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Aktionswoche "Chronischer Schmerz"

BERLIN (sw). Zum Auftakt der Aktionswoche "Chronischer Schmerz" wurden im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin am 24. März Ziele und Inhalte der Aktionswoche, neue Forschungsergebnisse und der aktuelle Stand der Schmerztherapie in Deutschland vorgestellt.

Schmerzen sind Warnsignale des Körpers, die auf eine Verletzung oder Krankheit hinweisen können. Wenn Sie länger dauern, sollten die Ursachen unbedingt vom Arzt abgeklärt werden. Nicht richtig behandelte akute Schmerzen können chronisch werden. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Schmerz verarbeitenden Nervenzellen in Peripherie, Rückenmark und Gehirn ihre Struktur und Funktion verändern können, wenn sie über längere Zeit starken Schmerzen ausgesetzt sind. Sie "feuern" spontan und auch dann noch, wenn die primäre Schmerzursache beseitigt ist. Dadurch erklären sich beispielsweise Phantomschmerzen nach Amputationen. Es ist deshalb therapeutisch besonders wichtig, derartige Sensibilisierungsvorgänge zu verhindern und somit einer Chronifizierung vorzubeugen. Dafür gibt es zahlreiche Verfahren (beispielsweise Narkose über das Rückenmark, nicht über das Gehirn); weiterer Forschungsbedarf besteht. Chronisch Schmerzkranke sind Patienten, bei denen der Schmerz seine Leit- und Warnfunktion verloren und selbständigen Krankheitswert erlangt hat. Daraus resultiert auch das Recht auf eine Schmerztherapie.

Zahlen zum Schmerz

32 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schmerzen, rund 7,5 Mio. sind von chronischen Schmerzen betroffen, 1,6 Mio. haben schwerste chronische Schmerzen. Dabei sind 30 % Rücken-, 20 % Nerven-, 20 % Rheuma-/Arthrose- und 10 % Tumorschmerzen. Die direkten und indirekten Kosten chronischer Rückenschmerzen beispielsweise belaufen sich in Deutschland auf 40 Milliarden DM/Jahr!

Aus Patientenbefragungen hat sich ergeben, dass 46 % der Betroffenen in der Altersgruppe der 36- bis 55-Jährigen zu finden sind, nur 21 % bei den über 65-Jährigen. Die typische Patientenkarriere ist durch einen vieljährigen Leidensweg, die Konsultation diverser Ärzte verschiedener Fachrichtungen, ergebnislose Krankenhausaufenthalte und langandauernde Krankschreibungen gekennzeichnet. Häufig wird der Kranke zusätzlich zu seinen Schmerzen noch als Simulant beleidigt. Zur Chronifizierung tragen auch psychische und soziale Faktoren bei (Somatisierungstendenz, Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz u. a.).

Ca. 20 % der befragten Patienten geben seelische Belastungen als Ursachen für ihre chronischen Schmerzen an. Schmerztherapeuten verweisen immer wieder darauf, dass es sich um ein bio-psychosoziales Gefüge handelt und dass eine gleichzeitige Therapie auf verschiedenen Ebenen stattfinden muss, z. B. Schmerzmittel, Krankengymnastik und Gesprächstherapie. Im heutigen Medizinstudium kommt dies leider noch nicht vor.

Zur Behandlung von starken Schmerzen, insbesondere Tumorschmerzen sind ausreichend geeignete Schmerzmittel vorhanden, die die Lebensqualität der Patienten entscheidend verbessern können und bei sachgerechter Anwendung keine (häufig befürchtete) Abhängigkeit hervorrufen.

Fundierte Aufklärung der Bevölkerung

Seit 1985 organisiert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände - ABDA mehrmals im Jahr Aktionswochen zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Dieses Mal ist es das Thema Schmerz. Gemeinsam mit Kooperationspartnern wie dem Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e. V. und der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes soll verstärkt eine fundierte Aufklärung der Bevölkerung stattfinden. Die Aktionswoche "Chronischer Schmerz" unter dem Motto "Wehr Dich - gegen den Schmerz" steht unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Bildung und Forschung. Der chronische Schmerz und insbesondere seine Vorbeugung sind Bestandteil des Programms zur Gesundheitsforschung. Immerhin suchen täglich bis zu 4 Millionen Menschen eine Apotheke auf - die Apotheken können also viele Menschen erreichen. Sie bieten in diesen Tagen eine Broschüre zum Thema an sowie einen Fragebogen der dem Betreffenden anzeigt, ob seine Schmerzen möglicherweise ärztlicher Behandlung bedürfen.

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