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Körpereigene Bakterien begrenzen die Krankenhaushygiene

FREIBURG (alu/ko). Die deutschen Krankenhäuser gehören zu den saubersten der Welt. Sauber und porentief rein bedeutet aber nicht bakterienfrei. Putzen hat nur sehr wenig mit moderner Krankenhaushygiene zu tun. Man weiß heute, dass es v. a. die Keime des Patienten selbst sind, also die körpereigene Flora, die Krankenhausinfektionen verursachen.

Das Nationale Referenzzentrum für Krankenhaushygiene unter Leitung von Prof. Dr. Henning Rüden, Berlin, und Prof. Dr. Franz Daschner, Freiburg, hat zwei grundlegende Studien unter dem Titel "Nosokomiale Infektionen in Deutschland - Erfassung und Prävention" (NIDEP I und II) durchgeführt.

In der Studie NIDEP I wurden erstmals für Deutschland repräsentative Zahlen über die Häufigkeit von Krankenhausinfektionen erhoben. Die durchschnittliche Infektionsrate in Deutschland ist 3,46%, auf Intensivstationen 15,3%. Die häufigsten Krankenhausinfektionen sind Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, bakterielle Blutvergiftungen (Sepsis) und postoperative Wundinfektionen. Auf Intensivstationen ist die Krankenhausinfektion mittlerweile eine der häufigsten Todesursachen geworden.

In NIDEP II wurde gezeigt, dass in Deutschland nur 26 Prozent aller Krankenhausinfektionen verhütet werden können. Der Rest ist gewissermaßen schicksalhaft. Die moderne Krankenhaushygiene stößt dort sehr schnell an ihre Grenzen, wo es nicht gelingt, körpereigene Flora, d. h. die Flora, die die Patienten schon ins Krankenhaus mitbringen, daran zu hindern, eine Krankenhausinfektion zu verursachen. Wenn die körpereigene Abwehr fast Null ist, wird die normale körpereigene Flora, z. B. die Darmflora, zur gefährlichen Infektionsflora. Fast alle Krankenhausinfektionen bei abwehrgeschwächten Patienten entstehen aus der Darm- oder Hautflora. Man kann somit die Krankenhausinfektion auch als die negative Kehrseite der modernen Medizin bezeichnen.

In Deutschland wird Krankenhaushygiene oft falsch durchgeführt. So wird beispielsweise in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel zu viel desinfiziert. Hunderte von Tonnen Desinfektionsmittel werden völlig überflüssig auf Fußböden geschüttet, von dort gelangen sie mit dem Abwasser in die Umwelt. Keime auf dem Fußboden, aber auch auf den Betten und Matratzen verursachen keine Krankenhausinfektionen. Im Universitätsklinikum Freiburg werden schon seit 20 Jahren keine Fußböden, keine Betten und keine Matratzen mehr routinemäßig desinfiziert. Allein bei der Fußbodendesinfektion werden dadurch jährlich DM 60 000 eingespart.

Die deutschen Krankenhäuser gehören zu den saubersten der Welt. Sauber und porentief rein bedeutet aber nicht bakterienfrei. Putzen hat nur sehr wenig mit moderner Krankenhaushygiene zu tun. Man weiß heute, dass es vor allem die Keime des Patienten selbst sind, also die körpereigene Flora, die Krankenhausinfektionen verursachen.

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