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Gemeinschaft Sant' Egidio: Kampf gegen AIDS in Mosambik

Mit einem groß angelegten Projekt zur Bekämpfung von AIDS unterstützt die internationale christliche Laienbewegung Sant' Egidio das Land Mosambik. Zuletzt stand Mosambik wegen der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2000 in den Schlagzeilen.

In Mosambik war 1992 ein 16 Jahre dauernder Bürgerkrieg durch ein Friedensabkommen beendet worden, das auf Vermittlung von Sant' Egidio zustande gekommen war, und seitdem war eine positive wirtschaftliche wie auch politische Entwicklung zu beobachten. Doch Mosambik, noch immer eines der ärmsten Länder der Welt, kommt nicht zur Ruhe.

Fast jeder Zehnte ist HIV-positiv

Eines der größten Probleme ist, wie in allen afrikanischen Staaten südlich der Sahara, die Ausbreitung von AIDS. Weltweit sind 36,1 Millionen Menschen HIV-positiv, allein in Afrika südlich der Sahara leben 25,3 Millionen. Im Jahr 2000 sind in Afrika 2,4 Millionen Menschen an AIDS gestorben. Von den 18 Millionen Einwohnern Mosambiks sind etwa 1,5 Millionen HIV-positiv, bislang sind ca. 100000 Personen in Mosambik an AIDS gestorben. Jedes Jahr werden 25000 mit dem HI-Virus infizierte Kinder geboren. Ungefähr 170000 AIDS-Waisen leben im Land.

Die Zukunft des Landes ist durch diese Entwicklung elementar bedroht. Aus eigener Kraft kann sich Mosambik nicht helfen: Es verfügt über etwa 17 Ärzte pro 100000 Einwohner (zum Vergleich: in Deutschland kommen auf 100000 Einwohner 350 Mediziner), jährlich gibt es im Durchschnitt 4 Dollar pro Einwohner für das Gesundheitswesen aus.

In Europa und Nordamerika können seit Einführung der Highly active antiretroviral therapy (HAART) beachtliche Behandlungserfolge erzielt und die Lebenserwartung HIV-positiver Personen entscheidend verlängert werden. In den afrikanischen Staaten jedoch sind antiretrovirale Medikamente aus verschiedenen Gründen kaum verfügbar und anwendbar: Die hohen Arzneimittelpreise für antiretrovirale Medikamente und andere Präparate bleiben weiterhin ein großes Hindernis, auch wenn mehrere Hersteller nicht zuletzt wegen des öffentlichen Drucks die Preise erheblich gesenkt haben.

Strukturelle Probleme

Doch die Arzneimittelkosten sind nicht das einzige Problem: Im allgemeinen fehlen den afrikanischen Gesundheitssystemen die strukturellen Voraussetzungen zur Durchführung von HAART und zur Therapie opportunistischer Infektionen. Die Labors sind, soweit überhaupt welche vorhanden sind, zur HIV-Diagnostik und Überwachung der antiretroviralen Therapie (Bestimmung von Viruslast und CD4+-Lymphozytenzahl) nicht ausgerüstet.

Dazu kommen politische Probleme, da oft seitens der Regierungen der politische Wille zur Durchführung von AIDS-Programmen fehlt. Zudem breitet sich in der Bevölkerung Hoffnungslosigkeit aus: Welche Motivation hat ein Kranker, sich einem AIDS-Test zu unterziehen, wenn die Feststellung der Seropositivität nur sein Todesurteil bedeutet, da er ohnehin keine Perspektive auf eine adäquate Behandlung hat?

Therapie als Präventionsmaßnahme

Die Gemeinschaft Sant' Egidio will mit dem Projekt zeigen, dass es trotz aller Probleme mit den heutigen medizinischen Mitteln möglich ist, AIDS in einem afrikanischen Land einzudämmen. Neben der sicherlich wichtigen Aufklärung und der Gesundheitserziehung will das Projekt AIDS-Kranke therapieren und das Gesundheitssystem des Landes insgesamt verbessern.

Angesichts der unkontrollierten Ausbreitung der AIDS-Epidemie in Afrika wird immer klarer, dass reine Präventionsprogramme zur Eindämmung von HIV/AIDS nicht ausreichen: Prävention ist ohne die breite Anwendung der antiretroviralen Therapie nicht effektiv, und die Therapie ist eine unverzichtbare Spielart der Prävention. Das Problem der AIDS-Waisen und der zerfallenden Familien kann nur gelöst werden, wenn die HIV-positiven Mütter durch antiretrovirale Medikamente am Leben bleiben. Solange aus Geldmangel Spritzen mehrmals verwendet werden und es kein HIV-Screening bei Blutspendern gibt, solange grundlegende Hygienevorkehrungen nicht getroffen werden, kann AIDS nicht gestoppt werden.

Konkrete Zielsetzungen

Das Projekt von Sant' Egidio hat eine ganze Reihe von konkreten Zielsetzungen: HIV-Tests sollen vor allem für Blutspender - um durch ein HIV-Screening die Sicherheit von Bluttransfusionen und Blutprodukten zu erhöhen- und schwangere Frauen verfügbar gemacht werden. Durch einfache antiretrovirale Therapieregime kann die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des Virus von einer HIV-positiven Schwangeren auf ihr Kind (Mother to child transmission) von knapp 30% auf 13%, also um mehr als die Hälfte, gesenkt werden. Längerfristig ist die antiretrovirale Therapie von HIV-positiven Mütter geplant. "Mit etwa 400 Mark können wir das Leben eines Kindes retten", so der Arzt Leonardo Palombi, einer der Verantwortlichen der Gemeinschaft Sant' Egidio für das Projekt. "Mit weiteren 1100 Mark kann das Leben der Mutter um mehrere Jahre verlängert werden." So kann verhindert werden, dass eine ganze Generation von Kindern bereits HIV-positiv zur Welt kommt oder in frühester Kindheit die Mutter verliert.

Gleichzeitig müssen auch sexuell übertragbare Krankheiten, Malaria und opportunistische Infektionen wie Tuberkulose behandelt werden, um die HIV-positiven Menschen umfassend zu versorgen. Sant' Egidio rüstet für das Projekt zunächst drei Krankenhäuser in den drei größten Städten des Landes, Maputo, Beira und Nampula aus und richtet molekularbiologische Labors ein, in denen HIV-Tests und Bestimmungen der Viruslast und CD4+-Lymphozytenzahl durchgeführt werden können. Das einheimische Personal wird vor Ort aus- oder weitergebildet. Häusliche Pflegedienste zur Nachsorge werden eingerichtet.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet, um durch dasMonitoring und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Daten die Machbarkeit von breit angelegten AIDS-Programmen nachzuweisen und eine Umsetzung auch in anderen Ländern anzuregen.

Finanzielle Unterstützung

Das mosambikanische Gesundheitsministerium hat ausdrücklich seine Bereitschaft erklärt, durch dieses umfassende Projekt die AIDS-Epidemie zu bekämpfen, und ist an der Durchführung beteiligt. Finanzielle Unterstützung erfolgt z.B. auch durch das UNO-Hilfswerk UNESCO. Allerdings ist Sant' Egidio für die Finanzierung des Projektes hauptsächlich auf private Spenden angewiesen. "Wir rechnen mit Gesamtkosten in Höhe von drei Millionen Mark jährlich", erklärt Leonardo Palombi, "und hoffen auf die großzügige Unterstützung von Spendern aus Europa".

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