Berichte

Kroatien: Pharmaziekongress der Superlative

Unter Leitung von Prof. Dr. Nikolo Kujundi, dem Dekan der Fakultät für Pharmazie und Biochemie der Universität Zagreb, fand in Cavtat (Süddalmatien) vom 31. Mai bis 3. Juni 2001 der 2. Kroatische Pharmaziekongress mit internationaler Beteiligung statt.

Kompetente Gesundheitsministerin

Den Kongress kann man sich vorstellen als eine Mischung aus der Jahrestagung der Pharmazeutischen Gesellschaft, den Fortbildungstagungen in Davos, Stuttgart und Meran und dem Deutschen Apothekertag. Er war in mehrfacher Hinsicht und aus folgenden Gründen bemerkenswert.

Imponierend waren

  • die hohe Beteiligung von mehr als 1500 kroatischen Apothekerinnen und Apothekern, die zu mehr als 60Prozent der jüngeren Generation angehörten,
  • die persönliche Anwesenheit der Gesundheitsministerin Frau Prof. Dr. Ana Stavljeni-Rukavina, die nicht nur die Schirmherrschaft übernommen und das Grußwort vorgetragen hat, sondern auch den Eröffnungsvortrag mit dem Thema "Reform of the Health Care System in the Republic of Croatia" gehalten hat und später als eifrige Zuhörerin bis zum Schluss des Kongresses bei den Vorträgen anwesend war,
  • die naturwissenschaftlich geprägte Sachkenntnis der Gesundheitsministerin, die nicht nur in ihrem Vortrag zum Ausdruck kam, sondern auch im persönlichen Gespräch mit dem Berichterstatter,
  • das hohe Niveau des wissenschaftlichen Programms mit elf Plenarvorträgen, 50 Kurzvorträgen in zwei Vortragssälen und 170 Postern, erstellt von meist jüngeren Autoren, sowie die hohe Zuhörerzahl in den wissenschaftlichen Vorträgen.

    Da die Kongressteilnehmer zum überwiegenden Teil Offizinapotheker waren, hatte das wissenschaftliche Komitee um Professor Kujundi darauf geachtet, dass die wissenschaftlichen Vorträge (nicht die Poster!) einen Bezug zur Apothekenpraxis und zum Pharmaziestudium hatten.

    Internationales Vortragsprogramm

    Aus der Bundesrepublik Deutschland waren die Professoren Jennifer Dressman, Frankfurt, Henning Blume, Oberursel, und Heinz Schilcher, München, zu je einem Plenarvortrag eingeladen worden. Dressman sprach zum Thema "Solubility considerations in pharmacokinetic lead optimization". Blume referierte über "New BA/BE guidelines in Europe and the USA", und der Vortrag von Schilcher lautete: "The significance of phytotherapy in Europe". Letzterer wurde insbesondere von der Gesundheitsministerin, Frau Stavljeni-Rukavina, mit großem Interesse verfolgt, da man in Kroatien soeben damit beginnt, die Phytopharmaka als Arzneimittel und nicht als "Dietary Supplements" einzustufen.

    Ebenfalls mit großem Interesse wurden die Plenarvorträge von Prof. Dr. Jan G. Tucker, Neuseeland, über "Advances in drug delivery" und von Prof. Dr. J. Bates, London, über "Quality measures in post-graduate clinical pharmacy programmes in the UK" verfolgt. Sämtliche Vorträge konnten in einem aufwendig hergestellten Abstract-Buch, zu 40Prozent in englischer Sprache, nachgelesen werden.

    Gelungene Veranstaltung

    Imponierend waren ferner

  • die perfekte Organisation durch die Mitarbeiter der Pharmazeutischen Fakultät der Universität Zagreb, unterstützt durch einen professionellen Kongressveranstalter,
  • das äußerst stimmungsvolle Congress Dinner für 1600 Gäste an der mit Fackeln beleuchteten "Cavtat Waterfront", eine für uns Mitteleuropäer undenkbare Veranstaltung im Freien, ohne Ansprachen, dafür aber unter Mitwirkung einer mitreißenden Musikkapelle und mit vorzüglichem Essen,
  • das große Interesse der kroatischen Universitätskollegen an der pharmazeutischen Ausbildung an deutschen Universitäten sowie das ebenso große Interesse der kroatischen Offizinapotheker am deutschen Apothekenwesen.

    Der Falkultät für Pharmazie und Biochemie der Universität Zagreb kann man zu dem gelungenen "Second Croatian Congress on Pharmacy" im höchsten Maße gratulieren und der jungen demokratischen Republik Kroatien wünschen, dass die Reform des Gesundheitswesens, wie sie von Frau Prof. Stavljeni-Rukavina vorgestellt worden ist, bald umgesetzt wird. Die deutschen Gesundheitspolitiker sollten sich das Konzept durchaus einmal anhören.

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