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Botulinumtoxin zur Linderung von Rückenschmerzen

Bei schwitzenden Händen, gegen Schielen und zur Entfernung von Falten ist der Einsatz von Botulinumtoxin bereits bekannt. Über einen neuen Therapieansatz berichteten vor kurzem Wissenschaftler vom Walter Reed Army Medical Center in Washington.

Wie sie in der Fachzeitschrift "Neurology" schreiben, setzten sie das Gift bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen ein. 31 Teilnehmer wurden in die Studie aufgenommen. Sie litten durchschnittlich seit sechs Jahre unter Schmerzen im unteren Rückenbereich, davon die letzten sechs Monate permanent. 15 der Probanden erhielten insgesamt 200 Einheiten Botulinumtoxin Typ A, verteilt auf fünf Portionen zu je 40 Einheiten in die Nähe der Austrittsstelle der Spinalnerven am Ort des Schmerzes injiziert. Die verbleibenden 16 Probanden dienten der Kontrolle und bekamen eine Kochsalzinjektion. Der Grad der Schmerzlinderung wurde anhand von Schmerzskalen ermittelt. Ergebnis: Nach drei Wochen berichteten 11 der 15 Patienten aus der Botulinumgruppe über einen Rückgang der Schmerzen um mindestens 50 Prozent. In der Kontrollgruppe wurde nur von vier Patienten eine Schmerzlinderung wahrgenommen. Nach acht Wochen waren die Rückenschmerzen immerhin noch bei neun Probanden der Verumgruppe reduziert, jedoch nur bei zwei aus der Kontrollgruppe. Nebenwirkungen wurden in der Botulinumgruppe nicht festgestellt.

Die genaue Wirkungsweise des Toxins ist noch unklar. Vermutet wird eine Reduktion der Muskelspannung unter Gifteinwirkung sowie ein hemmender Effekt auf Schmerzrezeptoren und/oder sensorische Fasern. Dies soll nun in weiteren Studien überprüft werden. Ebenso soll untersucht werden, wie lange die Schmerzlinderung aufrechterhalten werden kann. Eine einmalige Injektion bewirkt einen etwa zwei bis dreimonatigen Effekt. Noch weiß man nicht, ob sich diese Zeitspanne durch weitere Injektionen verlängern lässt oder ob die Wirkung im Sinne eines Gewöhnungseffekts nachlässt. ral

Quelle: Neurology 2001, Vol. 56, Nr. 10, S. 1290 - 1293

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