Pharmakognosie

E. Fiegert-SeibtPerilla frutescens – Schwarzne

In den asiatischen Ländern ist Perilla frutescens (Schwarznessel)) eine weit verbreitete Kulturpflanze, die nicht nur als beliebtes Küchengewürz dient, sondern auch den Rohstoff für hochwertige Nahrungs- und Arzneimittel liefert. Von den vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Pflanzenteile fand besonders das aus den Früchten gewonnene Öl aufgrund seines hohen Anteils an mehrfach ungesättigten Fettsäuren starke Beachtung in der neueren wissenschaftlichen Literatur.

Die Gattung Perilla aus der Familie Lamiaceae, Unterfamilie Nepetoideae, Tribus Saturejeae weist als wichtigste Art Perilla frutescens (L.) Britt. (syn. P. ocymoides L., Ocimum frutescens L.) auf, die sich in zahlreiche Varietäten mit morphologischen wie auch chemotypischen Unterschieden aufspaltet [15]. Mehr als 20 Varietäten wurden beschrieben. Rein äußerlich fällt vor allem die unterschiedliche Färbung der Blätter (grün oder violett) ins Auge, die auch als Grundlage für die Zuordnung der Varietäten zu zwei Unterarten dient [1]. Das chinesische Arzneibuch lässt beide Unterarten als gleichwertig zu [2].

Botanische Beschreibung

Das einjährige Kraut ist in der Regel 30 bis 50 cm, selten bis zu 1 m hoch. Besonders die grüne Varietät weist im Habitus große Ähnlichkeit mit Basilikum (Ocimum basilicum) auf. Der aufrechte oder hängende Stängel ist vierkantig, verzweigt und trägt eine weiche Behaarung. Die an den Nerven flaumig behaarten Laubblätter sind lang gestielt, breit eiförmig, am Grund abgerundet, an der Spitze zugespitzt und an den gezähnten Rändern häufig gekraust. Ihre Färbung variiert zwischen dunkelgrün und dunkelviolett.

Die 4 bis 5 mm langen weißen bis hellvioletten, fast radiären Blüten (in Mitteleuropa von Juni bis Juli) stehen in zweiblütigen Scheinwirteln, von dreieckigen Tragblättern gestützt, an 5 bis 15 cm langen ährenförmigen Blütenständen. Der 3 bis 10 mm lange Kelch hat eine dreizähnige Oberlippe und eine zweispaltige Unterlippe. Die Blütenkrone ist nur 4 bis 5 mm lang. Die 1 bis 4 reifen Klausenfrüchte sind eiförmig-rund, graubraun bis dunkelbraun und von 0,6 bis 2 mm Durchmesser. Das Perikarp ist dünn und zerbrechlich, der Samen gelblichweiß [1, 2].

Vorkommen, Anbau und Ernte

Perilla frutescens stammt ursprünglich aus den Bergregionen Chinas und Nordindiens; von Kaschmir bis Bhutan ist sie in Höhenlagen um 1200 m zu finden. Im 7. bis 8. Jahrhundert wurde sie nach Japan eingeführt. Dort wird sie heute, ebenso wie in Korea und China, in großem Ausmaß kultiviert.

Die Pflanze bevorzugt sonnige, nicht zu trockene Lagen mit lockerem, fruchtbarem (gedüngtem) Boden. In den ersten Wochen des Wachstums benötigt sie ausreichend Feuchtigkeit, in späteren Stadien muss eher für Drainage gesorgt werden. In China sollen die besten Qualitäten aus den Provinzen Guangdong, Guangxi, Hebei und Hubei kommen.

Zu Beginn oder während der Blütezeit (in Südchina von Juli bis August, in Nordchina von August bis September) wird die Pflanze zur Gewinnung des ätherischen Öls geerntet. Aus 1 kg sonnengetrockneten Blättern erhält man etwa 1 g ätherisches Öl. Wenn die Ganzdroge einschließlich der Samen gewonnen werden soll, ist die Erntezeit September bis Oktober.

