Feuilleton

Ausstellung: Gold der Meere – Faszination Bernstein

"Faszination Bernstein" heißt das Thema einer Sonderausstellung, die bis zum 28. Mai im Naturkundemuseum Gera zu sehen ist. Sehr viele Exponate besitzen Einschlüsse von Insekten (Inklusen).

Lagerstätten von der Ostsee ...

Archäologische Funde belegen, dass das "Gold der Meere" seit der Jungsteinzeit von Menschen begehrt wurde. Im zweiten vorchristlichen Jahrtausend war nordischer Bernstein von Südengland bis Griechenland verbreitet. Im Mittelalter gingen die ostpreußischen Bernsteindepots in das Eigentum der Landesherren über, und seit dem 17. Jahrhundert waren Königsberg und Danzig Zentren der künstlerischen Bearbeitung von Succinit, wie die Mineralogen das fossile Harz nennen.

... bis Bitterfeld

Kaum bekannt ist indessen, dass auch in der Bitterfelder Region Bernstein lagert. Mit der Rekultivierung der Bergbaulandschaft wurde der Tagebau Goitsche im vorigen Jahr geflutet. Etwa neuntausend Tonnen fossilen Harzes bleiben somit vor dem Abbau bewahrt. In der Ausstellung sind indessen Bernsteinobjekte Bitterfelder Herkunft zu sehen, die der Bernsteinhändler Jens Urbau aus Hainichen bei Chemnitz gesammelt hat.

Zu DDR-Zeiten wurde in Goitsche das "Gold der Meere" unter strengster Geheimhaltung abgebaut und als nordischer Bernstein exportiert. Jens Urban hatte schon damals während des Geologiestudiums von der Lagerstätte für "Nebenprodukte" – so lautete damals die offizielle Verschlüsselung für das wertvolle Exportgut – erfahren. Vor acht Jahren begann er, den Tagebau regelmäßig zu besuchen und nach Bernstein zu graben.

Mit dem Eis nach Süden

Die Herkunft des mitteldeutschen Amber ist noch nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise entstand er vor 42 Millionen Jahren in den tropischen Sumpfwäldern des heutigen Schweden und Finnland. Während der Eiszeit wurde dann das erstarrte Harz durch Gletscher nach Mitteleuropa transportiert, insbesondere in die baltisch-preußische Region, und gelangte mit dem Schmelzwasser zu seinen heutigen Lagerstätten, teilweise sogar bis in die Ukraine.

Andere Wissenschaftler vertreten die Theorie, dass der Bitterfelder Bernstein unabhängig von den Königsberger Vorkommen entstanden ist. Dafür sprechen Inklusen, die bisher nur im Raum Bitterfeld gefunden worden sind, nämlich eine Spinnenspezies der Gattung Aranea sowie einige Köcherfliegenarten (Trichoptera).

Viele Verwendungsmöglichkeiten

Außer der Verwendung als Schmuck wurde Bernstein schon durch Hildegard von Bingen als Therapeutikum empfohlen. Auch wurde das "Gold der Meere" als Werkstoff für medizinische und pharmazeutische Geräte verwendet. Gegenwärtig sind Bernsteinobjekte – wieder einmal – begehrte Sammelstücke, wie die Ausstellung zeigt. Die Exponate reichen von unbearbeiteten Fossilien mit Einschlüssen bis zu Figürchen, die in Indonesien aus Bitterfelder Bernstein geschnitzt wurden.

Fossile Harze in aller Welt

Seinen Farben- und Formenreichtum verdankt das "Gold der Meere" auch seiner unterschiedlichen Herkunft. Walnussschalenfarbige Objekte beispielsweise entstanden vor vielen Millionen Jahren aus dem Harz einer Hamamelis. Der teerschwarze Stantienit wurde nach dem Unternehmer Stantien benannt, der im 19. Jahrhundert mit seinem Geschäftspartner Becker Bernstein förderte und an die Schmuck- und die Lackindustrie verkaufte. Unter Sammlern wird diese Rarität geteurer als Gold gehandelt.

Bisher ist noch nicht endgültig abgeklärt, ob "unser" Succinit aus dem Harz einer Kiefer oder einer Zeder entstanden ist. Auch von Sumpfzypressen (Taxodium), die früher in Mitteleuropa wuchsen, stammt fossiles Harz. Grüner und blauer Bernstein sind besonders begehrte Kostbarkeiten. Kein Wunder, dass in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts europäische Händler Bernsteinvorkommen, die sie in Mexiko und der Dominikanischen Republik entdeckt hatten, aufkauften.

Fälschungen

In den alten Kulturen der Neuen Welt wurde das fossile Harz weder gehandelt noch verarbeitet. Anders in Europa: Schon Plinius der Ältere berichtet über Fälschungen. Um nämlich die Preise für Bernstein in die Höhe zu treiben, setzten gewiefte Händler Frösche und andere Tiere als "Inklusen" ein. Heute noch gelangt mitunter subfossiler Kopal, Harz von Bäumen der afrikanischen Leguminosen-Gattung Copaifera, auf den Markt. Plagiate können indessen durch Tests mit einer heißen Nadel, konzentrierter Salzlösung oder Cola leicht entlarvt werden. Die Klebereste geteurer fälschter Inklusen werden unter UV-Licht sichtbar.

Ausstellungsdaten

Ort: Museum für Naturkunde der Stadt Gera, Nicolaiberg 3, 07545 Gera, Tel. (03 65) 52003, Fax 52025. Geöffnet: Bis zum 28. Mai täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr. Ab Juli ist die Ausstellung im Naturkundemuseum Chemnitz zu sehen.

Die Sonderausstellung "Faszination Bernstein" stellt bis zum 28. Mai im Naturkundemuseum Gera Bernsteinobjekte aus. Sehr viele Exponate besitzen Einschlüsse von Insekten, die Hinweise auf die Herkunft des erstarrten Harzes geben. Der Erhaltungszustand der Tiere ist frappierend.

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