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Zöliakie: Uncharakteristische Symptome erschweren die Diagnose

Das Wissen um die Glutenunverträglichkeit, Zöliakie, ist erheblich gestiegen. Dennoch gibt es immer wieder Fälle von unerklärlichem Gewichtsverlust und Entwicklungsstörungen bei Kindern, die nicht zur richtigen Diagnose führen, so die Aussage von Klaudia Pütz, Ernährungsmedizinische Beraterin beim Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.).

Die entscheidende Diagnose erfolgt mit einem mikroskopischen Nachweis der Zottenatrophie nach einer Dünndarmbiopsie. Wer an Zöliakie leidet, bei Erwachsenen als Sprue bezeichnet, muss das für andere Menschen harmlose Getreideprotein Gluten meiden. Dieses ist ein Bestandteil von Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Grünkern und Dinkel.

Zu den klassischen, häufigsten Symptomen im Kindesalter, zählen Durchfall, vorgewölbter, geblähter Unterbauch, Appetitlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Wachstumsstörungen sowie unterentwickelte Muskeln. Wird die Erkrankung nicht erkannt und behandelt, kann es aufgrund einer Malabsorption des Dünndarms zu einem Mangel an Zink, Eisen, Calcium, Folsäure, Vitamin B12 sowie fettlöslichen Vitaminen mit entsprechenden Folgeerkrankungen kommen. Die Betroffenen leiden neben der mangelhaften Aufnahme von Nährstoffen auch an Untergewicht.

Tritt die Erkrankung erst im Erwachsenenalter auf, können wichtige Merkmale der Krankheit schwerer erkennbar sein oder ganz fehlen. Häufig sprue-assoziierte Krankheiten sind beispielsweise Anämien, Osteoporose, Diabetes mellitus Typ-1 oder Epilepsie.

Laut DIET-Schätzungen kommt auf 300 Neugeborene ein Zöliakie-Erkrankter. Die Zahlen belegen, dass es sich um eine recht häufig auftretende Krankheit handelt. Zur Prävention der Zöliakie wird insbesondere in Familien mit genetischer Disposition ein sechsmonatiges Stillen empfohlen. Getreideprodukte sollten erst ab dem sechsten Monat in Form von Beikost in den Speiseplan eingeführt werden, um diese Glutenunverträglichkeiten nicht zu provozieren, betont Pütz.

Die einzige Behandlungsmethode bei Zöliakie ist für den Betroffenen die Einhaltung einer strengen, lebenslangen glutenfreien Ernährung. Damit ist eine große Palette alltäglicher Nahrungsmittel für Kranke mit Zöliakie oder Sprue tabu. Listen mit geeigneten Lebensmitteln, in denen kein Gluten versteckt ist, sind für den Betroffenen unentbehrlich. Sie werden von Zöliakiegesellschaften periodisch herausgegeben. Reis, Mais, Buchweizen, Hirse, Kartoffeln, Kastanien, Hülsenfrüchte sind pflanzliche Lebensmittel, die kein Gluten enthalten und mit denen man eine Vielfalt angemessener Speisen zubereiten kann.

Es gibt aber auch eine Reihe von diätetischen Lebensmitteln, die für eine glutenfreie Ernährungsweise hergestellt werden. Ein Symbolzeichen (durchgestrichene Getreideähre), das die absolute Glutenfreiheit garantiert, ist mittlerweile geschaffen worden. Dieses Zeichen ist eingetragen und geschützt. Es darf nur in Absprache mit der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V. (www.dzg-online.de) für die Auszeichnung glutenfreier Produkte verwendet werden.

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