In Taiwan liefert ein Hektar etwa 20 bis 30 Tonnen frische Blätter. In Japan, wo vor allem die frischen oder getrockneten Blattknospen verwendet werden, beträgt die Anbaufläche gut 1000 ha. Korea, wo Perilla traditionsgemäß zur Samengewinnung angebaut wird, erzeugt pro Jahr auf ca. 50 ha etwa 37000 t Samen. Besonders ertragreich und von hoher Qualität ist die Sorte Okdongdlggae mit einem Gehalt von 0,36% ätherischem Öl in den Blättern sowie 44,8% fettem Öl in den Samen.

Besonders sorgfältige Maßnahmen bei der Gewinnung und Aufbewahrung der Droge (Tiefgefrierung, auch im Teigmantel) lassen die hohe Wertschätzung erkennen, die in asiatischen Ländern den Blattspitzen (jap. "mejiso") oder den blühenden Triebspitzen (jap. "hojiso") entgegengebracht wird.

Zur Gewinnung von "mejiso" werden die aus vorgequollenen Samen im Hochbett etwa 7 bis 20 Tage lang gezogenen Pflanzen vor der Öffnung des zweiten Blattes gestochen, gewaschen und in kleinen Holzschachteln gelagert. Zur Gewinnung von "hojiso" wächst die Pflanze auf gut gedüngtem Boden mit zweimaligem Umpflanzen bis zur Öffnung der fünften oder sechsten Blüte. Dann werden die Blütenköpfe abgeschnitten und ebenfalls in Schachteln verpackt.

In Südafrika wurden erste Anbauversuche mit Perilla frutescens im ökologischen Feldbau durchgeführt [9]. Zellkulturen scheinen vor allem zur Gewinnung von Anthocyanen erfolgversprechend zu sein, aber es wurde auch ein höherer Gehalt an Kaffeesäurederivaten in den Kallusgeweben gefunden [1].

Inhaltsstoffe

Knospen, Blätter und Triebspitzen enthalten ein wohlriechendes ätherisches Öl. Man unterscheidet je nach Aroma und Zusammensetzung 5 bis 6 Typen. Im Wesentlichen besteht der wasserdampfflüchtige Anteil aus Mono- und Sesquiterpenoiden, die strukturell vom Perilla-Aldehyd sowie von Limonen, Shisool, Linalool, Caryophyllen, Farnesen und Citral abgeleitet werden können. Freies Perilla-Aldehyd (1) findet sich vor allem in lipophilen Extrakten.

Das Rosenfuran (2), das auch im bulgarischen Rosenöl enthalten ist, verleiht dem ätherischen Öl aus den blühenden Triebspitzen der Perilla einen feinen Rosenduft. Im wässrigen Blattextrakt kommt Rosmarinsäure (3) vor. Im nicht flüchtigen Anteil sind Terpenoide und Sterolderivate enthalten, ferner phenolische Verbindungen wie Zimtsäurederivate, Flavonoide und Anthocyane (s. u.).

In grünen Blättern sind Monoterpenglykoside vom Typ des Perillosid A enthalten. Als cyanogene Glykoside wurden Prunasin und sein Isomeres, Sambunigrin sowie ein Amygdalinisomer beschrieben. Perilla enthält auch Jasmonoidglykoside, die als Wachstumsregulatoren fungieren [1]. Die Samen sind reich an hochwertigem fettem Öl.

Anthocyane und Flavonoide

In Indien wie auch in Japan dient die violette Varietät von Perilla zum Färben von Lebensmitteln, Geweben und Häuten. Die Farbstoffe sind Anthocyane, die vorwiegend vom Cyanidin, Shisonin und Malonylshisonin abgeleitet sind. Der Anthocyangehalt der Perilla-Varietäten ist sehr unterschiedlich (bis 2,3%) und ändert sich im Laufe der Wachstumsperiode. In den für medizinische Zwecke entwickelten Blattextrakten sind aufgrund des Herstellungsverfahrens nur noch ganz geringe Mengen Anthocyane enthalten.

