Arzneimittel und Therapie

Typ-2-Diabetes: Sinnvolle Kombinationstherapie mit Acarbose

Die Frühphase eines Typ-2-Diabetes ist durch postprandiale Blutzuckeranstiege charakterisiert. Acarbose senkt vor allem diesen postprandialen Wert und ist deshalb als Monotherapeutikum in der Frühphase und später als Kombinationspartner mit weiteren Antidiabetika geeignet.

Bei der Behandlung eines Diabetes kommen mehrere Optionen in Frage. Zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen, deren Bedeutung nicht hoch genug einstuft werden kann, zählen die Ernährung, körperliche Aktivität, umfangreiche Aufklärung und Schulungsmaßnahmen sowie eine regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle. Medikamentös werden Acarbose, Sulfonylharnstoffe, Biguanide, Glinide, Glitazone und Insulin eingesetzt. Welchem dieser Wirkstoffe der Vorzug gegeben wird, hängt unter anderem von bestehenden Begleiterkrankungen, der Compliance und dem Ausmaß der Erkrankung ab.

Therapieziel: gute Blutzuckereinstellung

Das Therapieziel ist eine gute Blutzuckereinstellung mit einem HbA1c-Wert unter 6,5%. Um dies zu erreichen, ist häufig eine Kombinationstherapie erforderlich. Der Auswahl einer geeigneten Therapie geht eine ausführliche Anamnese voraus, in der unter anderem auch abgeklärt wird, ob bestimmte Risikofaktoren wie Belastungshypertonie, Adipositas, koronare Herzerkrankungen, positive Familienanamnese, Nephropathie oder Dyslipidämie vorliegen und gegebenenfalls ebenfalls behandelt werden müssen.

Senkung des postprandialen Blutzuckeranstiegs

Seit 10 Jahren wird der Alpha-Glucosidasehemmer Acarbose in der Diabetestherapie eingesetzt. Acarbose verzögert die Resorption der Kohlenhydrate im Darm und vermindert dadurch die Glucoseaufnahme im oberen Dünndarm. Dafür gelangen mehr Kohlenhydrate in die tieferen Darmabschnitte, die Glucose flutet langsamer an, und es kommt zu einer Reduktion des postprandialen Blutzuckeranstiegs. Im Durchschnitt wird eine Senkung des postprandialen Blutzuckerspiegels um 60 mg/dl erzielt. Die erniedrigten Blutzuckerwerte mindern die Glucosetoxizität und vermitteln eine bessere Wirkung des Insulins am peripheren Insulinrezeptor; die Insulinresistenz nimmt ab. Die Glucose kann im Zielgewebe besser verwertet werden, was zusätzlich ein Absinken der Nüchtern-Blutzuckerwerte bewirkt.

Da die frühe Phase eines Typ-2-Diabetes durch erhöhte postprandiale Blutzuckeranstiege gekennzeichnet ist, eignen sich Glucosidasehemmer besonders für die Therapie eines Diabetes in der Frühphase. Darüber hinaus ist Acarbose gewichtsneutral bzw. führt einigen Studien zufolge sogar zu einer leichten Gewichtsabnahme, was bei adipösen Patienten von Vorteil ist.

Acarbose als Kombinationspartner

Wird mit Glucosidasehemmern allein keine ausreichende Blutzuckersenkung erzielt, kann eine Kombinationstherapie durchgeführt werden. Zur Zeit wird Acarbose mit Metformin, Sulfonylharnstoffen und Insulin kombiniert. Üblicherweise wird bei Vorliegen einer Hyperinsulinämie Acarbose zunächst mit Metformin zusammen gegeben. Bei abnehmender Insulinsekretion bietet sich dann eine Gabe mit Sulfonylharnstoffen an. Im Gegensatz zu der Kombination Sulfonylharnstoff plus Metformin sind hier keine kardiovaskulären Nebeneffekte zu befürchten. Sinnvoll erscheint auch die Kombination von Acarbose und Insulinsensitizer, was aber bislang noch nicht in Studien überprüft worden ist. Acarbose kann auch mit Insulin zusammen gegeben werden, da der Glucosidasehemmer keine Hypoglykämien induziert.

Kastentext: Zielwerte beim Diabetiker

HbA1c-Wert 6,5% Blutdruck 140/85 (bei Mikroalbuminämie 130/80) Triglyceride 150 mg/dl LDL 115 mg/dl

Kastentext: Risikofaktor postprandiale Hyperglykämie

Prospektiven Studien zufolge stellt die postprandiale Hyperglykämie einen eigenständigen Risikofaktor beim Typ-2-Diabetes dar. Sie ist direkt mit einer erhöhten Intima-Media-Dicke als Marker für arteriosklerotische Veränderungen assoziiert, was aus der RIAD-Studie (Risk Factors in IGT for Arteriosclerosis and Diabetes) hervorgeht.

Quelle: Nach Vorträgen von Prof. Dr. Eberhard Standl, München, Dr. David Ebsworth, Wuppertal, Prof. Dr. Burkhard Göke, München; Pressegespräch "State of the Art-Symposium. Therapie des Typ 2-Diabetes im Wandel", am 2. Februar 2001 in Schloss Bensberg, Köln; veranstaltet von den Firmen Bayer und Asche.

Die Frühphase eines Typ-2-Diabetes ist durch postprandiale Blutzuckeranstiege charakterisiert. Acarbose senkt vor allem diesen postprandialen Wert und ist deshalb als Monotherapeutikum in der Frühphase und später als Kombinationspartner mit weiteren Antidiabetika geeignet.

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