten bewusstlos und sterben - unbehandelt - an einer Atemlähmung. Die für eine Methanolvergiftung typische Schädigung des Gesichtssinns beginnt - meist am dritten Tag - zunächst mit einem (reversiblen) Retinaödem, wodurch das Sehvermögen beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben wird. Später kommt es in vielen Fällen zu einer irreversiblen Sehnervschädigung mit der Gefahr der völligen Erblindung.

Literatur: Brent, J., et al.: Fomepizole for the treatment of methanol poisoning. N. Engl. J. Med. 344, 424 - 429 (2001).

Mit dem Alkoholdehydrogenase-Hemmer Fomepizol steht erstmals ein effektives Antidot bei Methanolvergiftungen zur Verfügung, dessen Wirksamkeit - im Gegensatz zu dem sonst verwendeten Ethanol - in einer multizentrischen Studie nachgewiesen wurde.

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