Die Flavonderivate in den Blattextrakten von Perilla leiten sich vorwiegend von Apigenin, Luteolin und Scutellarein (4) ab. Eine analytische Trennung dieser Verbindungen erfolgt in der Regel mit chromatographischen Methoden, wobei die HPLC mit Photodiodenarray-Detektor besonders geeignet erscheint. Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen über die Strukturaufklärung und Isolierung der Flavonoide und Anthocyane aus Perilla (Zusammenfassung in [1]).

Traditionelle arzneiliche Verwendung

Während man in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ursprünglich vor allem die Samen von Perilla frutescens verwendete, z. B. als schleimlösendes Asthma- und Hustenmittel, stehen seit der Veröffentlichung des wichtigen Kräuterbuches Bencao gang mu von Li Shizhen (1596) die purpurfarbenen Blätter im Vordergrund. Sie werden bei Erkältungskrankheiten mit Kopfschmerzen, aber auch bei Erbrechen, Schwangerschaftsbeschwerden und Nahrungsmittelvergiftungen als Dekokt eingesetzt. Im aktuellen Arzneibuch der chinesischen Medizin sind die Blätter und die Früchte von Perilla monographiert [2]. Die japanische Pharmakopöe (1991) beschreibt unter Herba Perillae die getrockneten Blätter und Triebspitzen von P. frutescens var. kudo und verwandten Formen [1].

Verwendung als Nahrungsmittel

Traditionell wird Perilla in asiatischen Ländern als Gewürz und Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Besonders bei Fleisch- und Fischgerichten sollen aus dem Kraut hergestellte Zubereitungen nicht nur den Geschmack verbessern, sondern auch den Verderb der Speisen und dadurch bedingte Vergiftungserscheinungen verhindern.

Das Samenöl ist in Japan als exquisites Salatöl und hochwertiger Bestandteil von Salatdressings und Sojasaucen beliebt. "Shisho", ein japanisches Nationalgericht, enthält Blätter und Samen von Perilla [4]. Als Aromastoff für Saucen und Süßspeisen dient das ätherische Öl der Blätter. Der aus dem ätherischen Öl isolierte Perilla-Aldehyd kann zu Perillartin, einem in Japan verwendeten Süßstoff mit hoher Süßkraft, umgewandelt werden [3].

Schwarznesselkraut (Perillae herba) und Schwarznesselblätter (Perillae folium)

Die frischen, oberirdischen Teile von Perilla frutescens Britt. sind im HAB 1 [16] sowie in der Jap XI (zit. in [15]) makroskopisch beschrieben. Dort finden sich auch Angaben zur Reinheit. Das Arzneibuch der chinesischen Medizin beschreibt die an der Sonne getrockneten Blätter oder jungen Triebe mit Blättern in der Monographie Perillae folium (chin. Zisuye) [2].

Die Identitätsbestimmung erfolgt gleichzeitig mit der Gehaltsbestimmung durch quantitative Gewinnung und Auftrennung des ätherischen Öls, das weitgehend mit dem ätherischen Öl aus Perillablättern übereinstimmt. Hauptbestandteil ist mit 48% das Rosenfuran.

Ätherisches Öl

In den blühenden Triebspitzen von Perilla ist etwa 0,3 bis 1,3% ätherisches Öl enthalten. Dieses wird aufgrund seines hohen (bis 58%) Anteils an wohlriechendem Rosenfuran von der Parfümindustrie hoch geschätzt. Durch Wasserdampfdestillation wird das ätherische Öl aus den oberirdischen Teilen der Pflanze, teils mit, teils ohne Samen, gewonnen. Je nach Art des Ausgangsmaterials (Pflanzenvarietät, Wachstumsbedingungen, Art der Droge, Erntezeitpunkt, Witterung etc.) gibt es große qualitative Unterschiede. Das übliche Handelsöl wird meist aus grünen Blättern (jap. "aojiso") gewonnen und zeichnet sich durch einen typischen aromatischen Geruch aus. Es wird als appetitanregendes Mittel verwendet. Dem ätherischen Öl werden antimikrobielle, sedative und tumorsuppressive Wirkungen zugeschrieben. Hierzu fehlen aber noch ausreichende wissenschaftliche Nachweise.

