Arzneimittel und Therapie

Morbus Crohn: Weihrauch besser als Mesalazin?

In einer klinischen Studie wurden Boswelliasäuren aus dem indischen Weihrauch bei Patienten mit Morbus Crohn eingesetzt. Dabei zeigte sich, dass der Weihrauchextrakt mindestens so wirksam war wie die Referenzsubstanz Mesalazin.

Zur Therapie eines Morbus Crohn werden Glucocorticoide, Aminosalicylate wie 5-Aminosalicylsäure oder Olsalazin, Azathioprin, Metronidazol, Ciprofloxacin und Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor alpha (z.B. Infliximab) eingesetzt. Mittel der Wahl sind Glucocorticoide; bei einer Steroidunverträglichkeit werden 5-Aminosalicylsäure-Derivate eingesetzt. Seit einigen Jahren wird den im Weihrauch enthaltenen Boswellia-Säuren (z.B. im Präparat H15) zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt, da sie ebenfalls eine stark entzündungshemmende Wirkung aufweisen.

Studie mit dem Weihrauchpräparat H15

In einem randomisierten und doppelblinden Parallelgruppenvergleich wurden Mesalazin und das Weihrauchpräparat H15 bei Patienten mit aktivem Morbus Crohn miteinander verglichen. Vor Studienbeginn wurde eine genaue Anamnese erstellt, die neben allgemeinen Parametern auch klinische Symptome und laborchemische Untersuchungen beinhaltete. Ferner führten die Patienten über eine Woche hinweg ein Tagebuch, in dem sie ihr Allgemeinbefinden beurteilten, Angaben zur Stuhlfrequenz und -konsistenz und dem Auftreten von Bauchschmerzen machten. Aufgrund der vorliegenden Angaben wurde der CDAI (Crohn Disease Activity Index) bestimmt.

Für die Studie wurden 102 Patienten ausgewählt, von denen 83 bis zum Ende teilnahmen. 44Patienten erhielten acht Wochen lang täglich drei Tabletten H15 (eine Tablette H15 enthält 400mg eines standardisierten Boswellia-serrata-Extraktes), die 30 Studienteilnehmer der Vergleichsgruppe drei mal täglich 1500 mg Mesalazin. In zweiwöchigen Abständen wurden das Patiententagebuch überprüft, unerwünschte Ereignisse der Therapie festgehalten und der CDA-Index ermittelt. Das Hauptzielkriterium war die Änderung des CDA-Index vom Zeitpunkt der Aufnahmeuntersuchung bis zur letzten Kontrolluntersuchung.

H15 günstiger als Mesalazin

Durch die Einnahme von H15 wurde der CDA-Index im Mittel um 90 Punkte, durch die Therapie mit Mesalazin um durchschnittlich 53 Punkte reduziert. Die Verbesserung des CDA-Index war nach der Therapie mit H15 klinisch deutlicher als nach der Therapie mit Mesalazin, wenngleich der Unterschied statistisch nicht signifikant war (P= 0,061). Zur Beurteilung der Therapie wurden weitere Kriterien wie die Verträglichkeit berücksichtigt. Unter H15 kam es zu acht (sieben Infekte, einmal Müdigkeit), unter der Einnahme von Mesalazin zu 17 (13 Infekte, vier typische Mesalazin-assoziierte Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel) unerwünschten Ereignissen. Infekte und arzneimittelassoziierte Nebenwirkungen traten also in der Mesalazingruppe häufiger auf als in der H15-Gruppe. Somit ist bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Verträglichkeit der Boswellia-serrata-Extrakt H15 günstiger zu bewerten als Mesalazin.

Kastentext: Boswellia-serrata-Extrakt H15

Boswelliasäuren sind pentazyklische Triterpene, die aus dem Harz des indischen Weihrauchbaums gewonnen werden. Sie hemmen die 5-Lipoxygenase, was zu einer verminderten Leukotriensynthese führt, haben aber keine Wirkung auf die Prostaglandinsynthese. Die Wirkung von Boswelliasäuren wurde bislang in Studien bei chronischer Polyarthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale und gewissen Hirntumoren untersucht. In vorliegender Untersuchung wurde das Weihrauchpräparat H15 verwendet, das einen Trockenextrakt aus Boswellia serrata enthält.

Literatur: Gerhardt, H., und Mitarb.: Therapie des aktiven Morbus Crohn mit dem Boswellia-serrata-Extrakt H15. Z. Gastroenterol. 39, 11-17 (2001).

In einer klinischen Studie wurden Boswelliasäuren aus dem indischen Weihrauch bei Patienten mit Morbus Crohn eingesetzt. Dabei zeigte sich, dass der Weihrauchextrakt mindestens so wirksam war wie die Referenzsubstanz Mesalazin.

2 Kommentare

Welcher Hersteller von H15

von Anna-Lena am 09.07.2019 um 19:02 Uhr

Hallo,

um welchen Hersteller handelt es sich bei dem Weihrauchpräparat H15? Ich finde dazu einige im Internet.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Welcher Hersteller von H15

von Thomas am 06.11.2019 um 0:09 Uhr

Hallo Anna-Lena,
Das würde mich auch interessieren. Hast du das passende Mittel schon finden können?

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