Prisma

Neues Behandlungsverfahren bei Hörsturz

In der Klinik für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde der Charité wird seit Januar ein neues Verfahren zur Behandlung des Hörsturzes erprobt, das sich bereits in einer Vorstudie als vielversprechend erwiesen hat.

Unter Hörsturz versteht man den plötzlichen einseitigen Hörverlust wegen einer Funktionsstörung im Innenohr, häufig verbunden mit Druckgefühl und Ohrgeräuschen. Für die Betroffenen ein dramatisches Ereignis, das jedes Jahr in Deutschland etwa 20 von 100000 Menschen trifft. Die Ursachen für einen Hörsturz sind noch weitgehend unbekannt, allgemein wird jedoch angenommen, dass dem Hörsturz eine plötzliche Durchblutungsstörung in den Gefäßen des Innenohrs vorausgeht, vergleichbar den Gefäßverschlüssen bei Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die bisherige Behandlung besteht darin, 10 Tage lang Infusionen mit durchblutungsfördernden und gefäßerweiternden Medikamenten zu verabreichen. Außerdem wird in der Annahme, dass das Geschehen auch eine entzündliche Komponente hat, Cortison gegeben. Da sich ein Hörsturz in vielen Fällen aber auch ohne Behandlung innerhalb von Tagen bis Wochen teilweise oder vollständig zurückbilden kann, ist unklar, ob die Infusionsbehandlung notwendig oder überflüssig ist.

Die an der Charité nun zu testende neue Therapie folgt der Erkenntnis, dass der Hörsturz gehäuft bei Personen auftritt, die Risikofaktoren für Gefäßverschlüsse haben, insbesondere erhöhte Blutfett- und Fibrinogenwerte. Daher soll versucht werden, in einer einmaligen, ambulant durchzuführenden "Reinigung" des Blutes von Cholesterin und Fibrinogen den Hörverlust aufzuheben. Dazu wird im Rahmen der sogenannten H.E.L.P (Heparin-Induzierten Extrakorporalen LDL-Präzipitations)-Apherese das Blut des Patienten aus einer Vene heraus über einen Filter geleitet, der die überhöhten Mengen von Cholesterin und Fibrinogen "herauswäscht". Das gereinigte Blut wird in das Venensystem zurückgeführt. Dieser Vorgang dauert etwa zwei bis drei Stunden. Schon während dieses Zeitraums bemerkten sechs von sieben so in München behandelten Patienten, dass das Druckgefühl im Ohr nachließ und ihre Hörfähigkeit sich besserte.

Patienten, die akut einen Hörsturz erleiden, können sich ab sofort über die "Chirurgische Rettungsstelle" am Campus Virchow-Klinikum der Charité mit der H.E.L.P.-Apherese behandeln lassen. Ansprechpartner ist die Leiterin der Studie, Frau Dr. med. Birgit Mazurek (Tel.: 030- 450-55 002). ssch

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