Blattextrakte

Es wurde nachgewiesen, dass die sonst für Arzneipflanzen übliche Extraktion mit Alkoholen und Alkohol-Wasser-Mischungen für Schwarznesselkraut nicht geeignet ist. Als vorteilhaft erwies sich dagegen eine wässrig-saure Extraktion. Perilla-Aldehyd wird bei der Herstellung von Blattextrakten in der Regel entfernt, weil er stark allergen wirkt.

Aus dem flüssigen Extrakt kann in der üblichen Weise unter Zusatz von Dextrin ein Trockenextraktpulver hergestellt werden. Extrakte aus Perillae herba sind innerhalb Europas bisher nur in Finnland im Handel, und zwar in Form von Tropfen und Kapseln. Als Anwendungsgebiet werden Allergien genannt.

Pharmakologie der Blattextrakte

Extrakte aus Schwarznesselkraut sollen

  • antioxidative,
  • tumorhemmende,
  • hypoglykämische, Aldosereductase hemmende,
  • antiinflammatorische und
  • antiallergische

Wirkungen haben. Für die antioxidative Wirkung dürften phenolische Substanzen verantwortlich sein. Auch die entzündungshemmende und bei topischer Anwendung hautpflegende Wirkung dürfte zumindest teilweise auf phenolische Substanzen zurückzuführen sein. Bei der Anwendung kosmetischer Salben und Seifen mit Blattextrakt sollte auf die Möglichkeit einer allergenen Reizwirkung aufgrund des darin eventuell noch enthaltenen Perilla-Aldehyds geachtet werden.

Eine leicht blutzuckersenkende wie auch leicht antimikrobielle Wirkung wird unter anderem der Tormentillsäure und den Terpenglykosiden vom Typ der Perilloside zugeschrieben. Diese Verbindungen hemmen die Aldosereductase, ein Schlüsselenzym beim Abbau von Polyolen (es katalysiert unter anderem die Reduktion von Hexosen zu Zuckeralkoholen), aber auch ein Faktor für die Entstehung von Spätkomplikationen des Diabetes wie Augenerkrankungen, Neuropathie, Nierenerkrankungen usw. Für eine Gruppe von isolierten Perillosiden und deren Abkömmlingen wurde in den letzten Jahren dieser Hemmeffekt nachgewiesen.

Anwendung als Antiallergikum

Wässrige Extrakte aus Perillae herba steigern die Toleranz gegen Allergene unterschiedlicher Art. In vitro (Hemmung der Makrophagenaktivität) wie auch in vivo (mit Mäusen) wurde in unterschiedlichen Versuchsanordnungen demonstriert, dass sie, wenn sie gleichzeitig mit einem Reizstoff verabreicht wurden, die ansonsten überschießende TNF-Produktion um 70 bis 80% reduzierten. (Zum Vergleich: Steroide hemmten bei dieser Versuchsanordnung die TNF-Produktion um 99,5%.) Wenn der Blattextrakt nach dem Reizstoff verabreicht wurde, war er jedoch unwirksam [1]. Lipophil extrahierte Fraktionen zeigten ebenfalls keine oder nur eine schwache Wirkung.

Atopische Dermatitis, die häufig gemeinsam mit Rhinitis und Asthma auftritt, ist in Japan, wo bereits 34% der Bevölkerung an Allergien leiden, ein ernstes Problem, von dem vor allem Kinder betroffen sind. Um 1992 wurden dort Extrakte aus Schwarznesselkraut in verschiedenen Applikationsformen zur Vorbeugung von Allergien in die Therapie eingeführt, und seither es gibt eine Reihe von positiven Erfahrungsberichten und offenen klinischen Studien.

Eine Salbe mit 3% aldehydfreiem Blattextrakt wurde zur topischen Unterstützung der peroralen Behandlung eingesetzt, wobei in vielen Fällen entweder spontan oder nach mehreren Monaten Verbesserungen eintraten. Außer gelegentlicher vorübergehender Erstverschlimmerung wurden keine Nebenwirkungen beobachtet.

Anders als bei der atopischen Dermatitis werden bei Bronchialasthma keine erhöhten TNF-Spiegel beobachtet. Dies könnte eine Erklärung dafür bieten, dass Extrakte aus Perillae herba bei Bronchialasthma nicht wirksam sein sollen.

Schwarznesselfrüchte (Perillae fructus)

Die getrockneten reifen Früchte von Perilla frutescens (Perillae fructus, chin. Zisuzi) und das aus ihnen in der Regel durch Kaltpressung gewonnene Öl sind sowohl als Nahrungsmittel als auch als traditionelles Heilmittel in Süd- und Ostasien weit verbreitet und dort in allen wichtigen Arzneipflanzenbüchern beschrieben.

Im Rahmen der TCM wird ein Dekokt der Früchte bei Husten, Atemnot und bestimmten Formen der Obstipation angewendet [6]. Als organoleptisches Charakteristikum wird ein scharfer Geschmack genannt. In Korea werden die Früchte geröstet, was die Zersetzung des oxidationsempfindlichen Öls verzögert und den Früchten bzw. dem aus ihnen gepressten Öl ein besonderes Aroma verleiht. Dieses findet als Salatöl und Bestandteil von Würzsaucen vielfältige Verwendung. Auch in europäischen Ländern finden Perillafrüchte zunehmend Verwendung als hochwertige, allerdings leicht verderbliche Nahrungsbestandteile, beispielsweise als Zusatz zu Spezialbrot.

Gewinnung und Zusammensetzung des Öls

Je nach Sorte enthält Perillae fructus etwa 30 bis 40% fettes Öl sowie etwas ätherisches Öl. Als bestgeeignete Sorten für die Ölgewinnung gelten Suwon und Yaesil. Bei Lösungsmittel-Extraktion beträgt die Ausbeute etwa 40%. Dieses Öl besteht zu mehr als 90% aus einem Neutralfett mit etwa 92% Triglyceriden, 2 bis 3% Mono- und Diglyceriden und 4 bis 7% Sterolestern. Ferner enthält das Öl 4 bis 6% Glykolipide und 2 bis 3% Phospholipide sowie 4,9 bis 6,7 ppm Tokopherol, vorwiegend als gamma-Tokopherol. (Physikalische Kennzahlen in Tab. 1).

Bei der Zusammensetzung der Fettsäuren fällt der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten essenziellen Fettsäuren auf: bis zu 64% Linolensäure (C18:3) und 14 bis 20% Linolsäure (C18:2) gegenüber nur 13 bis 18% Ölsäure (C18:1). Ungewöhnlich für ein Pflanzenöl ist hier, dass der Linolsäure-Anteil nahezu vollständig aus alfa-Linolsäure besteht.

Positive Wirkungen der alfa-Linolensäure

Essenzielle Fettsäuren wie Linolsäure und alfa-Linolensäure werden nicht endogen produziert und müssen daher mit der Nahrung zugeführt werden. Sie sind Bestandteile von Zellmembranen, Zellkernen und Mitochondrienmembranen. Es besteht Grund zu der Annahme, dass alfa-Linolensäure an antihypertensiven und antithrombotischen Wirkungen wesentlich beteiligt ist. Es wird vermutet, dass sowohl omega-6-Fettsäuren vom Typ der Linolsäure als auch omega-3-Fettsäuren wie alfa-Linolensäure die Entwicklung von Tumoren beeinflussen, wobei die ersteren das Krebsrisiko zu erhöhen, die letzteren dagegen zu senken scheinen.

Auch Perillaöl könnte aufgrund des hohen alfa-Linolensäuregehaltes eine antikanzerogene Wirkung haben. Bei Ratten wurde nach Verfütterung von Perillaöl ein Rückgang des Risikos für Brustkrebs beobachtet. Positive Wirkungen wurden auch bei Dünndarm- und Dickdarmkrebs im Tierversuch beobachtet [8].

Im Tierversuch wurde eine entzündungshemmende und antithrombotische Wirkung nach Fütterung von Perillaöl nachgewiesen, die etwa dem Fischöl aus Kaltwasserfischen entspricht. Diese Wirkung wird die auf die omega-3-Fettsäuren Eikosapentaensäure und Dokosahexaensäure zurückgeführt, die im Körper enzymatisch aus alfa-Linolensäure gebildet werden.

Des Weiteren wurden im Tierversuch mit Perillaöl eine positive Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankung und eine Verbesserung der Immunantwort beobachtet. Bei diätetischer Verabreichung spezieller Perillaöl-Kapseln an gesunde Probanden zeigte sich, dass die Konzentrationen von Cholesterin und Triglyceriden im Blut sanken [9].

Bei der Erforschung der Wirkungen von alfa-Linolensäure stieß man auch auf eine Einwirkung dieser Fettsäure auf das Hirn und Nervensystem, die sich möglicherweise in einer Erhöhung der Lernfähigkeit äußern könnte. Dieser Effekt wurde bei Ratten nach Verfütterung von Perillaöl beobachtet, während im selben Versuch linolensäurefreies Sonnenblumenöl die Lernfähigkeit hersabsetzte. Auch bei einem Survivaltest zeigte sich eine Tiergruppe, die mit Perillaöl gefüttert war, klar überlegen gegenüber einer Sonnenblumenöl-Gruppe.

Perilla auch für den deutschen Markt

Die Schwarznessel, eine bewährte Nahrungs- und Arzneipflanze in asiatischen Ländern, bietet auch für unseren Kulturkreis nach Gesichtspunkten moderner Forschung sehr interessante Möglichkeiten zur Bereicherung der Nahrungsmittelpalette, der Hautpflegeprodukte und des Arzneischatzes. So ist z. B. in Deutschland ein mit Perillafrüchten veredeltes Spezialbrot auf dem Markt.

Die Anwendung von Perillaöl im Rahmen einer gezielten Ernährung kann sich auf lange Erfahrungen in den Herkunftsländern berufen, allerdings befindet sich die rationale Erfassung der vielfältigen pharmakologischen Wirkungen noch im Bereich erster orientierender Studien, die noch keinen gezielten therapeutischen Einsatz rechtfertigen.

Kastentext: Namen

Perilla frutescens heißt auf Deutsch Schwarznessel, auf Englisch Beefsteak Plant (auch Chinese Basil, Wild Coleus, Purple Mint Plant, Perilla Mint), auf Französisch Perilla de Nankin, auf Japanisch shiso, auf Chinesisch Zisu oder Tzu Su.

Kastentext: Keine Toxizität

Bis zu 10 ml/d aldehydfreier Blattextrakt wurden Mäusen intraperitoneal verabreicht. Bei Beobachtungszeiten bis zu einem Monat wurden keine Todesfälle und kein Gewichtsverlust festgestellt. Daraus wird geschlossen, dass selbst eine Tagesdosierung von 100 ml Extrakt für den Menschen nicht toxisch wäre.

Kastentext: Antioxidanzien

Die Bedeutung der Antioxidanzien für den menschlichen Organismus wird in letzter Zeit im Zusammenhang mit dem steigenden Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln stark diskutiert. Man geht von der Möglichkeit einer gewissen Hemmwirkung auf die Tumorbildung aus, jedoch bedürfen diese Aussagen noch der umfangreichen wissenschaftlichen Bestätigung.

Kastentext: TNF und Immunsystem

Zwischen vielen allergischen Reaktionen und dem Immunsystem des Körpers besteht ein Zusammenhang. Das Immunsystem kann durch bestimmte Stoffe angeregt und gestärkt oder aber geschwächt werden. Als Maß für seine Aktivität kann der nach einer Infektion bzw. einem allergenen Reiz von den Makrophagen produzierte Tumor-Nekrosefaktor (TNF) herangezogen werden.

Kastentext: Allergenes Perilla-Aldehyd

Die allergene Wirkung von frischer und getrockneter Schwarznessel wurde zuerst von den Personen beobachtet, die die Pflanze anbauten und vor allem bei der Ernte in intensiven Kontakt mit ihr kamen. Diese Beobachtung scheint der erfahrungsgemäßen Anwendung von Blattextrakt zur Vorbeugung gegen Allergien zu widersprechen, doch es zeigte sich, dass die allergene Wirkung allein dem Perilla-Aldehyd zuzuschreiben ist.

Zur Lösung des Problems erfolgte einerseits eine Zuchtauslese möglichst aldehydarmer Pflanzen, andererseits wird Perilla-Aldehyd aus dem wässrigen Blattextrakt selekiv entfernt. Der aldehydfreie Extrakt ist nicht allergen, sondern stellt im Gegenteil ein Mittel gegen Allergien dar.

Kastentext: Gefahr durch hochungesättigte Fettsäuren

Als Folge von starker Überdosierung von hochungesättigten Fettsäuren wurden im Tierversuch bei Ratten Mangel an Vitamin E, Haarausfall, Hauterkrankung und bei Hühnchen Muskelschwäche und Hautverfärbung beobachtet.

Ein Übermaß an Ölen mit hochungesättigten Fettsäuren in der menschlichen Ernährung könnte demnach die Gefahr bergen, dass dem Körper durch die ungesättigten Verbindungen Antioxidanzien entzogen werden und der Gehalt an Peroxiden in Serum und Gewebe zunimmt. Diese unerwünschten Wirkungen können durch den Zusatz von Antioxidanzien ausgeglichen werden, die gleichzeitig die Stabilität des Öls verbessern.

Literatur [1] He-Ci Yu et al.: "Perilla" - the Genus Perilla. hap, Amsterdam 1997. [2] Arzneibuch der chinesischen Medizin - Monographien des Arzneibuches der Volksrepublik China 1990 und 1995 (übers. v. E.A. Stöger). Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart 1999. [3] H. A. Hoppe: Taschenbuch der Drogenkunde. WdG, Berlin 1981. [4] J. Duke: Handbook of Med. Herbs. CRC, Boca Raton 1985. [5] Enqin Zhang: The Chinese Materia Medica. Shanghai College of TCM, 1988. [6] G. Junying: Practical TCM und Pharmacology. New World Press, Beijing 1991. [7] D. P. Reid: Chinese Herbal Medicine. Shambala, Public., Boston 1993. [8] T. Narisawa: J. Cancer Res. 82, 1089 - 1096 (1991). [9] Persönliche Mitteilung der Fa. Meduna Arzneimittel GmbH, 30916 Isernhagen. [10] A. A. Hartmann: Dtsch. Ärztebl. 95, A 100 - 102 (1998). [11] N. Onogi et al.: Carcinogenesis 17, 1291 - 1296 (1996). [12] H. Daniel, B. Metzger: Dtsch. Apoth. Ztg. 130, 2463 - 2469 (1990). [13] R. Shoda: J. Gastroenterol. 30, 98 - 101 (1995). [14] A. Belluzzi: J. Med. 334, 1557 - 1560 (1996). [15] Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 5. Auflage, Folgeband 3. Springer-Verlag, Heidelberg 1998. [16] Homöopathisches Arzneibuch 1. Ausgabe. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart 1978.

In asiatischen Ländern ist Perilla frutescens eine weit verbreitete Kulturpflanze. Sie ist nicht nur als Küchengewürz beliebt, sondern dient auch zur Herstellung hochwertiger Nahrungs- und Arzneimittel. Insbesondere das aus den Früchten gewonnene Öl, das reich an Linolensäure ist, fand starke Beachtung in der neueren wissenschaftlichen Literatur.

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